Heute war ich auf einer Geburtstagsfeier mit vielen Erwachsenen und Kindern. Manche kannten mich von früher ohne Bart. Gefragt hat erst einmal keiner. Es wurde einfach hingenommen. Manche Kinder und Erwachsene schauten ein wenig erstaunt. Auf mich machten die Menschen einen recht toleranten Eindruck. Ein älterer Herr sprach mich dann nach einiger Zeit neugierig an. Er fand es interessant, dass ich einen Bart trage und wollte wissen wie es dazu kam, ob ich etwas einnehme, dass er da wächst. Er fand es nicht schlecht und ein Mann neben ihm sagte warum nicht er findet es ok. Der ältere Mann war in den 30er Jahren geboren und hatte die Zeit des Nationalsozialismus mitbekommen. Er hatte damals erlebt wie Menschen, weil sie anders waren, ins KZ gebracht wurden. Wir sprachen über Vorurteile, und das es einige Zeit dauert, diese nicht mehr zu haben, wenn man sie anerzogen bekam. Früher war es der schwarze Mann, der Jude oder der Pole….und so weiter, die man als „Gefahr“ sah. Vielleicht als Gefahr für die „heile Welt“, die man sich aufgebaut hatte, oder meinte aufgebaut zu haben……
Ich denke der Mensch ist ein ängstliches Wesen und versucht sich mit den Bewertungen, Vorurteilen und Einteilungen in Kategorien Sicherheit zu schaffen. Auch ich bin davon nicht frei – leider. Und ich merke auch an mir, wie ich immer wieder in die Gewohnheit verfalle jemanden oder etwas einzuteilen, auch wenn ich weiß, wie verallgemeinernd das ist und dem, der mir gegenüber steht nicht gerecht wird. Indem ich hier gerade schrieb: „Der Mensch ist ein ängstliches Wesen“, verallgemeinere ich auch schon wieder. Woher will ich wissen, das das so ist!? – Vermutlich gibt es gar Zitate berühmter Menschen, die dies auch schon behauptet haben. Und da sie eine gewissen Ruf hatten glaubt man ihnen.
Den Menschen, dem man begegnet wirklich offen zu begegnen, ohne ihn einzuordnen ist gar nicht so leicht. Wie sehr sind wir konditioniert unser Gegenüber einzuordnen. Als erstes wird die Person, meiner Erfahrung nach, einem Geschlecht zugeordnet. Das ist schon mal die größte Beruhigung. Denn wenn das nicht gelingt, ist eine große Unsicherheit da, wie soll ich mich verhalten und wie wird sich die andere Person verhalten. Als nächstes geht es vielleicht um das Alter, den Beruf, die Herkunft oder von welchem Fußballverein der Andere Fan ist …..jeder hat da so seine Schwerpunkte, was für ihn wichtig ist über die andere Person zu wissen, um sich sicher zu fühlen, und abzustecken wer da vor ihm steht.
In manchen Gesellschaftsschichten ist die berufliche Karriere besonders wichtig. Ohne die, ist man schon mal unten durch und uninteressant….
Schade eigentlich. Wo ist die Offenheit geblieben, mit der ein Kind in die Welt schaut!? – Um das zu können muss man erst einmal seinen Kopf wieder leer machen. Ihn entleeren von den vielen gehörten und übernommenen Urteilen, und Worten, die man aufgesogen hat von Eltern, Lehrer und anderen Situationen, die einen Einfluss auf einen hatten. All die vielen Worte und Urteile, die man sich tief eingeprägt hat, um gut durch die Welt zu kommen.
Wenn man angstfrei und offen mit einem Menschen spricht, dann ist die Begegnung etwas besonderes. Eine Begegnung, die beiden mehr gibt, als ein Gespräch mit vorgefassten Urteilen in dem man schon nach wenigen Minuten dicht gemacht hat, weil das Gegenüber nicht ins Schema passt.
Ich denke oft gestehen wir uns selbst die Angst nicht ein…..sie ist nicht immer so leicht wahrnehmbar. Die Angst zeigt sich in der Körpersprache oder der Gewohnheit eine Zigarette anzustecken, oder bei der Party am Buffet zu stehen und zu viel zu essen, wenn eine Situation neu und beängstigend ist….und in anderen Gewohnheiten, sie mit einer anderen Handlung zu überdecken und vor sich selbst zu verstecken.
Vielleicht ist die Angst berechtigt. Wie eine Freundin heute zu mir meinte: Menschen essen Fleisch und töten. Allerdings kochen oder braten sie ihr Fleisch und fallen andere Menschen nicht wie Wölfe oder Tiger an.
Menschen können gefährlich sein und töten. Hätten wir nicht die Erziehung mit Moral, Ethik und Werten, dann würden sich vielleicht mehr Menschen wie wilde Tiere verhalten.
Krimis zum Beispiel spielen bewußt mit der Angst vor dem anderen Menschen.