Tagebuch 21.Tag

Zum ersten Mal in diesen Tagen begegnete ich heute einer Gruppe von Kindern, die so etwa 6 Jahre alt waren und wie ich auf dem Bahnsteig auf die S Bahn warteten. Einer der Jungs blickte mich immer wieder erstaunt an. Er sagte nichts.

Ein Mädchen schaute mich länger an und fragte mich dann: Wieso wächst dir denn ein Bart? Und wieso machst du den nicht weg? Ich antworte weil er mir wächst und ich will sehen, wie ich mit Bart aussehe. Dann sagt das Mädchen: damit siehst du aus wie ein Mann. Schneidest du ihn nie ab? – Vielleicht, wenn er soooo lang ist, antworte ich und zeige auf Hüfthöhe und grinse.

Mag sein, daß ich mit den Haaren im Gesicht aussehe wie ein Mann. Ich selbst mag die Mischung zwischen Mann und Frau an mir und finde sie schön.

Die S Bahn kam und die Kindergruppe und ich stiegen in den selben Wagen. Eines der Mädchen saß etwas entfernt schräg gegenüber von mir und starrte mich mit offenem Mund an. Nach einigen Minuten kam die Erzieherin und gab dem Mädchen mit der Hand einen Schubser aufs Kinn, so dass sich ihr Mund schloss.

Einige Leute waren heute am Tuscheln und Lachen, wenn sie mich sahen. Ich jedoch vergaß immer wieder die Haare in meinem Gesicht. Es wird tatsächlich von Tag zu Tag normaler für mich.

In manchen Momenten vergesse ich, daß es für die, die mich treffen womöglich das erste Mal ist, daß sie eine Frau mit Bart sehen.

Am neuen Wohnort meldete ich mich im Bürgeramt an. Ich wurde freundlich bedient. Das fällt mir in den Tagen immer wieder auf, daß die Menschen, die an der Kasse sitzen, die Bedienung im Cafe oder im Geschäft, oder die Frauen im Amt mich freundlich und zuvorkommend bedienen, fast noch freundlicher als ohne Bart. Schön ist das und ich genieße es.

Es kann sein, daß sie freundlicher sind, weil ich anders bin mit mir. Seitdem ich meinen Bart wachsen lasse fühle ich mich stärker und selbstbewußter, ich stehe mehr zu mir und liebe mich selbst mehr.

Eine Freundin half mir meine Sachen in die neue Wohnung zu bringen. Noch ist die neue Umgebung ungewohnt und ich muss mich erst mal einleben.

fotos-vom-handy4122008-0471Ich verspüre Angst. Habe ich mir die richtige Umgebung und Wohnung ausgesucht? Angst es könnte mir dort nicht gefallen. Und ich erinnere mich, daß ich diese Angst schon öfters hatte, wenn ich mich auf neue Orte, Wohnungen, oder Menschen eingelassen habe. Was ist richtig? Durch die Angst gehen und an der neuen Situation zu wachsen? Oder ist die Angst als Warnung zu verstehen und sollte ich die fremde Situation meiden? Ich habe keine Antwort darauf. Es ist jetzt eh entschieden. Ich habe den Vertrag unterzeichnet und mich angemeldet. Es ist nicht meine Traumwohnung. Es ist kein Altbau mit Dielen. Es ist eine schöne saubere Wohnung im Neubau mit wunderbarer Umgebung. Die nächsten Tage werde ich diese Umgebung erkunden und vielleicht beruhige ich mich dann wieder und die Angst weicht der Abenteuerlust.

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