Tagebuch, 56. Tag

Herbstlaub auf der Straße. Die Nächte werden merklich kühler. Eben habe ich erst mal Feuer im Kachelofen gemacht, denn im Seminarhaus ist keine Zentralheizung.

Zum ersten Mal, mit Bart, kam ich heute morgen an eine alternative Schule. Manche Kinder schauten, doch es gab keine Bemerkungen oder ähnliches.

Die Idee Menschen zum Thema Bart zu befragen, habe ich immer noch. Irgendwann werde ich es tun. Ich überlege, ob ich mich mit einem Tisch in die Fußgängerzone stelle und Interviews mache. Eine andere Variante wäre, jeden Tag eine Person auszuwählen und anzusprechen, wenn ich unterwegs bin, und diese zu befragen.

Da ich im Moment wieder einiges zu organisieren habe, komme ich nicht dazu. Das Wetter ist auch zu ungemütlich, um einen Tisch aufzustellen.

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Tagebuch, 55.Tag


Berliner Hauswand heute morgen in Kreuzberg. Als ich mein Gesicht am Morgen im Badezimmerspiegel sah, erschien mir der Bart etwas wild und stuppig und ich überlegte wie ich da wohl „Ordnung“ hineinbringen könnte. Die Haare sind sehr gelockt und störrisch. Ich versuchte mit etwas Haarwachs, die Barthaare zur Ordnung zu bringen, was nicht gerade erfolgreich war. Auf dem Weg zur U Bahn kam ich an einem Blumenladen vorbei, der besondes schöne Blumen und eine angenehme Besitzerin hat.

Vor einigen Tagen hatte ich dort  für die Freundin bei der ich wohnte eine rosarote Lilie gekauft. Diese Lilie ist unglaublich. Seit Tagen hat sie mehrere Blüten offen, duftet stark und ist einfach ein Prachtstück von Lilie.(Foto kommt noch…57.Tag)

Da mein Kleingeld zum Bezahlen nicht reichte, sollte ich das restliche Geld ein anderes Mal bringen. Schön so ein Vertrauen. Heute brachte ich ihr dann den Euro der noch fehlte.

Das nächste Foto ist Mittags am Hackeschen Markt aufgnommen im Monbijoupark. Ich sitze im Ampelmann Restaurant, um das Internet zu nutzen, zum Entspannen, und zum Mittagessen.

Früher ging ich nicht gerne Essen, oder in einem Restaurant etwas trinken. Da waren Cafes und Restaurants auch noch verraucht. Doch abgesehen vom Rauch war es mir zu teuer und ich erlebte oft Enttäuschungen bei dem was ich bestellte. Seit einigen Wochen genieße ich es, hin und wieder essen zu gehen oder in einem Cafe etwas zu trinken.

Das gab es hier heute Mittag. Es schmeckte köstlich. Ich übte mich im Slow Food essen und lies mir dabei Zeit und bin auch gut satt geworden.

Mein Gewicht soll weniger werden. Langsamer, bewußter und weniger essen sollte helfen.

Als ich in dem Restaurant auf der Toilette war gab es eine lustige Scene.

Ich stand am Waschbecken, um mir die Hände zu waschen und eine Frau, die herein kam und mich mit Bart sah, schaute nochmals draußen auf die Tür, ob es die Herren oder Frauentoilette ist.

Tagebuch, 54.Tag

Jeder Mensch tut was er tut letzten Endes aus Liebe.

Es ist gerade keine einfache Zeit. Seit einigen Tagen treten immer wieder Konflikte und Mißverständnisse auf. Wenn ich es zusammengefasst sehe, dann ging es immer wieder darum, das ich es so empfinde das Andere versuchten mir die Schuld zu geben, für einen Konflikt oder für ihr „sich unwohl fühlen“.

Wenn ich mich schlecht fühle, dann ist es das Leichteste, was ich tun kann, jemandem Anderen die Schuld dafür zu geben. Damit gebe ich die Verantwortung für mich und mein Wohlbefinden ab. Doch wenn ich mich unwohl fühle, dann bin ich es, die mit einer Situation nicht klar kommt. Ich bin die Person, der etwas nicht gefällt und die sich dann schlecht fühlt, weil sie die Situation auf eine Weise interpretiert, die ihr schlechte Gefühle macht. Es gibt eigentlich keine Schuld. Es gibt nur negative Gedanken über eine Situation. Es gibt den Kampf mit dem was ist. Und aus dem Kampf mit der Realität resultieren dann schlechte Gefühle, Energieverlust und Erschöpfung.

Wenn andere mir die Schuld geben, dann strahle ich auch etwas aus, was ihnen die Möglichkeit gibt mich zu beschuldigen. Das was ich erlebe ist ein Spiegel für das was ich unbewußt denke.

In Momenten, in denen ich von anderen Schuld zugeschoben bekomme, fühle ich mich meist schwach, habe Selbstzweifel und fühle mich für das Wohl anderer verantwortlich. Wenn ich zu Gast bei anderen Menschen bin, habe ich immer wieder mal Angst zu stören, zu nerven, zur Last zu fallen, oder was falsch zu machen. Manchmal denke ich die anderen Menschen schätzen mich und meine Person und Anwesenheit nicht. Ich denke schlecht über mich und unterstelle ihnen unterbewußt, dass sie was gegen mich haben. Und all das führt dann auch zu entsprechenden Reaktionen bei Ihnen.

Würde ich selbstbewußter auftreten, mich selbst mehr schätzen und lieben, dann wäre die Reaktion auf mich von meiner Umwelt eine Andere! Und ich würde mich mit mir wohler fühlen und käme vielleicht gar nicht auf solch negative Gedanken!

Ich vermute, dass meine Selbstzweifel auch den Anderen zweifeln lassen. Wenn ich mich voller Selbstliebe und strahlend durch die Welt bewegen würde, würde es vermutlich anders aussehen. Siehe Nelson Mandelas Ansprache, die ich vor einigen Tagen erwähnte.


Als Gast ist es besser nichts zu tun und das Gast sein zu genießen. Damit erspart man sich Konflikte.

Einige Menschen, und ich gehöre auch dazu, brauchen viel Zeit für sich und mögen es alleine zu sein in den eigenen vier Wänden. So auch die Freundin, bei der ich die letzten Tage verbrachte. Sie konnte die Enge nicht ertragen und bat mich heute zu gehen. Es hatte auch nichts genutzt, dass ich tagsüber und abends nicht da war. Das kam etwas unerwartet und plötzlich für mich. Zum Glück konnte ich kurzfristig für eine Nacht bei einer anderen Freundin unterkommen. Die Tage danach werde ich in einem Seminarhaus am Rande der Stadt im Grünen verbringen. So ist das Schicksal doch eigentlich sehr freundlich…. hatte ich nicht immer wieder nach Natur verlangt?!

Nochmal zu den Konflikten.

Woran es bei den meisten Konflikten mangelt ist die klare Kommunikation.

Die Menschheit hat große Fortschritte gemacht in der Wissenschaft und auf anderen Gebieten. Was jedoch die Kommunikation angeht, so habe ich den Eindruck, das wir uns noch am Anfang befinden.

Ich denke manche Konflikte ließen sich im Vorfeld abwenden, und würden gar nicht erst entstehen, wenn beide Parteien klarer wären was sie wollen und ihre Bedürfnisse und Wünsche direkt und offen kommunizieren würden. Doch leider findet diese offene und direkte Kommunikation viel zu selten statt. Es wird geschwiegen oder vermieden etwas zu sagen, vieles wird zurückgehalten aus Rücksicht und aus Liebe!! um den anderen nicht zu verletzten. Doch wenn man seine eigenen Bedürfnisse zu lange zurückhält und sie selbst nicht bearbeitet, dann eskaliert die Situation irgendwann und es ist kaum noch möglich miteinander in Ruhe zu sprechen oder eine gütliche Einigung zu treffen. Schade.

Und wenn ich mich mal nehme, dann ist mir nicht immer rechtzeitig genug klar was ich will oder fühle, um es im Vorfeld zu kommunizieren. Ich nehme mir nicht den Raum hineinzuspüren.

Es ist vermutlich eine Illusion, das es ein Zusammenleben ohne Konflikte und Auseinandersetzungen gibt. Doch woher will ich denn wissen, ob es nicht irgendwo auf der Welt Menschen gibt die so klar kommunizieren, dass sich keine Konflikte ergeben!?

Solange ich Konflikte in mir habe und sie für mein Wachstum brauche, werde ich sie haben.

An dieser Stelle möchte ich mich bei allen Freunden bedanken, die mich bis hierher unterstützt haben und mir geholfen haben. Ich schätze wirklich sehr, was ihr alle für mich getan habt und welche Opfer ihr zum Teil dafür gebracht habt! Es ist ein Geschenk an so vielen wundervollen Orten gewohnt zu haben mit ebenso wundervollen Menschen! All die Konflikte waren, so unangenehm wie sie erstmal sind, auch lehrreich.

(die Fotos von den Sonnenaufgängen stammen vom Camino de Santiago in Spanien)

Tagebuch, 53. Tag

Jetzt am Abend sitze ich im Cafe „Coffee Karma“ in Berlin und wunderschöne live Musik erklingt. Lasse Matthiessen und Lukas Batteau spielen heute abend hier in der Sonntagstraße in Friedrichshain. (www.LasseMatthiessen.de und http://www.myspace.com/lukasbatteau). Die schöne Gitarrenmusik ist von Lukas Batteau. Mal sehen wie der andere Musiker klingt. Ich bin hier zufällig gelandet, auf der Suche nach einem netten ruhigen Cafe mit WLAN.

Gemütlich!

Den halben Tag war ich heute unterwegs. Der Himmel über Berlin war heute sensationell. Hier einige Fotos:

Ich habe nur eine kleine Kamera, so sind die Fotos von mittlerer Qualität. Gestern abend war ich zu Besuch bei Loewin und dort war ein Fotograf zu Besuch, der seine Fotos zeigte, die derart schön und scharf waren, das ich den Unterschied so richtig gut sah. Nun ja. Für mein Tagebuch reicht es.

Am Nachmittag war ich im Park. In dem mit den riesigen Bäumen.

Auf meiner Fahrt durch die Stadt gab es einige Erlebnisse. An einer Station stieg eine Gruppe Jugendlicher ein, die deutsch und spanisch sprachen. Eines der Mädchen bekam einen Lachanfall als sie mich sah. Die Bahn stoppte mehrmals und sie war immer noch am Lachen. Irgendwann musste ich auch grinsen. Sie flüsterten und sprachen auf spanisch….und kamen irgendwann zu dem Schluss, daß es wohl eine Maske sei. Ich sprach einen von ihnen an bevor ich ausstieg und sagte ihm das es ein echter Bart sei. Er schaute mich fragend an und sagte: „Wie denn das?“ Ich fragte ihn, ob er denn noch nie eine Frau mit Bart sah, was er verneinte.

An einer anderen Station wurde mir nachdem ich eine „Freßbude“ passiert hatte nachgerufen: „Lass dich doch mal rasieren!“ und Lacher folgten der Botschaft. In der Gegend war mir etwas mulmig zu mute.


Vor einigen Tagen schrieb ich etwas zu einem Seminar. Dies löste heftige Reaktionen und Kritik aus bei der Seminarleiterin. Ich machte mir Gedanken darüber und änderte den Originaleintrag soweit ab, dass die gemeinte Person nicht zu identifizieren ist.

In diesem Tagebuch schreibe ich meine Gefühle und Gedanken und meine Interpretation der Dinge. Ich schließe nicht aus, daß auch ich projeziere, so wie die meisten Menschen. Meine Sicht ist meine Sicht und ein anderer Mensch der wird die selbe Situation vielleicht ganz anders wahrnehmen und interpretieren.

Ich bemühe mich die Dinge möglichst Realitätsnah wieder zu geben. Jeder Mensch hat jedoch seine eigene Wahrnehmung und Realität. So kann es durchaus zu Differenzen kommen. Ich bin der Meinung, daß auch die Nachrichten und Zeitungsberichte nie die absolute Wahrheit wiedergeben. Jegliche Kommunikation und Berichterstattung ist leicht eingefärbt von dem der schreibt oder spricht.

Was ich schreibe, schreibe ich aus meinem Blickwinkel. Jeder Mensch hat seine Sicht, die mindestens eine feine Nuance abweicht von der Sicht eines anderen Menschen, sonst wären wir keine Individuen. Es ist nicht meine Absicht irgendjemandem mit dem, was ich schreibe zu schaden oder die Person zu verletzten. Dennoch habe ich nicht nur positive und liebevolle Gedanken und hin und wieder lasse ich mich auch mal über etwas aus, das mich aufregt. Ich sehe es als mein gutes Recht an dies zu tun. Damit es nicht nochmal zu so einem Ärgernis kommt, wie in den letzten Tagen, werde ich noch genauer darauf achten Namen und Orte wegzulassen oder zu verändern, damit die betreffenden Menschen nicht identifiziert werden können. Und auch wenn ich mich mal über jemanden aufrege, so hat dieser Mensch natürlich auch gute Seiten, die in dem Moment, in dem ich mich ärgere im Hintergrund sind.

Tagebuch, 52. Tag

Vor einigen Tagen hat mir Fetzenweib einen Award verliehen. Vielen DANK! Das freut mich sehr!!! Noch gar nicht so lange ist es her, das ich den Blog begann und schon eine Auszeichnung! Wow!
Wenn man einen Award bekommt, dann muss man noch 7 anderen Blogs einen verleihen. Das mache ich gerne…werde mir etwas Zeit damit lassen. Die Erste, der ich einen Award verleihen will ist Loewin; http://loewin.wordpress.com

Hier die Regeln:
1. Der Blogger kann das Logo auf seinen/auf ihren Blog speichern.

2. Verlinke die Person, von der Du den Award bekommen hast.

3. Nominiere mindestens 7 weitere Blogs.

4. Verlinke diese Blogs mit Deinem

5. Hinterlasse eine Nachricht auf den nominierten Blogs.

Ja und sonst…..geht das wilde Leben weiter. Hier ein Blick aus dem Fenster des Hauses in dem ich gerade wohne, auf den Garten und die schönen großen Bäume. Und ein anderes mit dem Esstisch.

Tagebuch, 51.Tag

Heute war ich bei einer Agentur und habe von mir eine Setkarte machen und mich in die Datei aufnehmen lassen. Vielleicht braucht mal jemand eine Frau mit Bart, und ich kann dann mit dem Bart Geld verdienen. Das wäre doch schön. Heute morgen, als ich aus dem Haus ging, weil ich mal wieder zum Arzt ging, fühlte ich mich den Blicken nicht gewachsen und zog mir immer wieder den Schal vor das Gesicht. Es war auch recht kalt.

Was ich dann an mir beobachtete, fand ich interessant: jedesmal wenn ich den Schal vor das Gesicht und den Bart zog, fühlte ich mich schwächer. Ich versuchte den Bart zu verstecken, weil ich mich schwach fühlte – (vermutlich hatte ich kritische Gedanken über mich – oder ich war einfach mal wieder menschenscheu weil zu sensibel).

Indem ich einen Teil von mir verstecke, beraube ich mich meiner Kraft. Mich klein zu machen, mich zu ducken, macht mich unsicher und ich fühle mich schwach – also durch das Verstecken fühle ich mich noch kleiner und unsicherer als ohne das! Denn nun verstecke ich einen Teil von mir, und ich mache mir Gedanken ob vielleicht jemand das entdeckt was ich verstecke, und damit wird die Angst und Unsicherheit noch größer.

Sobald ich den Schal wegnahm, fühlte ich mich stärker, selbstsicherer und bei mir.

Eine Erkenntnis, die ich auch schon zu Beginn des Tagebuchs hatte. Naja manche Dinge müssen sich wohl wiederholen, bis ich sie richtig kapiert habe. Bei dem Thema sich schwach und stark zu fühlen fällt mir der folgende Text von Nelson Mandela ein (es gibt verschiedene Übersetzungen – hier eine davon):

Unsere tiefste Angst

Unsere tiefste Angst ist nicht, daß wir unzulänglich sind.

Unsere tiefste Angst ist, daß wir grenzenlos mächtig sind.

Es ist unser Licht, nicht unsere Dunkelheit, das uns erschreckt.

Wir fragen uns, wer bin ich denn
um brilliant, wunderschön, talentiert und fantastisch zu sein?

Doch wer bist du denn, um dies nicht zu sein?

Du bist ein Kind GOTTES!

Dich selbst klein zu machen dient der Welt nicht!

Da ist nichts Erleuchtendes dran sich klein zu machen,
nur damit die Anderen sich nicht unsicher fühlen in deiner Gegenwart.

Wir sind geboren um die Herrlichkeit Gottes in uns zu manifestieren.

Sie ist nicht nur in Einigen von uns; sie ist in Jedem.

Dadurch, daß wir unser Licht scheinen lassen,
geben wir anderen Menschen unbewußt die Erlaubnis das Gleiche zu tun.

Dadurch daß wir uns befreien von unser eigenen Angst,
befreit unsere Gegenwart automatisch andere.
Nelson Mandela (1994, Auszug aus seiner Antrittsrede)

Gefällt mir sehr gut, die Übersetzung könnte besser sein. Ich werde nochmal im Netz suchen.

Von Loewin habe ich ein Buch ausgeliehen: Margitta Steib, Die enthaarte Frau.

Das Buch gibt einen guten Überblick über das Thema Haare. Es ist 1991 heraus gekommen. Schon 17 Jahre ist das her! Und damals trug Margitta Steib schon einen Bart und machte ähnliche Beobachtungen und Erfahrungen mit dem Bart, wie ich.

Zu dem eben erwähnten Thema mit dem Schal – hier ein Auszug was Margitta Steib dazu auf Seite 101/102 schreibt:

„Wenn ich heute dazu anrege, Körper- oder Barthaare nicht mehr zu entfernen, dann deshalb, weil es für mich so wichtig war zu erleben, wie sehr sich mein Bewußtsein und mein Selbstbewußtsein verändert hat, seitdem ich meinen Bart einfach stehen lasse. Das ist eine lohnende Erfahrung, die ich gerne weitergeben möchte.

Wer in diesem – ja nur scheinbar äußerlichen – Punkt zu sich selbst stehen lernt, kann genau wie ich erleben, daß sich diese frühere „Schwäche“ einer stärkeren Behaarung in Stärke verwandelt. Nicht umsonst symbolisieren Haare Kraft und Stärke. Solange wir einen Teil von uns verstecken und unsichtbar machen, verbrauchen wir unnötig Kraft (und gestehen sie uns auch selbst nicht zu). Wenn wir eine positive Beziehung zu den Haaren aufbauen, stärken wir uns damit selbst.“(Zitat Ende)

In einem anderen Kapitel geht es um bärtige Frauen in der Geschichte. Zitat Seite 33: „Geschichtlich belegbare Wirklichkeit hingegen ist, daß sich im alten Ägypten die Gemahlin des Pharao bei feierlichen Anlässen einen Kinnbart (meist aus Gold) umzuhängen pflegte, denn ein solcher galt als Zeichen der königlichen Macht und Würde. “

Margitta Steib berichtet weiter das es Jahrhunderte gab in denen es auch für Männer tabu war einen Bart zu tragen. Dann wieder gab es Zeiten wie im 16. Jhd. und bis Mitte des 17. Jahrhunderts, wo es einige Hinweise auf Frauen mit Bart gibt. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts soll es sogar modern und normal gewesen sein wenn Frauen ihre Bärte offen trugen!

Tagebuch, 50. Tag

Heute Nacht habe ich richtig gut geschlafen.

Für die nächsten Tage wohne ich in einem Haus mit großen Garten, vielen alten Bäumen und einem Park in der Nähe. Nachts ist es so ruhig, das man nicht das Gefühl hat in der Großstadt zu sein. In dem Haus, ist kein WLAN Empfang. Es mag sich seltsam anhören, doch ich vermute, dass ich auf elektromagnetische Felder und WLAN Strahlen empfindlich reagiere. In den Wohnungen, in denen ich die letzten Monate wohnte, fühlte ich mich mehr oder weniger unruhig, mein Schlaf war nicht erholsam und ich hatte Schwierigkeiten mich zu konzentrieren. Das Lesen und das Schreiben fiel mir schwer.

In den vergangenen Jahren hat, soviel ich weiß, die Anzahl der Masten mit Handyverstärkern sehr zugenommen. Als ich jetzt auf der Suche nach einer Wohnung war, fielen mir die vielen Masten auf den Hausdächern auf. In der Nähe fast jeder Wohnung, die ich besichtigte gab es welche!

Überall wo ich wohnte, empfing mein Laptop zwischen 7 und 14 unterschiedliche WLAN Quellen! Einige davon mit so gutem Empfang, als wäre die Sendestation in meinem Zimmer!

Welche Effekte diese Strahlenbelastung auf den menschlichen Organismus hat, ist noch wenig erforscht. Ich würde behaupten, das kann nicht gut sein; es ist weder wohltuend noch entspannend.

In einer der Wohnungen hatte ich nie einen erholsamen Schlaf. Die ganze Zeit über verspürte ich eine innere Unruhe und hatte häufig Herzrasen. Die Mitbewohner hatten keine Probleme und führten es auf meine Lebenssituation zurück. Ich denke, sie sind nicht so sensibel und waren oft übermüdet, so das sie auch bei hellem Sonnenlicht, ohne Gardinen vor den Fenstern, noch gut schlafen konnten, was mir schwer fiel.

Auf meiner weiteren Suche, nach einem Ort, an dem ich mich wohl fühle, werde ich jedenfalls versuchen möglichst keinen ungewollten WLAN Empfang zu haben. Das bedeutet, das ich ein freistehendes Haus finden müsste, mit möglichst wenig Wohnungen oder das ich gar alleine bewohne. Oder es müsste ein Haus sein, in dem Menschen leben, die bewußt auf WLAN verzichten.

Tagebuch, 49. Tag

Ein nasser verregneter Tag. Zum Schreiben sind solche Tage sehr gut geeignet. War beim Amt, wo ich noch was zu erledigen hatte und das kostete mich schon mal den halben Tag. Danach war ich völlig ko. Und nun geht es am späten Nachmittag im Regen zu einer anderen Wohnung. Die Freundin hat mir ihre Wohnung für drei Wochen überlassen, doch nun kommt sie vorzeitig zurück und wir werden heute beide dort sein. Danach ist noch alles unklar. Ich glaube ich setze mich in einen Billigflieger und beame mich hier erst mal weg! Was mache ich hier? Was soll ich hier.

Ich laufe durch die Stadt und finde es interessant, all die Dinge, die ich sehe. Und vieles hat mit Konsum zu tun. Schöne bunte Verpackungen, ab und zu dann auch mal ein interessanter Baum. Doch die „wahre“ Natur fehlt hier. Und die Geräuschkulisse ist hoch. Ich merke es selten. Hin und wieder habe ich den Verdacht mein Gehör lässt nach! Hoffe es wird sich wieder regenerieren, sobald ich an einem ruhigen Ort bin.

Die Situation ist einerseits zum Verzweifeln und andererseits: was will ich denn..Ist doch klasse die Freiheit. Kann gehen, wenn ich will. Was für ein Luxus! Werde mich mal mehr auf die positiven Aspekte konzentrieren. Dann lässt die Angst auch nach und der Spaß kommt zurück.

Tagebuch, 48.Tag

Es gibt nicht viel zu schreiben. Als ich heute wieder mit dem Rad fuhr, tat mir mein Hintern weh vom gestrigen Radfahren. Bin in letzter Zeit nicht so viel Rad gefahren, da ich ein Monatsticket habe.

Hab mir Gedanken gemacht, dass ich mal so allmählich wissen sollte wohin und was tun. Also ging die Suche im Internet und nach Aushängen in den Läden weiter. Ergebnislos. Fühle mich eher verwirrt und unter Druck und denke ich sollte meine Zeit anders nutzen. Sollte mehr Vertrauen haben, das mir das Richtige begegnet zu seiner Zeit.

Werde schlafen gehen und hoffe das es morgen wieder besser aussieht.

Das Häuschen,…eine Klappkarte, die ich mal gebastelt habe vor vielen Jahren.

Tagebuch, 47.Tag

Statt heute zum Seminar zu gehen, (ich merkte heute morgen, dass es nicht so passend für mich ist…die Arbeit war mir, die ich recht ungeduldig und schnell bin, zu langsam), entschied ich mich bei dem sonnigen Wetter mit dem Fahrrad durch die Stadt zu fahren und den Flohmarkt zu besuchen. Es war wunderschön, wie die Blätter im Sonnenlicht leuchteten, der Himmel strahlend blau und die Luft kühl und klar. Der Flohmarkt war heute angenehm. Ich konnte die vielen Menschen vertragen. Für den Sohn einer Freundin, bei der ich gerade wohne, fand ich einen Bobycar für 4,-€!

Die frische Luft und die Bewegung taten mir sehr gut.

Auf dem Weg durch die Stadt begegnete mir ein junger Japaner. Er hatte einen lustigen Bart. Wenige und sehr dünne Haare spriesten an seinem Kinn. Diese waren etwa 6 – 10 cm lang und standen gerade nach unten, wie Fäden. So vereinzelt das sah lustig aus. Und ich dachte, ich hätte wenig dichte Haare am Kinn, meine sind dicker und gelockter…dadurch wohl der Unterschied.

Immer noch habe ich keine eigene Wohnung und wohne alle paar Wochen woanders. Einen Vorteil hat das, es gibt mir ein freies Gefühl, ich fühle mich lebendiger und jünger, das Leben ist abenteuerlicher und es macht mich unruhiger im positiven, wie im negativen Sinne. Oft fehlt mir die Ruhe zum Kreativen Tun, wie malen, zeichnen, oder Figuren zu nähen. Der eigene Besitz ist nicht mehr so wichtig. Es lehrt loszulassen. Einige Muster, die ich hatte, verändern sich – andere auch nicht. Meine Sehnsucht nach einer gewissen Sauberkeit und Ordnung bringt mich von den zu freakigen Orten nach kurzer Zeit wieder weg, auch wenn ich die Menschen und wie sie leben interessant und sehr kreativ finde.

Jetzt wünsche ich mir einen eigenen Raum, den ich gestalte und in dem ich alleine bestimme. Wo ich die Ruhe habe kreativ zu sein und mich wohl und geborgen fühle. Jetzt ist es bald ein Jahr, das ich so lebe, mal im Ausland mal hier in Berlin und in verschiedenen Wohnungen. Dieses Jahr war wesentlich intensiver und lebendiger, als manche Jahre zuvor mit festem Wohnsitz. Die Orte zu wechseln, hilft auch dem Denken sich zu verändern. Offener zu werden, beweglicher zu werden. Die Anpassungsfähigkeit wird trainiert. Ein stabiles Leben mit einer langjährigen Wohnung führt eher dazu, das die Eigenheiten tiefer eingeschliffen werden und die Flexibilität dadurch abnimmt. Auch Ängst und Phobien können dadurch größer werden, wenn der Kreis in dem man sich bewegt zu klein ist. Ich vermute, dass Sport und Reisen, und die Begegnung mit den unterschiedlichsten Menschen oder Kulturen, bei einem sonst sehr stabilen Leben ähnliche Effekte hat, das man flexibel und offen bleibt. So wie der Körper so der Geist und umgekehrt.

Tagebuch, 46. Tag

Dieses Wochenende nehme ich an einem Seminar teil. (zum Schutz der Seminarleitung habe ich den Titel des Seminars herausgenommen). Wir sind eine kleine Gruppe und ich habe jetzt am Abend den Eindruck, dass die Arbeit im Seminar leichte Veränderungen bewirkt hat in meinen Gedanken und in meiner Selbstwahrnehmung. Mein Bart war in der Mittagspause kurz Gesprächsthema. Ich begann darüber das Gespräch und eine Teilnehmerin sagte mir, dass sie in dem Moment, als ich zur Tür herein kam, sich verunsichert gefühlt hat und erst mal Gedanken machte wo sie mich nun einordnen sollte. Sie scannte sozusagen alles was sie kannte durch: Homosexuell, Bisexuell, Transvestit…usw. Da ich, wie sie sagte, jedoch so einen freundlichen, offenen und angenehmen Eindruck auf sie machte, konnte sie das Einordnen lassen und es war ok wie es war. Ein Ergebnis aus dem Seminar war, das ich auf dem Nachhauseweg darüber nachdachte, wie sehr ich immer die Meinungen und Kommentare anderer Menschen über meine eigene Wahrnehmung und Meinung gestellt habe. Nachdem wir den ganzen Tag gearbeitet hatten, habe ich den Eindruck ein Stück freier geworden zu sein und näher bei mir zu sein. Dennoch regte ich mich in der Mittagspause erst mal innerlich auf, als die Gruppenleiterin meine Aussage, das der Bart mich näher zu mir bringt und ich dadurch mehr auf dem Weg zu mir bin, mit einem Hochziehen der Augenbrauen kommentierte und auf das Nachfragen einer Teilnehmerin, was das denn zu bedeuten habe, sagte: „na wir werden ja sehen.“ Ich empfand diese Bemerkung als Besserwisserisch und als Kritik an meiner Eigenwahrnehmung. Und dachte darauf folgendes: Ich habe für mich etwas erkannt. Ich empfinde es so, das sich für mich neue Welten eröffnen, dadurch das ich den Bart wachsen lasse und das ich dadurch mehr ich selbst bin. Wieso sollte sie es besser wissen? Immer wieder meinen Menschen etwas besser zu wissen, als der Andere, besser zu wissen was der Andere tun sollte, oder was für ihn gut wäre. Das kenne ich auch von mir. Aber es ist ganz schön anmaßend. Wer bin ich denn, das ich denke ich wüßte so gut Bescheid, das ich das Leben eines andereren Menschen kommentiere. Wieso sollte ich so allwissend sein, das ich meine das Leben einer anderen Person besser leben zu können, als die Person selbst?! Wer lebt denn mein Leben? Wer ist die meiste Zeit des Lebens mit mir zusammen? Ich selbst. Also sollte ich doch auch auf mich hören, auf meine innere Stimme, auf meine Wahrnehmung. Andere Menschen können bei mir manchmal Dinge sehen, die ich nicht sehe, weil es meine blinden Flecke sind. Dann ist es auch mal hilfreich, wenn sie mir das, was sie sehen, mitteilen. In diesem Fall zog ich die Schlußfolgerung, das sie ein bestimmtes Weltbild hat, in das ich mit Bart nicht hineinpasse. Ich nahm an, sie würde es als einen Fortschritt für mich empfinden, wenn ich „über den Bart hinweg wäre“ und ihn nicht mehr hätte. Da gab es mal eine Bemerkung von Hilde, die ich so verstand, dass das Männliche und somit auch Haare als etwas männliches „niedriger“ seien als das Weibliche. ( siehe Kommentar).

Ich denke alles hat seine Berechtigung auf dieser Erde. Und manchmal sind die Dinge, die wir als etwas Negatives sehen oder auch Probleme, im Nachhinein ein Segen für unsere Entwicklung und Erkenntnis.

Tagebuch, 45. Tag

Das Foto hab ich im Januar aus einer Herberge am Pilgerweg in Nordspanien gemacht. Dort gab es die wundervollsten Sonnenaufgänge, die ich bisher gesehen habe.

Es ist kalt geworden. Hab mir einen lila Pullover angezogen, den ich im letzten Winter gestrickt habe. Mit dem Bart sieht das schon komisch aus. Muß mal sehen was da besser paßt…hmm hab mich dann für einen braunen Rollkragenpulli entschieden. Der lila Pulli ist ein anderes Mal dran.

Bin nachmittags bei Loewin gewesen und hab ihr die Fingerpuppe gebracht. Sie hat sich riesig gefreut und ich mich auch. Schön ein andere „Frau mit Bart“ gleich hier in der selben Stadt besuchen zu können!

Vor zwei Tagen war ich bei einer neuen Frauenärztin. Sie war sehr angenehm. Während des Gesprächs erzählte ich ihr von meinem Bartwachstum, sie wollte wissen warum ich ihn wachsen lasse. Und sie sagte darauf, das sie es schön findet. Das hatte ich nicht erwartet! Dachte all die Ärzte oder auch Frauenärzte werden mir sagen das ich dagegen etwas machen müsse, indem ich Hormone oder die Pille nehme. Und sie fand es ok. Erstaunlich! Das Leben ist ganz schön überraschend!

Ich war inzwischen in der Komischen Oper beim Fundus Verkauf. Fand jedoch absolut nichts passendes, meist zu klein und nicht der Stil den ich suche. Die Suche nach interessanten und zum Bart passenden Kleidungsstücken geht also weiter.

Abends war ich bei einem Infoabend zu einem Seminar das am Wochenende stattfindet. Mit einer Frau, die ich bei dem Vortrag traf war ich anschließend noch eine Kleinigkeit essen. Wir hatten ein sehr interessantes Gespräch über Homöopathie und andere Heilweisen. Dabei dachte ich seit langem mal wieder daran, ob ich vielleicht doch die Heilpraktikerausbildung machen sollte…das denke ich seit mindestens zwanzig Jahren immer mal wieder! Bei dem Gedanken nochmal drei Jahre die Schulbank zu drücken kommen mir jedoch Zweifel.

Jedenfalls wollte ich sagen, der Bart war kein Hinderniss mit jemandem, den ich nicht kannte essen zu gehen. In der U Bahn gab es wiedermal Blicke, die ich ignorierte. Und jetzt freue ich mich aufs Schlafen.

Tagebuch, 43. Tag

Tanzende Shiva in einer Kristallgruppe.

Abschied vom Bauwagenplatz und Zugfahrt über Bremen und Hamburg nach Berlin.

Als ich heute in Bremen am Bahnhof auf den Zug warten musste nutzte ich die Gelegenheit bei Hachez im Fabrikverkauf einzukaufen. Es ist gibt allerdings nur 3 % Skonto auf die Produkte. Wirklich günstiger sind so Mischtüten mit Pralinen, die zum Sonderpreis abgegeben werden. Ich liebe den Ingwer von Hachez und den gab es diesmal in Tüten. Lecker!

17908spinnboden-005Gegen Abend war ich wieder in Berlin. Abends gab es einen Schreibworkshop für Kreatives Schreiben. Eigentlich denke ich brauche ich das nicht. Doch heute war ich zum zweiten Mal da und es ist schon interessant und teils lustig was dabei für Texte entstehen, durch die vorgegebenen Themen. Wir lesen uns anschließend die Texte gegenseitig vor. Und mir fällt auf, auf wie viele unterschiedliche Arten Menschen schreiben.

Es ist spät und ich hab mal wieder nix zum Bart zu sagen. Irgendwie ist es so normal geworden. Klar immer wieder gibt es Blicke, jedoch nix sensationell neues, und die Schaffnerin war super freundlich, wie auch alle anderen Personen bei denen ich was kaufte und die im Dienstleistungsgewerbe arbeiten. Morgen muss ich viel erledigen und bin froh gleich mal zu schlafen. Hab mich gut erholt im Grünen…und es war ein Gefühl von nach Hause kommen, als ich wieder in Berlin war. Irgendwie mag ich diese Stadt…auch wenn sie mir schnell zu viel wird.