Über das Ausmisten und die innere Einkehr – Tagebuch, 117. Tag

25112008tosterglope-001Sonntag, und wir schliefen etwas länger. Zum ersten Advent las Dora etwas vor und die Küche war adventlich geschmückt.

Mittags traf ich eine Frau, die eine Kindergärtnerin für einen kleinen Kindergarten im Wendland suchte. Wir gingen zusammen spazieren und tauschten uns aus, über den Kindergarten und über mich, und ob ich Lust hätte da mit zu arbeiten.

Es sind wenige Kinder und es gibt noch nicht viel Geld, doch es gibt Bestrebungen größer zu werden.

Ich denke darüber nachdenken. Sofort kann ich nicht anfangen, denn ich habe vor im Dezember für einige Wochen in den Süden zu gehen.

Der Spaziergang hat gut getan, auch wenn es recht kalt war. An einigen Stellen lag sogar noch Schnee.

24112008tosterglope-006Am Ende von unserem Spaziergang fragte die junge Frau mich, warum ich einen Bart habe. Ich erzählte ihr ein wenig von der Geschichte und sie schaute mich an und sagte: Ich habe noch nie eine Frau mit Bart gesehen.

Ich äußerte meine Bedenken, die ich hatte, das sie mich vielleicht wegen meines Aussehens nicht als Kindergärtnerin haben wollten. Doch das war für sie kein Problem.

Mittags fuhr ich zu meinen gelagerten Sachen, um etwas das ich brauchte heraus zu suchen.

Viel habe ich nicht mehr. Von dem was ich habe, könnte ich nun, mit so viel zeitlichem Abstand, sicherlich wieder etwas aussortieren und weggeben oder wegwerfen.

Heute Nacht hatte ich mir über das Ausmisten und über die Dinge Gedanken gemacht und darüber geschrieben……der Text folgt weiter unten.

Nach dem Ausflug ins Lager, mit Raajas Auto – ich genoß es mal wieder selbst zu fahren….brachte mich Renate zum Zug und ich fuhr nach Hamburg.

30112008hamburg-0011In Hamburg besuchte ich mit Ute eine alte Bekannte. Diese kannte mich nur ohne Bart. Ihre Reaktion war auch interessant. Sie war nicht geschockt, und hatte vor Jahren mal einen Artikel über eine bärtige Frau gelesen, wusste leider nicht mehr wo…. Auch durch ihre Arbeit im Krankenhaus hatte sie schon so Einiges gesehen, wie Transvestiten mit Bärten….

Sie empfand mein Aussehen als stimmig. Es passte ihrer Meinung nach. Und sie fand es angenehm mal nicht beim Anblick meines Gesichts einsortieren zu müssen, in Mann oder Frau. Sie fand, das die Menschheit schon zu lange in der Dualität gelebt hat. Das die zwei Extreme, Mann und Frau sich wieder aneinander annähern müssten.

Wir unterhielten uns noch eine Weile bei Tee und Adventsgebäck und dann fuhr ich mit Ute nach Hause. Auf der Fahrt tankten wir. Ich ging in den Laden, um mir eine Flasche Wasser zu kaufen. Im Tankstellenshop standen fünf Männer. Als ich mich im Laden umschaute, erstarrten diese, wie Salzsäulen. Es war eine surreale Atmosphäre, wie in einem Film. Keiner sagte was. Sie tauschten Blicke aus und schauten wieder auf mich und Stille erfüllte den Raum. In manchen Gesichtern war so etwas wie ein Entsetzen zu sehen. Der Mann an der Kasse lächelte und fragte freundlich, darf es nochwas sein. Ich schüttelte den Kopf, bezahlte und ging hinaus.

Dann betrat Ute den Laden, um das Benzin zu bezahlen. Sie berichtete mir nachher im Auto, das sie noch Wortfetzen hörte, wie die Männer sich über den Bart ausließen und anschließend wie erlöst lachten…. als sie Ute sahen verstummten sie wieder.

Interessant. Manche Menschen reagieren auf den Anblick geschockt.

Auch Ute hatte ein schockartiges Gefühl gehabt, als sie mich mit Bart zum ersten Mal sah.

Ich finde es gut, daß mein Aussehen die Menschen zum Lachen bringt. Da braucht es keine Clownsnummer mehr und keine Rote Nase. Einfach nur Erscheinen und schon setzt das was bei den Leuten in Gang. Und das Lachen befreit, löst Spannung und ist gesund! So trägt mein Aussehen mit Bart dazu bei, das mehr gelacht wird. Ist doch schön!

Hier folgen noch ein paar Gedanken, zum Thema Ausmisten und Innere Einkehr….

In den letzten Wochen und Monaten, sah ich so manche Wohnung, die so voll mit Dingen war, das kaum noch Platz für die Bewohner blieb. Manche Leute, die ich traf wollten gerne eine leerere Wohnung haben, doch es war für sie kaum möglich etwas weg zuwerfen oder weg zu geben.

Vor Jahren las ich das Buch: „Feng Shui gegen das Gerümpel des Alltags“ von Karen Kingston. Dieses Buch hat mich so sehr inspiriert und motiviert, das ich jede Menge „Zeugs“ losgeworden bin. Das Entrümpeln zog sich über einige Jahre. Wenn ich zum Beispiel ein paar Bücher weggegeben hatte, konnten die Nächsten um so leichter das Regal verlassen. Je mehr ich los lies und weg gab, desto leichter wurde es. Mir selbst ging es auch immer besser. Ich hatte mehr Kraft und mehr Ruhe in mir. Ich brauchte weniger Zeit mit dem „Umsorgen“ der Sachen zu verbringen, als davor.

Als ich dann in der letzten Zeit Menschen in etwas vollen Wohnungen besuchte, bemerkte ich, das ich mich in diesen Wohnungen schlecht konzentrieren konnte. Die Dinge „lärmten“, wollten Aufmerksamkeit und zogen diese von mir selbst ab. Mit Mühe und starkem Willen geht es dann schon, doch es braucht mehr Kraft.

Je leerer ein Raum ist, und je angenehmer er gestaltet ist, umso wohler fühle ich mich und desto besser kann ich mich auf meine Arbeit oder mein Inneres konzentrieren – oder auf was auch immer ich mich konzentrieren möchte.

Wenn mich zu viele Dinge umgeben und meine Aufmerksamkeit auf sich ziehen, dann bin ich mit meiner Aufmerksamkeit nicht mehr bei mir. Das Resultat ist, mangelnder Kontakt zu mir, ein Gefühl der Leere und Traurigkeit. Die Traurigkeit führt dazu noch mehr zu kaufen und anzusammeln, denn da ist die Hoffnung durch diese Dinge glücklicher zu werden. Doch das Gegenteil ist der Fall! Je mehr ich ansammle und horte, desto mehr entferne ich mich von mir selbst. Die Dinge sind dann der Lebensmittelpunkt. Und ich selbst gehe darin unter.

Die Dinge sind dann wichtiger als der Kontakt zu mir. Die Dinge nehmen all den Raum im Haus. Die Dinge sind wertvoller als ich. Wenn dann ein Ding kaputt geht schreie ich. Das Geld, das das Ding kostete ist wichtiger, als ich selbst. Wo bleibe ich?

Wohin ging ich? Gibt es mich überhaupt noch vor lauter Dingen!!!?

Was ist das für ein Leben! Ein Leben in dem die Dinge wichtiger sind, als ich mir Selbst.

Ein Leben in dem die Dinge wichtiger sind, als der liebevolle Umgang mit meinen Nächsten.

Ein Leben in dem Geld und Objekte wichtiger sind, als die innere Einkehr.

So viele Dinge und so viele Seiten geschriebener Worte haben manche Menschen gesammelt, das ihre Lebenszeit nicht ausreichen wird all dies zu lesen und die Dinge wirklich zu nutzen und zu benutzen. Das Unangenehme ist, das die „Objekte“ dann herumstehen und einstauben. Falls man sich die Zeit nimmt sie immer wieder zu reinigen und zu pflegen, dann hat man diese Zeit wiederum nicht für andere Dinge im Leben.

Aus Angst Dinge zu behalten – einer der Gründe, warum Menschen so viel sammeln.

Es könnten ja „schlechte Zeiten“ kommen! – oder „ich könnte es ja nochmal brauchen“…..

Einige der Bücher, die ich weg gab, begegneten mir in den darauf folgenden Jahren wieder. Manchmal hätte ich sie günstig kaufen können, ein anderes Mal standen sie bei Menschen, die ich besuchte im Regal und ich hätte sie mir ausleihen können.

Es ist schön, wenn man mit dem Vertrauen lebt, das alles was man braucht da ist. Und falls man etwas braucht, das es dann auf Einen zu kommt. Dann ist es nicht nötig so viel zu horten und anzusammeln.

Auch ändern sich die Zeiten. Die Dinge von vor 40 Jahren will ich nicht unbedingt benutzen. Manch einer vielleicht doch…?

Vor einem Jahr, war es schon solch eine „Mode“ zu entrümpeln, zumindest in meinem Freundeskreis, das ich es schwer hatte überhaupt noch Dinge los zu werden.

Eine meiner Bekannten wurde richtig wütend, als ich ihr noch mehr Sachen brachte, sagte sie in einem sehr wütenden Ton zu mir: „Du bist wie meine Mutter……die überhäufte und erstickte mich mit Dingen, statt mir ihre Zuwendung und Liebe zu geben!“ Oh je …da hatte ich damals wohl voll ins Fettnäpfchen getreten. Wie sollte ich wissen, das das ein wunder Punkt der Frau war!?

Nachdem ich immer wieder auf Abwehr gestoßen bin, wenn ich etwas weiter geben wollte, bin ich nun bereit auch mal etwas in die Mülltonne zu werfen.

Im Internet gibt es eine Seite: Alles-und-Umsonst.de. Die Idee ist gut. Dort können Menschen ihre Sachen anbieten, die sie zu verschenken haben und wer sie braucht, kann sie dann kostenlos abholen. Leider klappt das nicht immer so gut.

Einige Menschen sagen zu, um etwas abzuholen und kommen dann doch nicht,….und so ist es manchmal leider leichter und zeitsparender die Dinge in die Mülltonne zu werfen…als darauf zu warten, das Jemand kommt…dennoch wollte ich die Seite weiterempfehlen und finde es sollten noch mehr Menschen da mit machen……und nicht alle, die etwas abholen wollen sind so unzuverlässig….

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