Mutter-Thema…Tagebuch, 121. Tag

tosterglope051208-002Am Morgen schneite es. Ich konnte ausschlafen und bastelte  Fingerpuppen.

Ich dachte daran, das ich bald meine Mutter treffen würde und wie sie wohl auf meinen Bart reagieren würde. Sie weiß, das ich immer gezupft habe, doch sie hat mich noch nie mit Bart gesehen.

Mir ist dabei nicht wohl zumute. Ich höre schon ihre Reaktion: Muss das sein? Musst du dich immer so hässlich machen? Kannst du nicht sein, wie alle anderen? Musst du immer aus der Reihe tanzen?

„Wenn du endlich ein normales Leben führen würdest, dann wäre deine Hormonlage eine Andere und du hättest keinen Bart…“ Vermutlich wird sie wollen, das ich Hormone dagegen einnehme oder nochmals zum Lasern gehe.

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Meine Mutter akzeptiert mich nicht so wie ich bin. Ist das wahr?

Sie kritisiert mich. Ja und …Sie will das ich anders lebe.

Ich will auch das ich anders lebe. Ich bin auf einer Suche, auf einem Quest und sie versucht mir zu helfen. Allerdings ist ihre Sicht eine andere als meine.

Warum nervt es mich, das sie sich einmischt?

Sie soll sich um ihr Leben kümmern. Soll dafür sorgen, das sie glücklich ist und mich mein Leben leben lassen.

Sie soll nicht ihr Glück, oder ihre Liebe zu mir, von dem was ich mache, oder wie es mir geht, abhängig machen.

Ich mache was ich mache. Sie macht was sie macht.

tosterglope041208-015Oft wusste ich besser, was meine Mutter oder mein Vater wollten, als was ich wollte. Denn ich hatte mich auf deren Wünsche und Vorstellungen konzentriert, aus Angst vor Ablehnung, Liebesentzug oder Bestrafung.

Aus Angst vor ihren Reaktionen lebte ich mein Leben nicht so, wie ich es gerne getan hätte.

Ich versuchte zu gefallen, lieb und nett zu sein, denn ich wollte zufriedene und glückliche Eltern. Ich unterdrückte Teile von mir, damit ich nicht unter ihren Konsequenzen oder Bestrafungen leiden mußte, wie: Hausarrest, Fernsehverbot, nicht mit anderen Kindern spielen zu dürfen oder ihrer schlechten Laune.

Manchmal hieß es: „Was sollen denn die Nachbarn denken?“, wenn ich mal wieder etwas machte, was ihnen nicht gefiel.

Was würden die Nachbarn denken, wenn sie erfahren würden, wie sehr meine Eltern Angst vor ihnen und ihren Urteilen und Bewertungen hatten!!

Es ist irgendwie lächerlich, das ich noch heute Angst habe vor den Gedanken und Kommentaren meiner Mutter.

Ich verstehe das auch nicht. Ihre Kommentare können mich leider immer noch erschüttern.Vielleicht will ich immer noch etwas von meiner Mutter, befinde mich in einer Abhängigkeit, aus der ich schon längst hätte entwachsen sein sollen. Renne ich immer noch einer Liebe und einer Zustimmung nach, die ich meine nicht bekommen zu haben?

Was will ich denn von meiner Mutter?

Ich hätte gerne eine Mutter, die mich so wie ich bin, liebt, akzeptiert und einverstanden ist mit dem was ich mache. Eine Mutter, die mich, in dem was ich mache und was ich will, unterstützt. Eine Mutter, die mich so, wie ich bin, liebt und schätzt.

Unterstütze ich mich selbst in allem was ich mache und will?? Und was wäre das zum Beispiel? Gar nicht so leicht darauf zu antworten….

Ich wünsche mir, das sie mich sein lässt, wie ich bin. Das was ich mache und wie ich bin, sprengt ihr Weltbild und sie kann sich das nicht ruhig anschauen. Sie hat nicht das Vertrauen, das schon alles gut gehen wird. Sie ist dann in einem Alarmzustand und will mir helfen…und das stresst sie… Also meint sie es letztlich ja gut mit mir.

Was ich will ist:  meine Freiheit und Frieden.

Die Kommentare meiner Mutter und meines Vaters, lösten in mir immer wieder Flutwellen von Gefühlen und Unruhen in meinen Gedanken aus. Im schlimmsten Fall fing ich dann an zu zweifeln und stellte mich und das was ich tat in Frage.

Was soll mir nun der Konflikt mit meiner Mutter sagen???

Geht es hier darum, das ich lerne meinen Weg unbeirrt zu gehen – egal wie die Umwelt reagiert, egal was die Familie und die Verwandten dazu sagen? Sicherlich. Es geht darum mich selbst zu lieben, anzunehmen und zu mir zu stehen, egal was passiert. Mir das zu geben, was ich brauche, um mich wohl und sicher zu fühlen.

Wenn ich versuche es meiner Mutter Recht zu machen, dann lebe ich nicht mein Leben.

Als ich im Referendariat war rutschte ich in das selbe Muster,  mit dem ich mich zu meinen Eltern verhielt: Ich versuchte es den Anderen Recht zu machen. Damit kam ich in einen großen Konflikt zwischen den Interessen von: Eltern, Schule, Kindern und mir Selbst. Ich wollte mit allen in Harmonie und Frieden leben. Alle sollten zufrieden sein!

Sich nach dem zu richten was Andere wollen, ist hoffnungslos.

Ein Beispiel: Als ich vor der Schulklasse stand, wollte ich es all den Schülern in der Klasse Recht machen. Ich wollte, das sie alle zufrieden sind und glücklich. Ich wollte einen Unterricht machen, der allen gefällt. Ich wollte die „Beste“ Lehrerin sein!

Doch alleine ein Thema zu finden, das alle in der Klasse gleichermaßen interessiert ist schier unmöglich!!

Ich hätte einen Unterricht machen sollen, der mir Freude macht. Wenn ich an meiner Arbeit Freude habe, dann ist die Freude ansteckend und die Kinder haben dann auf alle Fälle auch mehr davon, als wenn ich angespannt bin und versuche es ihnen Recht zu machen. Wenn ich versuche es ihnen Recht zu machen, laufe ich auch Gefahr die Verantwortung und die Führung, die Macht, abzugeben. Dann sind es die Kinder, die mich hin und her manipulieren können und es ist niemandem damit geholfen, wenn der Unterricht zu einem Machtspiel wird.

tosterglope051208-001In dem Schulsystem, das wir momentan haben, braucht es eine Person, die die Verantwortung und die Führung über die Klasse übernimmt. Die die Fäden zusammen hält. Wichtig ist jedoch auch, das der Lehrer nicht seine Macht misbraucht.

Gestern erzählte mir der Taxifahrer von solch einem Machtmissbrauch zu seiner Schulzeit. Er als Arbeiterkind musste für den Lehrer Holz in die Wohnung des Lehrers schleppen, während die Bauernkinder nicht gefragt wurden. Er selbst hatte kaum etwas zu essen und dort auf dem Tisch sah es aus wie im Schlaraffenland! Das er das Holz schleppte war für den Lehrer selbstverständlich und es gab dafür nichts. Die Arbeiterkinder mussten dienen, sagte er. Es war hart damals, doch all diese Situationen, die es gab, hätten ihn nur stärker gemacht.

Den Einen zerbricht es und der Andere wächst an schwierigen Situationen.

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