Tagebuch, 179. Tag

foto615Sonntag. Morgens erwachte ich schon um kurz nach sechs, obwohl ich kaum geschlafen hatte. Ich machte mir einen Tee und als die Person, die die Morgenschicht hatte nicht auftauchte, kümmerte ich mich um das Wecken der Gäste, den Tee und das  Entzünden der Feuer. Als ich damit um kurz nach sieben fertig war, verstand ich was Karma Yoga ist. Einfach etwas zu tun, weil es getan werden muss, ohne etwas dafür zu erwarten, ohne auf die Person, die nicht kam wütend zu sein, oder negative Gedanken zu haben.

foto606An diesem Morgen machte ich es automatisch. Das Wort „ich“ ist hier falsch. „Es“ machte es. Es war ein ganz besonderes Gefühl das in mir aufstieg. Verbundenheit mit dem Ganzen. Wachheit und Liebe und Aufmerksamkeit. Zeitlosigkeit.

Ich erwartete kein Lob und sprach mit niemandem darüber, das ich eingesprungen war. Als ich die Person später traf, die nicht gekommen war, sagte ich auch nichts. Diese dachte, ich sei heute morgen dran gewesen. Erst nach einigen Stunden kam sie wieder, nahm mich zur Seite und sagte wie leid es ihr täte. Sie habe die Tage verwechselt und dankt mir, dass ich so einfach eingesprungen sei, ohne auf sie sauer zu sein.

Eine schöne Erfahrung.

foto592Der restliche Tag war nach einer kleinen Pause sehr arbeitsreich. Ich holte Holz vom Holzlager und brachte viele Schubkarren voll an die drei Feuerstellen. Die Sauna heizte ich mit Holz an und nachdem die Gäste aus der Sauna waren, ging ich auch nochmal rein. Als ich raus kam regnete es schon wieder. Der Regen steigerte sich zu einem Unwetter. Der Strom fiel mehrmals aus und ich kam nicht ins Internet. Mit Kerzen und Taschenlampe ging ich ins Bett. Der Wind pfiff durch die Fensterritzen und der Regen prasselte aufs Dach.

Tagebuch, 178. Tag

foto523Freitag und mein freier Tag. Ich verbrachte den halben Tag im Bett. Entspannte mich und las ein wenig, während es draussen regnete. Immer noch ist es am regnen und kein Ende in Sicht. Es gibt wenig zu sagen.

Es war ein schöner Tag. Ich machte Fingerpuppen und backte einen Geburtstagskuchen für Anands Frau, die Morgen Geburtstag hat.

 

Wohin und wann ich weiterziehe, darauf fand ich auch heute noch keine Antwort.

Tagebuch, 177.Tag

handyfotos200925lagos-014Heute hatte ich die Frühschicht und es ging schon viel besser. Ich machte Feuer, weckte die Gäste, bereitete bis Mittags die Säfte zu und am Nachmittag hatte ich frei. Trotz wenig Schlaf ging es mir gut.

 

foto5611Was Karma Yoga bedeutet, wusste ich nicht bevor ich hierher kam. Als der Russe heute zu mir sagte, das ich nach seinem Verständnis kein echter Karma Yogi sei, fragte ich ihn was denn ein echter Karma Yogi ist. Ein echter Karma Yogi, so sagt er, würde so gut wie gar nicht sprechen. Er arbeitet aus Liebe für den Ort und die Menschen. Er erwartet kein Lob oder Dankbarkeit oder irgendeine Gegenleistung für das was er tut. Und er tut, was man ihm sagt. Er macht die Arbeiten, die er zugewiesen bekommt, ohne sich zu beschweren oder zu kritisieren. Soweit seine Definition. Anand sagte dazu: es ist ein selbstloses Dienen und Karma Yoga ist einer der Wege, die zur Erleuchtung führen.

handyfotos200925lagos-002Seit langem wollte ich hierher kommen. Doch mein Wunsch war es durch das Fasten an Gewicht zu verlieren. Da ich nicht das Geld habe, um solch ein Fastenseminar zu bezahlen, wollte ich als Gegenleistung arbeiten. Damit bin ich nicht ein Karma Yogi im klassischen Sinne.

handyfotos200925lagos-012Wenn ich mir die vergangenen Tage durch den Kopf gehen lasse, dann erscheint mir dieser Ort gut geeignet zu sein, um innerlich zu wachsen und sich mit dem eigenen Ego auseinander zu setzen.

Ich hatte versucht mich auf die guten Dinge zu konzentrieren. Doch dann driftete ich wieder genau ins Gegenteil ab, war gereizt und am meckern. Mein Ego wusste wiedermal alles besser und zeigte auf all das was nicht „gut“ ist. Der Schlaf ist schuld, die Anspannung aller hier, sagte ich. Doch das ist nur die Suche nach einem Schuldigen und ein Abgeben der Verantwortung. Das Ego hat so seine Tricks. Und der alten Sucht nach Leid und negativen Gedanken abzuschwören....scheint von Rückfällen beleitet zu sein.

Die Aufmerksamkeit auf dem was mir gut tut und was ich liebe zu lassen und nicht nach rechts oder links oder zurück zu schauen, das ist die Kunst.

Und dahinter steckt der Wunsch glücklich zu sein.

Abraham Hicks von heute dazu:

Once you’ve decided that you want something, the opposite of it is going to
be very much a part of your awareness too.

 

 

 

handyfotos200925lagos-015Ins kalte Deutschland zurück zu fliegen ist nicht gerade ein schöner Gedanke. Wenn ich sehe was ich hier habe, die gute Luft und die Natur, die angenehmen Temperaturen und liebe Menschen und Gesellschaft, dann denke ich: du bist schön blöd zu gehen, nur weil dir einiges nicht passt wie es ist.

Hmmmmmm….Entscheidungen sind nicht immer leicht.

Immer wieder wird mir was nicht passen. Muss ich da nun durch? Soll ich mich mit den Nachteilen hier vor Ort aussöhnen? Ist das Ziel, all das, was mir nicht passt, anzunehmen und ihm keine Bedeutung mehr beizumessen?

Wenn es mein Interesse wäre mich auf Yoga und Saftfasten zu spezialisieren, dann würde ich darüber nachdenken hier zu bleiben.

Das ist es aber nicht. So ziehe ich weiter, um weiter zu suchen….aber mit dem Wissen, das ich immer wieder wo ich hin komme, Dinge nicht mögen werde.

Vielleicht ist das was mir nicht passt auch nur ein Zeichen, das es hier für mich nicht ganz stimmig ist. Der Ort kann für andere Menschen das Paradies sein.

Am Abend gab es Biodanza im Angebot. Das kannte ich nur vom Namen, konnte mir darunter jedoch nichts vorstellen. Es machte Spass. Biodanza ist eine Mischung aus Elementen derTheaterarbeit, demTanz und Übungen zur Körperwahrnehmung. Der Effekt ist, das man wieder lockerer und unbeschwerter wird, wie ein Kind und man selbst sein kann und mit der Zeit die Masken fallen lässt. Nach der Stunde Biodanza fühlte ich mich angeregt und zufrieden und ging mit einem guten Gefühl in mein Zimmer.

Tagebuch, 176. Tag

foto499Mittwoch. Meine Nacht war zu kurz. Seit sechs Uhr lärmte es unter mir. Türen wurden geschlagen und die Musik im CD Player mit einer tiefen indischen Stimme, die Mantren rezitierte, lies mich nicht länger schlafen. Oropax hätten da wenig genutzt, denn alles vibrierte.

Dennoch. Der Wind hatte gedreht. Die Stimmung an diesem Morgen war eine andere, als in den vergangenen Tagen. Ruhiger und Friedlicher war es.

Lagos

Lagos

 Die Atmosphäre im Haus und untereinander war freundlicher und nicht mehr gereizt. Als ich in der Küche einen Tee machte, wechselte ich mit Anand und der Portugiesin ein paar Worte. Beide meinten ihnen würden fünf Stunden Schlaf genügen. Davon bin ich weit entfernt. Meine erste Schicht begann erst um 12 Uhr. Genug Zeit, um noch etwas zu dösen, trotz des Lärms der noch andauerte, und um langsam wach zu werden.

foto516Vielleicht fragt sich der ein oder andere Leser, wie die Gäste auf eine Frau mit Bart reagiert haben.

Die Gäste, das sind drei Amerikaner. Ein Mann und zwei Frauen. Normalerweise sind die Gruppen grösser, doch es ist noch zu früh im Jahr. Sie liessen sich nichts anmerken. Vielleicht hat der Canadier all ihre Fragen zu dem Thema beantwortet. Vielleicht machen sie hinter meinem Rücken Witze. Ich weiss es nicht. Gestern hörte ich Fetzen vom Tischgespräch. Und ich meinte die Worte Frau und Bart zu hören. Doch dann sprachen sie leiser und ich konnte nicht mehr verstehen was sie sagten. Der junge Russe, der hier die Dinge repariert, sagte mir heute, das er nun nicht mehr so ein Problem mit meinem Aussehen hat, wie Anfangs. Jetzt kann er mich anschauen, doch am Anfang konnte er das nicht und musste immer auf den Boden schauen, wenn er mich sah. Das freut mich. Er hat sich an den Anblick einer Frau mit Bart gewöhnt. Wieder einer mehr. Das heisst nicht, das ihm das nun gefällt.

 

foto502Obwohl es Januar ist, gibt es hier schon Moskitos. Zum Glück noch wenige. Flohstiche habe ich mehr. Etwas nervig. Da ich heute schon wieder daran dachte so schnell wie möglich von hier weg zu gehen, sprach ich mit dem Manager. Das war gut. Ich sagte ihm, das ich vor habe in spätestens einer Woche zu gehen. Er war nicht sehr überrascht. Meinte ich hätte auf ihn keinen glücklichen Eindruck gemacht. Anand und seine Frau finden es beide schade, das ich schon gehen will und reden mir zu, dem Ganzen noch eine längere Chance zu geben. Doch mich zieht es weiter. Worum es mir leid tut ist die Gesellschaft all der Menschen hier und die spezielle Energie in diesem Tal.

foto396Heute machte ich seit langem mal wieder Fingerpuppen. Diesmal auf Wunsch: Indische Mönche. Die kamen gut an und so wie es aussieht werde ich noch einige Püppchen verkaufen können. Freue mich.

Als ich da sass und vor mich hinbastelte, fühlte ich mich richtig wohl. Das ist es, was ich machen soll: Etwas Schönes und Kreatives.

Freier Tag…..Tagebuch, 175. Tag

2612009foto474

Heute morgen ging es mir besser. Ich hatte ausgeschlafen. Als ich in die Küche kam meinte Anand, der Deutsche zu mir: Du siehst viel jünger aus. Ja Schlaf verjüngt!

Nachdem ich gefrühstückt hatte, ging ich nach draussen und baute einen Ständer für die Fingerpuppen. Dafür nahm ich ein Stück vom Brennholz und haute ganz lange Nägel hinein. Sieht gut aus mit all den Puppen. Foto habe ich noch keins. (Es gibt viele Fotos erst morgen, denn mein Handyakku ist gerade so leer, dass ich keine Fotos auf den Computer laden kann.)

Der Ständer ist als Verkaufständer gedacht. Morgen erfahre ich, ob ich ihn hier in den sogenannten Shop stellen darf. Der Shop ist eine Ecke mit Regalen im Wohnzimmer. Darauf steht ein Sammelsurium aus: ayurvedischer Zahnpasta und Schampoo, Mückenschutzmittel (das man jetzt schon gebrauchen kann!), Räucherstäbchen, Schmuck, Edelsteinen und indischen Figuren..und vielleicht hab ich noch was vergessen.

Seit ich hier bin habe ich nur noch einen Euro. Gestern kaufte Anand zwei Fingerpuppen und eine Karte von mir und so habe ich wieder etwas Geld. Das konnte ich heute gut gebrauchen, um einen Ausflug mit dem Auto zu machen.

foto4981Als ich nach dem Mittagessen mit dem Auto nach Lagos fahren wollte, hatte der Canadier das Auto genommen, um damit zum Kaffeetrinken zu fahren, ohne mir etwas davon zu sagen. Das Auto ist für alle vom Staff und seine Benutzung sollte abgesprochen werden. Ich hatte es also schon angekündigt und mit dem Manager gesprochen, das ich das Auto am Nachmittag brauche. Der Canadier wusste also vom Manager davon, das ich das Auto brauchte. Doch das war ihm wohl egal. Ohne was zu sagen war er gefahren. Nach einer Stunde war er wieder zurück und ging an mir vorbei, als ob nichts wäre und sprach kein Wort. Ich ärgerte mich ziemlich über ihn, sagte jedoch auch nichts.

foto485Ich sass schon im Auto, wollte losfahren, da bemerke ich das es ein Automatikauto ist und ich noch nie mit einem Automatikauto gefahren bin. Im selben Moment kommt einer der Arbeiter auf mich zu und will mit dem Auto nochmals zum Cafe fahren, wo er und der Canadier vorhin Kaffee getrunken hatten. Er findet sein Handy nicht mehr und denkt es sei vielleicht im Cafe liegen geblieben. Also fahren wir zusammen dort hin. Er zeigte mir wie das Auto funktioniert und nachdem wir beim Cafe waren und er das Handy nicht fand, fuhr ich ihn wieder zur Anlage zurück. Er war sehr gereizt und wütend, denn seit Tagen war er mit all dem was hier nicht klappte gestresst. Er ist der Mann für alles handwerkliche und manchmal, wenn es zu viel zu tun gibt, weil so viel schief geht, dann ist es ihm einfach zu viel.

foto522Endlich fuhr ich nach Lagos. Vor 12 Jahren war ich dort zum letzten Mal gewesen. Damals hatte ich einen Job als Reiseleiterin. Ich zeigte österreichischen Touristen die Algarve und Lissabon. Langsam kam die Erinnerung wieder. Es hatte sich kaum etwas verändert. Nur wenige Touristen schlenderten durch die Strassen. Viele Läden hatten geschlossen und auch die Kirchen, in die ich einen Blick werfen wollte, hatten ihre Türen geschlossen. Nach vierzehn Tagen auf dem Seminargelände war es schön etwas anderes zu sehen und ich genoss den weiten Blick über das Meer. Meinen Bart hatte ich vergessen und die Blicke der Leute erinnerten mich daran, das mein Aussehen für sie ungewohnt war.

Automat Post Portugal

Automat Post Portugal

Als es dunkel wurde und ich zurück fahren wollte verirrte ich mich mit dem Auto in den engen Gassen von Lagos und fand nur schwer wieder zur Hauptstrasse zurück. Schliesslich fragte ich an einer Tankstelle nach dem Weg und dann war es ganz einfach. Ich kam zwei Stunden später an, als ich es angekündigt hatte. Da wusste ich aber noch nicht, das ich auch erst später loskommen würde. Was ich nicht wusste: der Canadier wolte eigentlich nochmal mit dem Auto los, doch nun war es ihm wohl zu spät und er blieb da. Naja, kleine Rache ohne es zu wissen…will ja nicht gemein sein, doch irgendwie dachte ich geschieht es ihm recht. Da hatten wir beide es versäumt miteinander zu kommunizieren. Er sah mich ankommen, doch sagte er nichts und ich auch nicht. Seit die Gäste da sind spricht er nur noch wenig mit mir. Vielleicht brauchte er mich nur zum Zuhören, als wir alleine hier waren. Meist sitzt er bei den Gästen, auch zum Essen ist er nicht bei uns. Nun kann er bei den Gästen seiner Leidenschaft, Vorträge zu halten, nachgehen.

 

Mit dem deutschen Päarchen unterhalte ich mich öfters. Wir müssen aufpassen nicht zu viel über die Dinge zu sprechen, die hier nicht so funktionieren, wie wir es gerne hätten. Das tut keinem gut. Im Moment ist hier eine gereizte Stimmung. Es ist wohl die Anspannung, am Anfang der Saison, wo noch nicht alles so läuft und funktioniert, wie es sollte. Immer wieder gibt es kleine Zwischenfälle und Pannen. Ein Wasserrohrbruch, ein Farbeimer der im Auto auslief und was weiss ich noch alles…..

foto446Um nicht in die Versuchung zu kommen zu meckern, wollte ich mir schon ein Schild anstecken mit: I am in silence. Was bedeutet, das man an dem Tag nicht spricht. Doch vielleicht schaffe ich es mit mehr Aufmerksamkeit und Disziplin mich zu stoppen, sobald ich wieder eine Beschwerde aussprechen will. Eine neue Herausforderung.

Abraham Hicks heutiges Tageszitat passt zum Thema:

You cannot look at that which you do not want and not join and perpetuate that vibration. Take your attention from that which is not in harmony with who you are, and your „now vibration“ will adjust to who you really are – and then you can uplift others.

Montag… Tagebuch, 174. Tag

foto420Montag. Ich hatte die Frühschicht. 6:30 Uhr Feuer im Tempel und im Saal machen. Tee kochen. Den Berg runterlaufen mit der Glocke die Gäste wecken. Kerzen anzünden….Im Tempel ging das Feuer nicht richtig an…das Holz war zu feucht und es dauerte eine halbe Stunde, bis es endlich richtig brannte. Eigentlich bin ich gut im Feuer anmachen. Aber das war heute morgen ein Krampf.

 

foto413Einer der Gäste hat heute gemeckert. Hier mal die Geschichte: Mit dem Flug hierher begann das Drama schon. Wegen schlechtem Wetter wurde er verschoben, muss wohl mit dem Sturm zusammenhängen, und sie kam erst nach Mitternacht hier an. Ihr Gepäck war nicht mitgekommen und wie sich später herausstellte, war es am Abflughafen geblieben. Nach 48 Stunden wurde es dann gebracht. Am selben Abend und darauffolgenden Morgen konnte sie nicht warm duschen. Obwohl sie darum bat, das jemand sich darum kümmert, ging das warme Wasser erst im Laufe des nächsten Tages wieder. Kurz darauf ging die Heizung nicht. Als sie zur Sauna ging war diese noch am aufheizen, obwohl sie schon warm sein sollte. So dass sie heute ziemlich erbost war, sie zahle ja schliesslich genug, was nun auch wieder wahr ist. Hundertachzig Euro am Tag ist nicht wenig. Da erwartet ein Gast schon was. Ja soweit ihre Geschichte. Fasten bringt auch einige Emotionen hoch.

foto408Gegen zwölf kam der Engländer und fragte mich wie es mir geht. Als ich meinte nicht so gut und ich müsste mal schlafen, da schickte er mich ins Bett. Ich war echt froh. Legte mich hin und schlief die nächsten vier Stunden, trotz des Lärms um mich herum. Wenn ich so richtig fertig bin, dann schlafe ich auch bei Helligkeit und Lärm. Aber das heisst schon was. Ich konnte echt nicht mehr. Ich glaube ich habe mich etwas verkühlt. Mein Zimmer ist feucht und kühl und das Wetter wechselt ständig. Bis zum Abend blieb ich im Zimmer und ruhte. Das würde ich gerne noch einige Tage machen.

foto417Was lerne ich daraus? Endlich mal mit meinen Kräften zu haushalten. Mich nicht für alles verantwortlich zu fühlen. Die Deutsche meinte eben zu mir, das die es hier wohl mit mir schwer haben, weil ich so viel widerspreche. Das kann sein. Ich bin nicht dafür gemacht zu gehorchen. Ich denke und habe meine Vorstellungen und fühle mich verantwortlich für das was ich tue. Ich wäre eher als Führungskraft zu gebrauchen, denn als gehorsamer Diener. So gesehen ist es nichts für mich hier dreieinhalb Monate zu dienen, um zu fasten. Morgen habe ich frei. Wenn ich das Auto ausleihen kann, fahre ich ans Meer.

Eben entdeckte ich, das die TAZ vor einigen Tagen, am 19.1.2009 einen Artikel von Kirsten Reinhardt: „Ein Tag als Frau mit Bart“ veroeffentlicht hat. Darin beschreibt die Journalistin ihre Gedanken, als sie einen Tag lang mit einem Schnurrbart durch Berlin geht.

Tagebuch, 173. Tag

foto455Dieser Ort ist schon seltsam. Heute war ich sowas von fertig. Nachts weckte mich der Hund um ein Uhr, weil er reingelassen werden wollte. Kaum war ich eingeschlafen zankten sich vor meinem Fenster die Katzen und ich wachte wieder auf. Um 5 Uhr krähte der Hahn und um 6 Uhr begannen unter mir die Morgenvorbereitungen und eine halbe Stunde später musste ich eh unten sein. Was für eine Nacht!

Jetzt bin ich also schon wieder dabei mich zu beklagen. Immer wieder findet hier in mir dieser Wechsel von: oh ist doch ganz schön, zu: das halte ich nicht aus, statt. Wieder arbeitete ich über 9 Stunden und fand nur schwer noch den Weg zum Schreiben und ans Internet. Abends war mein Zimmer zu allem Übel noch feuchter als sonst. In der darunterliegenden Saftküche hatte eine Suppe gebrodelt für acht Stunden!! Das sollte so sein. Wenn die das nun täglich machen, und sie lüften extra nicht, denn es soll warm bleiben, dann sehe ich schon den Schimmel an den eh feuchten Wänden wachsen.

Ich weiss gerade nicht weiter. Die viele Arbeit und der wenige Schlaf…das immer wieder kehrende Thema Schimmel…und noch mehr…lassen mich doch sehr daran zweifeln noch lange hier zu bleiben. Seit heute abend überlege ich mir eine Alternative.

Am Nachmittag hatte ich einige Stunden frei und mein Sohn besuchte mich mit seiner Freundin. Was schön die Beiden wieder zu sehen.

Jetzt falle ich müde ins Bett und muss morgen die Frühschicht machen….komme mir etwas geknechtet vor….