Nachtrag zu Mi, Do und Heute….164. Tag

foto088Mittwoch, 14.Januar 2009

Mittwochabend gegen 22 Uhr. Ich sitze auf dem Bett in meinem Zimmer. Ein kleiner ebenerdiger Raum, etwas feucht – typisch fuer Portugal im Winter. Ein kleiner Gasofen erwaermt das Zimmer und produziert gleichzeitig noch mehr Wasserdampf!

Seit heute Nachmittag bin ich in einem Tal, im Hinterland der Algarve in einem Seminarzentrum das Fastenseminare und Reinigungen durchfuehrt, begleitet von Yoga und Meditation.

foto080Dieses Zentrum wurde vor ca. 15 Jahren gegruendet. Als ich vor mehr als 10 Jahren an der Algarve wohnte, erzaehlte mir eine Frau von diesem Ort hier und war sehr begeistert von der Behandlung, die sie hier gemacht hatte. Seit dieser Zeit wollte ich selbst gerne mal eine Fasten und Reinigungskur hier machen. Die Anfangspreise stiegen und wurden unerschwinglich fuer mich. Also kam ich auf die Idee, als Gegenleistung fuer ein Fastenseminar meine Arbeitskraft anzubieten. Auf meine Nachfrage kam die Antwort, ja das ist moeglich indem ich Karma Yoga mache. Das bedeutet, ich wohne und arbeite hier und nach ueber drei Monaten kann ich dann an solch einem Fastenseminar teilnehmen. Das ist allerdings eine recht lange Zeit. Ob ich so lange hier arbeiten moechte, weiss ich nicht. Die naechsten Tage werde ich mitarbeiten und Eindruecke sammeln und mich dann entscheiden, wie lange ich bleiben will.

Meine Aengste, die ich zuvor hatte, waren nicht falsch oder unbegruendet. Doch, ich will nicht vorschnell urteilen. Sagen wir mal so, dieser Ort hat, wie viele Orte auch seine Schattenseiten. Die Unterkuenfte der Karma Yogis sind zum Teil im Winter zu feucht waehrend die Unterkuenfte der zahlenden Gaeste wesentlich komfortabler und luxerioeser sind. Doch das nicht Perfekte, gibt Anstoss ueber meine Ansprueche nachzudenken. Wo sind Grenzen…was will ich absolute nicht….wo kann ich Kompromisse machen. So ist dieser Ort eine Station auf meinem Weg, die mir neue Sichtweisen vermitteln kann, neue Eindruecke, doch ich werde hier nicht alt warden.

In meinem Kopf steigen schon in den ersten Stunden so viele Gedanken auf, das ich sie so schnell gar nicht bis zu Ende denken kann.

 

foto105Als ich am spaeten Nachmittag mit meinem Sohn, der mich herbrachte hier ankam, begruessten uns gleich zwei Hunde mit lautem Gebell. Der eine war klein und schwarz und der andere riesig wie ein Kalb. Ein portugiesischer Huetehund, der eigentlich auf Schafherden aufpasst. Jetzt sah ich den Effekt von einem Monat Hundehueten. Ich hatte weniger Angst als sonst vor Hunden….denn normalerweise haette ich mich bei der Groesse dieses Hundes nicht aus dem Auto getraut. Er ist ganz lieb, ist noch jung und richtig tapsig.

Ein Canadier, der hier als Karma Yogi ist, nahm mich in Empfang, fuehrte mich herum und zeigte mir mein Zimmer. Ich durfte mich gleich darauf schon nuetzlich machen und das Abendessen kochen.

An diesem Abend waren wir nur zu dritt. Der Canadier und Frank, der das Zentrum zusammen mit seiner Frau gegruendet hatte. Meine Angst, das sie mich wegen des Bartes seltsam behandeln oder wieder wegschicken wuerden war nicht bestaetigt worden. Ich konnte keinerlei Reaktionen sehen und es kamen am diesem ersten Abend auch keine Fragen bezueglich des Bartes.

Die Angst vor dem neuen Ort, wich an diesem Abend zugunsten von Vertrauen, Liebe und Hingabe. Ich fuehlte mich gluecklich und genoss die Gemeinschaft.

Dann kam die Nacht….Erst konnte ich lange nicht einschlafen…zu ungewohnt der etwas muffige Geruch, die Gasheizung machte knackende Geraeusche und es war zu feucht. Meine Lunge schmerzte….und der Hund vor der Tuer weckte mich mit seinem Bellen immer wieder auf, wenn ich gerade am Einschlafen war.

 foto122Donnerstag, 15. Januar 2009

Gegen sieben Uhr am naechsten Morgen wurde ich durch ein seltsames tropfendes Geraeusche geweckt. Draussen regnete es wohl schon seit Stunden und der Regen hatte seinen Weg durch das Dach in mein Bett gefunden. Es tropfte auf mein Bett und auf den Teppich von verschiedenen Stellen am Dach! Ich war geschockt! Da war ich also in einem feuchten, muffigen Zimmer untergebracht, in das es auch noch hinein regnete! Mein erster Gedanke war, ich gehe. Das muss ich mir nicht antun! Was wenn ich hier noch staerkeres Asthma bekomme, oder wer weiss was noch! Ich war hierher gekommen, um zu gesunden, nicht um krank zu werden!

Im Laufe des Tages traf ich auf die beiden anderen Mitarbeiter. Eine junge deutsch-portugiesin, Claudia war sehr freundlich und zeigte mir ein anderes Zimmer, in das ich umzog. Es war trockener, und das Dach war dicht.

Den Blog zu schreiben ist nun doch moeglich, wenn auch umstaendlicher. Und da es sehr teuer ist, muss ich die Aufenthalte im Netz kurz fassen.

Mir geht an diesem Tag viel durch den Kopf, die Gespraeche mit Claudia und dem Canadier geben mir neue Impulse und ich koennte endlos schreiben, wenn ich die Zeit dazu haette.

Nun durfte ich auch fuer das Mittagessen das Kochen uebernehmen, was ich gerne mache. Zu Kochen ist fuer mich angenehm und entspannend. Ich mache es auch gerne, weil es kreativ ist. Die Anderen waren froh, das sie mal nicht kochen mussten.

foto091Die ersten Fastenseminare beginnen erst Ende Januar. Jetzt muss alles dafuer vorbereitet werden. Raeume werden gesaugt und geputzt und an vielen Stellen muss gestrichen werden. Es gibt einen Garten mit Gemuese, ein Gewaechshaus in dem sogar Mangos heranreifen. In einem anderen Garten wachsen Orangen, Grapefruits und Clementinen und Zitronen. Es gibt einen Pool und ein Sauna….viel zu tun auf dem riesen Gelaende auf dem einige Gebaeude stehen.

Beim Abendessen fragt mich Frank, der das Zentrum gegruendet hat, wieso ich einen Bart habe. Er ist ueber 60 Jahre alt, und viel herumgereist, doch ich bin die erste Frau mit Bart der er begegnet. Mit solch einem Bart fuegt er hinzu….so leichten Oberlippenflaum hat er auch schon gesehen…..Er schildert mir seinen Eindruck, der er gestern hatte, als er mich zum ersten Mal sah. Er dachte: „Die Frau hat einen Bart und sie hat kein Problem damit.“

Ja, das stimmt. Im Moment habe ich kein Problem damit. Und so allmaehlich wird mir klar, das wenn ich kein Problem damit habe, dann haben es die Anderen auch nicht.

An diesem Abend ist es recht gemuetlich. Wir unterhalten uns beim Abendessen, ein Glas Rotwein aus dem Alentejo gibt es auch – so streng ist es hier nicht. Das Essen ist allerdings streng vegetarisch. Wer Fleisch essen moechte, muss das draussen tun.

Ich durfte kurz ins Internet, doch mein Memorystick konnte nicht gelesen werden, da mein Word ein anderes ist, als das auf dem Computer hier.

Es war zu spaet, um den Text nochmal extra abzutippen und ich ging ins Bett.  

foto0862Freitag,16. Januar 2009

Heute Morgen wurde ich vom Kraehen des Hahns geweckt. Es gibt hier 2 Huehner doch 4 Haehne! Diese fingen schon kurz nach Mitternacht als der Mond hoch oben am Himmel stand, an zu kraehen. Ich wachte auf und fragte mich was den Hahn zu dieser Zeit bewegt zu kraehen. Und das ging die ganze Nacht durch und wurde in den Morgenstunden immer mehr. Ich war genervt. Letzte Nacht hatte der Hund vor der Tuer gebellt und dieses Mal war der Hund im Haus und dafuer kraehten die Haehne!

foto060Am Vormittag war dann der Laerm der Motoren der Autos auf der nahe gelegenen Rennstrecke zu hoeren. Da gibt es diese Orte an die Menschen sich zurueckziehen, um zur Ruhe zu kommen und die Stille und Natur zu geniesen, wie dieses Tal hier. Und dann baut jemand in der Naehe eine Rennstrecke, der Nachbar benutzt die Motorsaege und die umliegende Landschaft wird von Hochspannungsmasten durchschnitten wie am Camino in Nordspanien. In Matavenero, einem Aussteigerdorf in den Bergen Nordspaniens, saeumen inzwischen 50 Windmuehlen zur Stromgewinnung die Bergkaemme und laermen bis ins Dorf.

Der Fortschritt hat die entlegensten Winkel Europas erreicht….und kaum mehr kann man hier ungestoert in der Natur sein.

 

foto1242Als ich aufstand hatte ich wieder Atemprobleme, die zum Glueck im Laufe des Tages verschwanden. Die Luft im Zimmer war trockener, doch es gibt hier viele Katzen, die es immer wieder auch in die Zimmer schaffen. Koennte sein, das ich auf die Katzen und Hundehaare allergisch bin.

Nach dem Fruehstueck putzte ich ein Gemueselager und raeumte darin auf, was noch einige Tage in Anspruch nehmen wird. Wieder war ich fuer das Mittagessen zustaendig und kochte. Am spaeten Nachmittag entdeckte ich ungewohnte Fruechte und Baeuime, die ich nicht kannte mit Macadamianuessen. Diese Nuesse hatte ich noch nie in Natura gesehen. Kleine Holzkugeln, absolut hart und selbst mit einem Stein kaum zu oeffnen. Ich sammelte eine ganze Tuete vom Boden. Da alle meine Versuche sie mit dem Hammer oder dem Stein aufzubekommen scheiterten, steckte ich die gewaschenen Kugeln ins Backrohr und lies sie bei 80 Grad trocknen. Die Spannung, die dabei entstand lies die Schale aufplatzen und es war nun ein Leichtes an die Nuesse heran zu kommen. Ein guter Trick!

Abends nach dem Abendbrot unterhielt ich mich noch lange mit dem Canadier. Er ist 12 Jahre aelter als ich und hat eine Menge zu erzaehlen. Er ist viel gereist und hat die unterschiedlichsten Jobs gemacht. Es ist schoen, so viele neue Geschichten zu hoeren. Tausend mal besser als Fern zu sehen!

foto062Am Reisen gefaellt mir das besonders, das ich an Orten wie am Camino in Spanien in der Herberge, oder jetzt hier so unterschiedlich Menschen aus allen moeglichen Laendern kennen lerne, die ich sonst nie getroffen haette. Und alle haben so viel zu erzaehlen. Ungemein bereichernd und erquickend sind solche Begegnungen. Eine Wohltat nach der Einoede der letzten Wochen.

Dieser Ort ist ein Station auf dem Weg. Wenn ich ueberlege ob ich nach Deutschland fliegen sollte, dann friert es mich alleine beim Gedanken daran. Dann bleibe ich lieber noch etwas hier…..In den naechsten Tagen wird ein Paerchen aus Deutschland hier ankommen zum Arbeiten und Andere die hier arbeiten kommen aus dem Urlaub zurueck. Dann wird die Atmosphaere wieder eine andere sein….

Der junge Mann, der hier arbeitet, und aus einer konservativen russischen Familie stammt, hat so seine Schwierigkeiten mit meinem Aussehen. Er hat auch Vorurteile gegen Homosexuelle und eine Frau mit Bart passt absolut nicht in sein Weltbild.

Es ist spaet – ich gehe schlafen …..und bin gespannt auf Morgen. 

2 thoughts on “Nachtrag zu Mi, Do und Heute….164. Tag

  1. Liebe Marianna,

    ich hab auch Angst vor grossen Hunden! Obwohl ich selber einen Mittelspitz habe, trau ich den Grossen nicht – Der Fang ist sooo riesig.
    Dank deinem Post weiss ich jetzt was Karma Yoga ist🙂

    Sei ganz lieb gegrüsst und gesegnet//Erika – die dir eine trockene Bleibe wünscht.

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    • Liebe Erika,
      danke schoen fuer die guten Wuensche.
      Karma Yoga hat glaube ich noch mehr Bedeutungen……Wikipedia oder Googlen, falls du noch mehr darueber wissen moechtest…
      Liebe Gruesse Marianna

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