Tagebuch, 176. Tag

foto499Mittwoch. Meine Nacht war zu kurz. Seit sechs Uhr lärmte es unter mir. Türen wurden geschlagen und die Musik im CD Player mit einer tiefen indischen Stimme, die Mantren rezitierte, lies mich nicht länger schlafen. Oropax hätten da wenig genutzt, denn alles vibrierte.

Dennoch. Der Wind hatte gedreht. Die Stimmung an diesem Morgen war eine andere, als in den vergangenen Tagen. Ruhiger und Friedlicher war es.

Lagos

Lagos

 Die Atmosphäre im Haus und untereinander war freundlicher und nicht mehr gereizt. Als ich in der Küche einen Tee machte, wechselte ich mit Anand und der Portugiesin ein paar Worte. Beide meinten ihnen würden fünf Stunden Schlaf genügen. Davon bin ich weit entfernt. Meine erste Schicht begann erst um 12 Uhr. Genug Zeit, um noch etwas zu dösen, trotz des Lärms der noch andauerte, und um langsam wach zu werden.

foto516Vielleicht fragt sich der ein oder andere Leser, wie die Gäste auf eine Frau mit Bart reagiert haben.

Die Gäste, das sind drei Amerikaner. Ein Mann und zwei Frauen. Normalerweise sind die Gruppen grösser, doch es ist noch zu früh im Jahr. Sie liessen sich nichts anmerken. Vielleicht hat der Canadier all ihre Fragen zu dem Thema beantwortet. Vielleicht machen sie hinter meinem Rücken Witze. Ich weiss es nicht. Gestern hörte ich Fetzen vom Tischgespräch. Und ich meinte die Worte Frau und Bart zu hören. Doch dann sprachen sie leiser und ich konnte nicht mehr verstehen was sie sagten. Der junge Russe, der hier die Dinge repariert, sagte mir heute, das er nun nicht mehr so ein Problem mit meinem Aussehen hat, wie Anfangs. Jetzt kann er mich anschauen, doch am Anfang konnte er das nicht und musste immer auf den Boden schauen, wenn er mich sah. Das freut mich. Er hat sich an den Anblick einer Frau mit Bart gewöhnt. Wieder einer mehr. Das heisst nicht, das ihm das nun gefällt.

 

foto502Obwohl es Januar ist, gibt es hier schon Moskitos. Zum Glück noch wenige. Flohstiche habe ich mehr. Etwas nervig. Da ich heute schon wieder daran dachte so schnell wie möglich von hier weg zu gehen, sprach ich mit dem Manager. Das war gut. Ich sagte ihm, das ich vor habe in spätestens einer Woche zu gehen. Er war nicht sehr überrascht. Meinte ich hätte auf ihn keinen glücklichen Eindruck gemacht. Anand und seine Frau finden es beide schade, das ich schon gehen will und reden mir zu, dem Ganzen noch eine längere Chance zu geben. Doch mich zieht es weiter. Worum es mir leid tut ist die Gesellschaft all der Menschen hier und die spezielle Energie in diesem Tal.

foto396Heute machte ich seit langem mal wieder Fingerpuppen. Diesmal auf Wunsch: Indische Mönche. Die kamen gut an und so wie es aussieht werde ich noch einige Püppchen verkaufen können. Freue mich.

Als ich da sass und vor mich hinbastelte, fühlte ich mich richtig wohl. Das ist es, was ich machen soll: Etwas Schönes und Kreatives.

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s