2.März 2009…Tagebuch, 210. Tag

foto620Heute hat meine Mutter Geburtstag. Ich weiß nicht, ob sie mein Tagebuch liest. Dennoch: Herzlichen Glückwunsch Mama!

Gratulieren kann ich ihr heute nur per email, da sie gerade verreist ist. Wenn ich heute an meine Mutter denke, dann habe ich ein friedlicheres Gefühl, als noch vor einigen Monaten.

Sie läßt mich in Ruhe. Sie kümmert sich um sich selbst und der Kontakt zwischen uns ist überwiegend per email. Hin und wieder telefonieren wir. Ich mag sie gerne. Sie ist eine starke Frau. Ich mag es, dass sie mich mein Leben leben läßt. Wenn ich in einer Notsituation war, dann half sie mir immer wieder, auch wenn das, was ich machte nicht wirklich ihren Wünschen zu entsprechen schien. Sie läßt mich nicht fallen – auch wenn sie mich in der Vergangenheit immer wieder kritisiert hatte. Es ist ein schönes Gefühl zu wissen, das meine Mutter für mich da ist, trotz unserer unterschiedlichen Ansichten. Ihre und meine Sichtweise, wie man Leben sollte, um glücklich zu sein, sind sehr unterschiedlich. Ich denke jede Generation hat ihre Themen. Wenn ich andere Menschen treffe, die aus der Generation meiner Mutter stammen, dann fallen mir die Ähnlichkeiten auf.

Ein Thema ihrer Generation ist, bloß nicht egoistisch zu sein. Damals war es lobenswert seine eigenen Bedürfnisse zurück zu stellen und für die Anderen da zu sein. Dem Wohl der Familie oder dem der Anderen zu dienen. Die Emotionen unter Kontrolle zu halten, und zu funktionieren. Materielle Sicherheiten für sich und die Familie zu schaffen.

foto590Die Kinder dieser Generation haben dann Themen wie: sich mit den eigenen unterdrückten Emotionen und der Psyche zu beschäftigen. Das was die Eltern nicht anschauen konnten oder wollten und verdrängten, weil sie ja funktionieren und arbeiten wollten, versuchen sie zu erkunden. Sie beschäftigen sich mit Methoden, die ihnen helfen sollen zu sich selbst zu finden, sich selbst besser kennen zu lernen und zu verstehen und damit wie sie Blockaden z.B. emotionaler Art auflösen können.

Sie sind auf dem Weg sich selbst anzunehmen und zu lieben wie sie sind. Es geht mehr um sie selbst. Die Emotionen, die die Elterngeneration noch unter Kontrolle halten wollte, wollen deren Kinder frei lassen und versprechen sich davon mehr Freiheit und Glück. Für einige ist weiterhin die Karriere, die Sicherheit und die Familie wichtig. Doch das Leben ist entspannter und lockerer, unbekümmerter, als in der Generation davor, die zum Teil noch den Krieg mitbekam und den Aufbau miterlebte. Eine Generation, die funktionieren musste, um zu überleben.

foto597Sicher kann ich das nicht verallgemeinern. Das ist meine kleine Sicht auf einige Menschen, die ich kenne und auf mich. Und nicht alle werden genau so sein. Interessant finde ich es, wie sich die Themen und die Werte mit den Generationen verändern. Da, wo in der einen Generation ein Mangel war, da versucht die darauffolgende Generation mehr Raum zu schaffen und diesen Raum zu füllen. Wenn Eltern arm waren und deren Kinder dies als Mangel und Unsicherheit erlebten, dann versuchen diese Kinder als Erwachsene vielleicht Reichtum und Sicherheit in ihr Leben zu bringen. Kinder von reichen Eltern werden vielleicht zu Aussteigern, wenden sich vom Reichtum ab, da sie etwas suchen, was sie in dem materialistischen Leben der Eltern vermisst haben..usw. Aktion und Reaktion.

Gestern Nachmittag brachte mich Sophie nach Portimao, wo ich die deutsche Familie traf, die vorgestern zu Besuch bei Sophie war. Sie hatten mich gefragt, ob ich Lust hätte für einige Stunden auf die Kinder aufzupassen und dafür ein paar Tage bei ihnen zu wohnen. Na klar! Die Kinder und auch ihre Eltern sind sehr sympatisch und wieder foto598sehe ich einen neuen Ort. Heute Nacht schlief ich also bei Ihnen auf der Couch, denn ein extra Gästezimmer gibt es nicht.

Der Sohn hatte heute schulfrei und wir malten und machten Hausaufgaben. Das Haus liegt im Campo und es tut mir gut wieder in der Natur zu sein. Das Wetter war wechselhaft und am Nachmittag fing es an zu regnen. Es ist ein Luxus auch hier wieder Internetanschluss zu haben, obwohl das Haus abseits der Zivilisation liegt.

Ich zeigte dem Jungen ein Foto von mir ohne Bart und schlanker, als ich noch 18 war. Er kommentierte es mit: „Mit Bart siehst du schöner aus.“

Die fünfjährige Tochter ist immer noch damit beschäftigt das ich als Frau einen Bart habe. Sie sagte zu mir, das sie, bevor sie mich sah noch nicht wußte, dass es Frauen mit Bart gibt. Wenn ihr mein Name nicht einfallen will, dann spricht sie mich an mit: „Du – Frau mit Bart…..“

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