Tagebuch, 234. Tag

foto769Gestern Mittag ging es wieder zurück nach Barao de Sao Miguel. Den Nachmittag  verbrachte ich bei Sophie in der Werkstatt und am Abend brachte sie mich zu meiner nächsten Unterkunft.

foto7792Diesmal bin ich bei einer französichen Familie untergebracht. Ein schönes Haus, freundliche sympatische Menschen, die sehr ruhig und spirituell sind. In meinem Zimmer steht ein Klavier! Ich jubelte! Das war auch auf meiner Wunschliste! Gestern und heute spielte ich und fühlte mich so wohl, wie lange nicht mehr. Mein inneres Kind wurde wieder ruhig und konnte sich entspannen.

foto776Die Zeit bei Mae war anstrengender gewesen, als ich es für moeglich gehalten hätte. Wie nach einem Krieg fühlte ich mich nun in Sicherheit. Der Krieg meiner Gedanken, gegen das was ist, hatte gestoppt.

Hier ist es sauberer, freundlich und hell. Das Zimmer in dem ich schlafe hat leider vom Winter wieder einen schimmeligen Geruch, doch ich schlief hervorragend. Ich sollte wirklich nie länger als ein oder zwei Nächte irgendwo bleiben, denn so lange sieht alles gut aus. Die Schatten und unangenehmen Seiten eines Ortes und der Personen zeigen sich meist erst nach einer Weile. Und auch wenn sie sich vorher zeigen, so ist es möglich es fuer eine kurze Zeit als ok zu empfinden. So wäre eher gewährleistet, dass alle eine gute Zeit miteinander haben. Ich würde nicht negativ über den Ort oder die Menschen denken und hätte in mir mehr Frieden.

Keine negativen Interpretationen zu machen, wäre schoen. Ein umfassenderes Verstehen zu haben, über das Menschsein hier auf Erden würde mir helfen mit dem sogenannten „Negativen“ anders umzugehen. Eine Sichtweise zu finden, die nicht wertet – die versteht und keine Angst hat. Das, was mir missfällt, macht mir Angst. Meine Gedanken interpretieren es als Bedrohung. The work zu machen hilft und unterstützt mich auf dem Weg.

Menschen interpretieren ihre Welt, das ist ein Teil des Menschseins. Menschen teilen ein in „gut“ und „schlecht“. Sie sortieren. Alles um sich zu schützen und das Überleben zu sichern.

Freier zu sein von diesen Interpretationen. Weniger verhaftet zu sein mit ihnen. Mich nicht durch sie bedroht zu fühlen und ihnen nicht die Macht zu geben mein Handeln zu bestimmen, das ist ein Ziel.

Interpretationen sind Gedanken. Sie kommen und gehen wie Wolken. Die Wahrheit ist etwas anderes.

3 thoughts on “Tagebuch, 234. Tag

  1. „Interpretationen sind Gedanken. Sie kommen und gehen wie Wolken.“

    Das mag wohl stimmen, aber was wir oft genug vergessen, ist: wir haben immer eine Wahl. Gedanken, die bewusstseinsfähig werden, können wir reflektieren. Zwischen dem Kommen und dem Gehen ist der Zeitraum, in dem wir den Gedanken bestimmte Bedeutungen verleihen. Und wenn wir die Wahl haben, ihnen die eine Bedeutung zu verleihen, haben wir auch die Wahl ihnen eine ganz andere Bedeutung zu verleihen, sie umzudeuten. Nur die Bedeutungen, die wir den Gedanken verleihen, zieht die eine Emotion nach sich, oder die andere.

    Nicht die Interpretationen haben dich in der Hand, sondern DU die Interpretationen! Die eigene Handlungsmacht erkennen und ERGREIFEN. Das bedeutet aber auch, den Mut zu haben, die Verantwortung für die nachfolgenden Konsequenzen zu tragen. Denn dann kann man auch nicht mehr die Verantwortung für das eigene Wohlergehen bei den äußeren Umständen suchen. Und das ist eine wirklich unbequeme Entscheidung, wie ich selbst sehr gut weiß…😉

    Lass es dir gut gehen!
    Die PhOeNiXe

    Gefällt mir

  2. Hallo PhOeNiXe,
    vielen Dank für die Anregung! Es ist nicht nur bequem den Umständen oder Anderen die Schuld zu geben – es sitzt auch tief. Lange Zeit lernte ich es durch Beobachtung und was um mich herum geschah, das es ein „normales“ Verhalten ist die „Umstände“ für das eigene Unwohlsein verantwortlich zu machen (soll jetzt keine Entschuldigung sein). Jetzt geht es darum das Gelernte wieder zu verlernen….
    Doch ganz bin ich damit noch nicht klar….denn es gibt Dinge und Umstände in denen ich mich nunmal wohler fühle. Schöne duftende Blumen lassen mich wohler fühlen als Müll, Dreck und Gestank. Es gibt Dinge, die ich bisher nicht schaffte so zu interpretieren, das es mir damit gut geht. Vorrübergehend vielleicht, ..doch nicht auf lange Sicht. Wenn Dinge unangenehm riechen, wenn es schmutzig ist, wenn mich die Flöhe beißen…..da sind meine Grenzen – dem fühlte ich mich bisher nicht gewachsen. Und ich komme zu dem Schluß, das es ok ist mich nicht mit allem „wohl“ zu fühlen….oder wie siehst du das?

    Liebe Grüße
    Marianna

    Gefällt mir

  3. Liebe Marianna,

    natürlich, das sehe ich ganz genauso wie du. Aber du sprachst in deinem Post von negativen Gedanken und Interpretationen, und davon, dass du dir manchmal eine andere Sichtweise wünschst. Und genau das sind die Dinge die du ändern kannst, und zwar ohne deshalb deine persönlichen Grenzen aufzugeben.

    Seine Grenzen klar zu erkennen und sagen zu können: das tut mir gut, und jenes nicht, und deshalb entscheide ich mich, mehr von dem zu suchen, das ist doch eine wunderbare Fähigkeit, da hast du vielen Menschen schon einiges voraus! Und das Bewusstsein dafür und danach zu handeln – das ist meiner Ansicht nach etwas völlig anderes als „negative Gedanken“ (auf die ich mich ja bezog).

    Schwierig wird es nur dann, wenn man immer und überall ein Haar in der Suppe findet… Dann ist die Schwelle zur Negativität in der Tat sehr dünn. Und davon hast du auch gesprochen – dass du zuerst das Schöne siehst, aber kurze Zeit danach „das Negative“ (bzw. das, das du als negativ bewertest – und auch da: es ist deine Entscheidung, die Umstände als „negativ“ zu bewerten und *flupp* die passende Emotion dazu wachzurufen, oder die Unstände eben gar nicht zu bewerten, sondern als einfach nur „nicht kompatibel zu dir“ festzustellen…).

    Ich bewundere deinen Mut, dich so durchs Leben treiben zu lassen, wie du es die letzten Monate getan hast, sehr. Und es braucht ordentlich Mut dazu, und Ur-Vertrauen, dass das Leben und Mutter Erde für einen sorgen, und ein solches Vertrauen ist ein echtes Geschenk!
    Nur – und das ist meiner Meinung nach einer der Punkte, an denen es hakt, warum du all die Zeit, die du schon auf der Suche bist, noch nicht DIE vollkommene Zufriedenheit findest, die du dir wünschst: du lässt dich vom Leben dahin treiben und ergreifst die Gelegenheiten, die dir das Leben bietet. Das heißt, das Leben hat „freie Hand“, dir eben das vor die Füße zu werfen, was da ist, damit du es aufheben und nutzen, oder nach Wahl auch liegen lassen kannst.
    Aber ich glaube – bzw weiß: Zufriedenheit bedeutet nicht, dass man das Glück hat, dass das Leben einem immer genau das Beste schenkt, was man sich gerade wünscht! Zufriedenheit ist vor allem „hausgemacht“, und hängt ganz stark von den eigenen Zielen ab, und von der Befriedigung, diese Ziele aus eigener Kraft erreicht zu haben (wie auch immer diese Ziele aussehen mögen – sie sollten nur möglichst konkret, attraktiv und erreichbar sein). Ziele sind Perspektiven. Perspektiven geben Hoffnung und damit dem eigenen Leben ein Gefühl von Sinn.
    Um Ziele zu erreichen benötigt man aber: zielgerichtete Aktivität! Und deswegen glaube ich, dass, so verlockend und spannend und lehrreich es sein kann, sich eine weile mit offenen Armen und offenem Herzen vom und durchs Leben treiben zu lassen, man zwar ein bisschen mehr sich selbst, aber letztendlich nie vollends DIE „wahre“ Zufriedenheit finden kann.
    Welche Ziele hast du?

    Gefällt mir

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s