1700 Klicks…und no more Hartz IV….Tagebuch, 289. Tag

Na das waren ja viele Klicks gestern, nachdem der Artikel und Film bei Brigitte.de erschienen ist! Ich bin beeindruckt – wenn das stimmt, dann waren es 1700 Klicks! Das hätte ich nicht gedacht! Vielen Dank für das Interesse!

Seit ca drei Wochen war ich wieder beim Arbeitsamt gemeldet und eine der vielen Hartz IV EmpfängerInnen. – Gestern sagte ich wieder ade zum Arbeitsamt. Ich weiß zwar nicht, wie ich das finanziell hin bekommen werde, doch diese Unfreiheit hielt ich nicht länger aus. Die vergangenen Monate hatte ich es geschafft ohne Hartz IV zu überleben und mich durch zu schlagen. Jetzt sollte ich mich in den wenigen Tagen, wegen 350 Euro im Monat derart verbiegen, dass es mir leichter fallen wird putzen zu gehen, zu kochen, zu nähen oder bei jemandem entrümpeln zu helfen…. Das alles kann ich gut oder mit dem Schreiben und Zeichnen, Geld zu verdienen….

An einer Maßnahme teilzunehmen, um den Arbeitsmarkt der Region zu erkunden und eine Woche lang die Zeit brav abzusitzen oder einen 1 Euro Job zu machen, von dem alle wissen, das er nur der Beschäftigungstherapie und der Schönung der Zahlen dient, das tut weh und kann es nicht sein!! Da würde ich lieber in der Natur leben wollen und mein eigenes Gemüse anbauen!

Einmachhilfe!Was für eine Zeit ist das, in der wir leben! Die Einen schieben Überstunden, um ihren Job nicht zu verlieren und die Anderen haben einen 1 Euro Job oder gar nichts zu tun. Keines davon ist gesund oder tut der Seele gut. Werden endlich mal andere Arbeitsmöglichkeiten eingeführt? Wie Jobsharing, oder der Grundlohn? So kann es doch nicht mehr lange weiter gehen!

Seitdem ich aus Portugal zurück bin, habe ich den Eindruck, dass ich noch weniger für das Geld bekomme, als noch vor einem halben Jahr.

Einer der Kommentare, gestern zu dem Artikel in der Brigitte, kam von Lalique, die meint mein Leben sei „total vom Bart beherrscht“ und dass ich ihm alles unter zu ordnen und meine Identität nur aus ihm zu beziehen, scheine. Wer hier mal in anderen Monaten liest, (ja ich weiß es ist zu viel, das alles zu lesen), der wird an vielen Tagen absolut nichts über den Bart finden. Es gab auch schon den Kommentar, daß ich mich Anfangs dem Thema Bart widmete und dann davon abgekommen bin und über alles Mögliche schrieb. Doch was erwartet jemand von einem Blog über die Zeit mit dem Bart? Über das Experiment:“ Wie ergeht es mir, wenn ich meinen Bart sein lasse?“

Weiche ich ab, wird es mir vorgeworfen – schreibe ich zu viel darüber, dann werde ich als „zwanghaft“ bezeichnet, wie Schtetel das gestern im Kommentar in der Brigitte schrieb. Jeder hat seine Sichtweisen und Interpretationen und ich kann es eh nicht jedem Recht machen. Darum soll es hier auch nicht gehen. – Jedenfalls denke ich die meisten Stunden des Tages nicht über den Bart nach. Viel zu existenziell sind immer wieder die Fragen: wo schlafe ich die nächsten Tage, wie finanziere ich mein Leben? Die anderen Stunden widme ich bewußt dem Thema BART, damit ich etwas darüber schreiben kann. Denn was wäre ein Blog über den Bart, wenn ich wochenlang nicht darüber schreibe, was auch fast passiert ist….Nicht immer laufe ich stundenlang durch die Stadt, manchmal sehe ich tagelang kaum Menschen….so ist die Konfrontation mit den Reaktionen der Umwelt mal mehr mal weniger.
Wenn ich mit Freunden zusammen bin, die meinen Bart als „normal“ sehen und ihm keine Beachtung schenken, dann vergesse ich ihn völlig und er ist in meinem Gesicht unauffällig, wie meine Augenbrauen. Auch an die denke ich nicht ständig.

3 thoughts on “1700 Klicks…und no more Hartz IV….Tagebuch, 289. Tag

  1. Hallo Mariam,

    auch ich stand heute wieder vorm Spiegel und zupfte was das Zeug hält meinen Bart weg und fragte mich zum 100. Mal warum ich das eigentlich tue. Ich habe das Schönheitsideal heutzutage sowas von verinnerlicht, dass ich mich selber mit Bart oder auch behaarten Beinen häßlich fühle und daher unwohl und Angst vor der Reaktion meiner Umwelt habe.

    Das ist so traurig, dass ich die Mechanismen durchschaue und trotzdem nicht dagegen ankomme. Ich bewundere Deinen Mut und finde es toll, dass Du damit an die Öffentlichkeit gehst und damit bewirkst, dass vielleicht einige Menschen ihr Verhalten und ihre Ansichten hinterfragen.

    Viele Grüße, Selma

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    • Hallo Mariam,
      da du einen Kommentar von mir erwähnst, möchte ich dir nochmal antworten.
      Ich schrieb vorhin als Kommentar, dass ich es mittlerweile so sehe – nachdem ich einiges in deinen Tagebüchern las – dass du viele Baustellen in deinem Leben hast, der Bart ist nur eine davon.
      Ich schrieb dir auch, dass kaum ein Mensch ein rundum tolles Leben hat, das scheint nicht der Sinn unseres Aufenthaltes hier zu sein!
      Da du dich als Auraleserin bezeichnest, nehme ich an, dass du auch spirituell bewegt bist, ob du davon in den Tagebüchern schreibst, weiß ich nicht, habe noch nichts gelesen.
      Aber Fakt ist für mich, dass du irgendwie schwimmst im Leben. Das ist beileibe keine Kritik, nur eine Feststellung. Du hast deinen Platz nicht gefunden und suchst.
      Ich wünsche dir alles Gute dabei, wirklich! Ich bin nicht deine „Feindin“, ich bin nur 20 Jahre älter als du und sehe manche Dinge etwas klarer.
      Zu Selma…
      das immer wieder beklagte Schönheitsideal war schon immer so, nicht erst heute. Im Orient enthaaren sich Frauen seit Jahrtausenden und wenn wir etwas als nicht schön empfinden, dann ist es eben so.
      Diese Reaktionen sind nicht mit dem Kopf beeinflussbar.
      Du musst selbst entscheiden, ob du dich dem, was nun mal als schön empfunden wird, annäherst oder ob du „gegen den Strom“ schwimmen willst, mit allen Konsequenzen.
      Darüber zu klagen, ändert nichts! Zu fordern, starken Haarwuchs bei Frauen schön zu finden, auch nicht.

      Auch dir wünsche ich alles Gute!

      die böse
      Lalique :-)))

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  2. Liebe Selma,

    vielen Dank für Deinen Kommentar. Vielleicht kommt der Mut noch….was kannst Du verlieren? Viele Frauen wurden so erzogen oder auch Männer, dass wir nur liebenswert sind, wenn wir tun was die Anderen von uns erwarten. Wenn wir uns den Normen und Schönheitsidealen entsprechend verhalten. Wichtig ist jedoch, das wir uns selbst lieben und das von Tag zu Tag ein Stückchen mehr. Uns was Gutes tun, nett und freundlich mit uns umgehen und liebevoll, wie eine liebevolle Mutter mit ihrem Kind umgehen würde. Das wir uns nicht in Normen hineinzwängen, die uns nicht entsprechen. Und je länger ich den Bart trage, um so mehr erkenne ich wer ich bin, was nicht zu mir passt. Ich nehme dafür im Moment einige Schwierigkeiten finanzieller Art in Kauf, doch ist mir meine innere und äußere Freiheit lieber, und ich wachse daran.
    Ich hoffe und wünsche mir, dass der Film bei Brigitte und eventuell noch folgende Berichte wirklich etwas bewegen, und eine Öffnung schaffen für dieses Thema, denn es kann nicht sein, dass Millionen von Frauen Hormone schlucken, ihren Körper operieren lassen und sich selbst immer wieder Schmerzen zufügen, um irgendwelchen phantastischen Schönheitsidealen zu entsprechen, die von einer Barbiepuppe ausgelöst wurden! Lieben Gruß Mariam Marianna

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