330. Tag, Dresden am Dienstag

Wieder schwül. Schweiß auf der Haut und Kinderzimmer aufgeräumt und sortiert. Das machte Spaß! Kaum zu glauben für manche Mütter…naja war nicht das Kinderzimmer meines Sohnes, sondern von einem Kind auf das ich aufpasse und heute stand das mal an. Ich liebe Spielzeug, ebenso wie Spielplätze und Rutschen…..immer noch! Und ich finde dieses bunte kleine Plastikzeugs sehr interessant und freue mich über jegliches Spielzeugfigürchen, dass ich noch nicht kenne und das wieder neu, bunt und anders aussieht, als die davor….nicht dass ich wirklich damit spiele…einfach nur das Betrachten gefällt mir…und insofern war das heute ein schöner Job, mich durch die Spielzeughaufen zu wühlen und sie in Kisten zu sortieren und zu beschriften, so daß die Autos am Ende in der Autokiste waren, das Lego in der Legokiste usw. …..

Das Thema Bart gab es heute nicht. Oder doch?….am Abend erzählte mir eine Bekannte, die Theaterplastikerin ist, dass sie Fatsuits gemacht hat. Ein aus Stoff oder Latex bestehendes Kostüm, dass den ganzen Körper bedeckt und in diesem Falle waren es zwei nackte pummelige Frauen. Als die Fatsuits fertig waren und täuschend echt aussahen, machte sie mit der Mitarbeiterin einen Test und sie trugen diese unbekleideten,  nackten Körper durch die Straßen. Die Menschen reagierten darauf ähnlich, wie auf eine Frau mit Bart. Einige lachten. Andere schauten weg und als sie dann dachten, sie werden nicht mehr gesehen, starrten sie hinterher. Gerne wäre ich da mitgelaufen….entweder selbst mit Bart im Fatsuit, oder neben den Beiden im Rock und mit Bart…….

329. Tag, Tagebuch Dresden

Dresden Spielplatz im HechtviertelWieder so ein schwüler Tag. Wird nun wohl endlich Sommer….

In Dresden arbeite ich ab und zu als Kinderbetreuung oder nähe. Heute half ich ein Kostüm fertig zu nähen.In der Werkstatt traf ich überraschend auf eine Frau, die ich von Feuerkunst Berlin kannte und die in Dresden wohnt! Kaum zu glauben….wie klein die Welt ist…..und in welch unerwarteten Situationen ich Menschen wieder treffe….

Dresden Spielplatz im HechtviertelNachmittags war ich Kinderhüten und auf einem Spielplatz mit Bauernhof, der sich Panama nennt und gegenüber des Künstlerhofs in Dresden liegt, über den ich vor einigen Wochen schrieb. Die drei Kinder, mit denen ich gestern ein Gespräch über den Bart hatte, sah ich dort auch wieder. Dresden hat schöne Kinderspielplätze, hier auf dem Foto ein Spielplatz im Hechtviertel, der farbenfroh gestaltet ist.

Dresden PanamaWir blieben, bis der Platz kurz nach 19 Uhr zu machte. Von  9 – 19 Uhr ist er täglich geöffnet. Das Klettergelände hat einen unterirdischen Ausgang, so etwas hätte mich als Kind begeistert – sah ich hier zum ersten Mal.

Auf der Straße wurde ich heute zwei Mal auf den Akte Film angesprochen. Beide Frauen fanden es gut, was ich mache. Schön so positives Feedback zu bekommen. Zum Thema Bart erreichte mich heute noch eine Mail von Gwendolin. Sie hat sich mit dem Thema Behaarung beschäftigt und eine Postkarte zu dem Thema entworfen

Gwendolins Postkarte



328. Tag, Tagebuch Dresden

Dresden NeustadtSonntag. Sortiertag. Hausputz….

Als ich am Nachmittag durch die Neustadt ging war die Luft drückend warm und schwül. Ich wollte mir ein Fahrrad und einen Schreibtisch ansehen, die zum Verkauf standen. Der Tisch in dem Zimmer, in dem ich wohne ist nur geliehen und muss bald wieder zu der Freundin zurück. Als ich bei der Frau ankam, hatte sie gerade beschlossen den Tisch doch nicht zu verkaufen, sondern in ihre neue Wohnung mit zu nehmen. Das Fahrrad kostete nur 20 Euro, doch es hätte neue Mäntel und Bremsen gebraucht, und im Hinterrad war ein Achter, das Tretlager war auch seltsam…..und so viel wollte ich nun doch nicht investieren.

Dresden NeustadtAls ich von dort weiter  ging, begegneten mir drei Kinder, so 10, 11 Jahre alt. Der Junge, der auf einem Fahrrad saß, sah mich kurz und erschrak laut. Er war überzeugt ich wäre ein Mann und verkündete dies laut zu den Mädchen, die mit ihm unterwegs waren. Das eine Mädchen meinte nein und sie diskutierten…

Dresden Frau mit BartIch musste über das Rätselraten der Kinder grinsen und als sie an mir vorbei gingen, fragte das Mädchen: Sie sind doch eine Frau? Ja, und mit einem seltsamen Gesichtsausdruck schaute sie mich an. Dann kamen die üblichen Fragen, und wir unterhielten uns. Warum? Sie könnten sich doch rasieren. Und das andere Mädchen meinte: Ich hab sie schon mal gesehen und musste lachen…und die Andere: ja und dann drücken wir das Lachen so weg….und ich darauf….ihr könnt ruhig lachen, macht mir nichts aus. Vielleicht müsste ich auch lachen, wenn ich eine Frau mit Bart und Rock sehen würde und das noch nie gesehen hätte…..über einen Clown lacht ihr auch…Ja….hmmm rätseln….sie schienen das erst mal alles sortieren zu müssen……noch nicht sicher, wie sie das nun finden sollten…das eine Mädchen hatte schon als es ums Rasieren ging, gesagt, dass es ihr nicht gefallen würde…..Ist auch ok. Geschmäcker sind verschieden.

327. Tag, Tagebuch Ausflug ins Wendland

Hab einen kurzen Ausflug ins Wendland machen können, und Freunde besucht, die ich seit über einem halben Jahr nicht gesehen hatte. Das war schön – wie nach Hause kommen. Die Teenager Tochter meiner Freundin war mit ihrer Freundin am Einstudieren von Liedern auf der Gitarre. Beide sangen dazu. Schön war das. So viel Freude strahlten sie aus….

Wenn andere Menschen glücklich sind, bei dem was sie tun, dann strahlen sie das auch aus und es wärmt mir das Herz.

Es ist so viel wert, wenn Menschen ihre Liebe und Freude durch Musik oder andere kreative Formen ausdrücken. Das erhellt die Welt und macht aus ihr einen freundlichen Ort.

326. Tag, Tagebuch – NICHTS TUN

Becoming free is not changing yourself
into someone you think you should be.
Becoming free is understanding that there is nowhere to go,
nothing to do and nobody to be except
exactly who you’re being right now.
Michael Roads

Frei zu werden bedeutet nicht, Dich selbst zu verändern

in jemanden der Du denkst sein zu müssen.

Frei zu werden bedeutet zu verstehen, dass Du nirgends hingehen musst

nichts tun musst und niemand anderer sein musst

als genau der, der Du jetzt bist.


Michael Roads

326. Tag, Tagebuch Gender

Durch den Beitrag auf dem Kalenderblatt bei Seelenfarben bekam ich gestern insgesamt 2325 Klicks! Das ist fast so viel, wie der Beitrag von Akte 09 auf Sat 1 ausgelöst hatte! Ich bin sprachlos! Vielen Dank für das Interesse! Und vielen Dank an Engelbert für den Beitrag auf dem Kalenderblatt.

Gestern war wieder ein ruhiger organisatorischer Tag. Tag der inneren Einkehr. Es regnete viel. Seit langem las ich mal ein wenig. Das umstrittene Buch Feuchtgebiete, das ich von einer Freundin geliehen habe, las ich quer, und fand es ziemlich ungewöhnlich. Konnte es kaum aus der Hand legen. Mir gefiel die Art wie es geschrieben ist, und die „Frechheit“ über Dinge zu schreiben, die sonst Tabu sind…..Hab die Hälfte gelesen. Dann schaute ich in ein Buch, das ich bestellt hatte, mit dem Titel: One thousand beards von Alan Peterkin, A Cultural History of Facial Hair. Darin steht auf einigen Seiten ein wenig zu dem Bart bei Frauen, bezogen auf die Geschichte. Weiß noch nicht, ob sich die Anschaffung gelohnt hat. Muss es nochmal genauer studieren.

dresden FlohmarktDurch das Buch bekam ich die Information über eine Photografin mit Namen Trish Morrisey.

Diese hatte vor Jahren zum Thema Hirsutismus und Frauen mit Bart, Fotos gemacht, die unter anderem in einer Ausstellung mit dem Titel fe/male in London zu sehen waren und 2001 in Wien. Diese Ausstellung fe/male war eine Gemeinschaftsausstellung von 11 Photografinnen die die Grenzlinie zwischen Männlichkeit und Weiblichkeit erforschen.

Klickt man auf Trish Morriseys Namen oder hier dann gelangt man auf eine Seite, wo einige ihrer Fotos zu sehen sind. Und unter diesem Link auf der selben Seite ein Artikel von Robin Whitaker auf Englisch über Frauen und Gesichtsbehaarung.

Genderprojekt FacebookAuf Facebook gibt es eine Seite Genderproject. Dort wird sich mit dem Thema wie wir Gesichter in männlich und weiblich einteilen beschäftigt.

325. Tag, Seelenfarben Kalenderblatt

Engelbert hat auf dem heutigen Kalenderblatt von Seelenfarben etwas über mich geschrieben. Was seine Gedanken sind über eine Frau mit Bart. Über die Fotos von mir. Sehr lesenswert, wie all die Tage im Kalenderblatt der Seite Seelenfarben finde ich.

In den Kommentaren zum Kalenderblatt fragte Eloise, ob ich berufstätig sei und wenn in welchem Beruf.

Jennifer Miller FingerpuppeIm Moment möchte ich keiner regelmäßigen „normalen“ Arbeit nachgehen. Seit einiger Zeit arbeite ich im Tausch für Wohnung und Essen, mache Kinderbetreuung oder Arbeiten im Haushalt, um mehr freie Zeit für mich zu haben, um zu schreiben, zu basteln und zu reisen. Damit geht es mir besser, als wenn ich eine 40 Stunden Woche hätte, wo ich zwar mehr verdienen würde, doch auch kaum noch Muse hätte kreativ zu sein und mich gestresst fühlen würde. Ich kann auch viel arbeiten, wenn es eine selbstbestimmte Arbeit ist, die mir Freude macht.

Gearbeitet habe ich in vielen verschiedenen Bereichen in meinem Leben. Eine Ausbildung zur Fremdsprachenkorrespondentin habe ich gemacht und Kunst und Geographie für das Lehramt an Gymnasien studiert und mit dem 1. Staatsexamen abgeschlossen.

Es wäre interessant, ob ich als Frau mit Bart eine Stelle an einer Schule bekommen würde. Vielleicht an einer Alternativschule. An einer staatlichen Schule wird das kaum möglich sein. Da wird den Lehrerinnen sogar das Tragen von Kopftüchern verboten.

Männer werden von den Arbeitgebern genötigt sich zu rasieren, wenn sie einen Job haben wollen, oder behalten möchten! In den USA ist das normal und in Deutschland ist das auch schon üblich in einigen Branchen!

BabyAuf Kinder aufpassen und mit Kindern arbeiten kann ich immer mal wieder, auch als Frau mit Bart. Meist sind die Eltern offene, aufgeschlossene Menschen. Die Kinder haben das geringste Problem mit meinem Bart. Wenn, dann sind es die Eltern, die es schwer finden damit umzugehen.

In Irland bekam ich einen Job als Kinderbetreuung vermutlich nicht, auf Grund meines Aussehens. Die Eltern der Kinder haben es mir nicht ins Gesicht gesagt, doch erst schien der Job klar zu sein und dann ergab sich, trotz mehrmaliger Anrufe meinerseits, doch kein Arbeitsverhältnis. Eine Begründung oder Absage gab es nicht, nur ein Hinhalten..“..ich muss noch mit meinem Mann sprechen…“, was sie auch immer noch beim dritten und vierten Anruf sagte…..

In Irland hätte ich die Familie wegen Diskreminierung verklagen und viel Geld kassieren können. Ich nehme an, davor hatten die Eltern Angst und vermieden es deshalb, sich klar und offen zu äußern.

Als Bedienung in einem Restaurant mit den üblichen Ettiketten, würde man eine Frau mit Bart wohl auch nicht einstellen. (In einem etwas ungewöhnlichen Cafe in Berlin vielleicht schon….)

Ebensowenig gäbe es eine Stelle als Chefsekretärin, denke ich. In dem Beruf wird Wert auf  Styling und Haarlosigkeit an den Beinen gelegt. Ob mit oder ohne Bart würde ich dort eh nicht hin passen.

Eigentlich zeigt mir der Bart wo ich hinpasse und wo nicht. Er hilft mir mich nicht weiter zu verstellen oder anzupassen, wie ich das noch vor einigen Jahren versucht habe.

Es ist viel zufriedenstellender und entspannender ich selbst zu sein und meinen Weg zu gehen, statt in vorgeformte Wege treten zu wollen und mich dadurch zu verbiegen und anzuspannen.