311. Tag, Tagebuch Wien – Mittelalterliches Lager im Wald

Feiertag. Ausgeschlafen.

Das Wetter war heute wechselnd von schwülwarm bis kalt, mit grauverhangenem Himmel und irgendwann noch Regen. Dennoch zogen wir Mittags zu dritt los; die Freundin, ihr Freund und ich, um zu einem Mittelalter Lager im Wald, in die Umgebung von Wien zu fahren. Eine Stunde mit der Bahn, dann wurden wir vom Bahnhof abgeholt und fuhren das letzte Stück mit dem Auto.

Weiße Zelte. Ein Zaun mit einem Turm davor, auf einer Lichtung im Wald. Das war der Ort, an dem sich ein Gruppe von Mittelalterfans für eine Woche ganz dem Mittelalter widmeten, Kämpfe vorbereiteten und alte Traditionen pflegten. Heute war noch nicht der Tag der Schaukämpfe und es ging beschaulich zu.

WurfspielDie Männer und auch eine Frau, übten sich in Kampftechniken. Andere Frauen und Männer waren am Nähen.

Am späten Nachmittag wurde ein Wurfspiel mit Holzklötzen, die Bauern und den König repräsentierten, gespielt. Der Name des Spiels ist Kubb. Es ist ein altes Wikingerspiel.

Der Koch in der Zeltküche und seine Helfer hatten eine Spinat und Bärlauchsuppe zu Mittag gekocht und am Abend gab es Rindsrouladen gefüllt mit Gemüse und Speck. Hmmm die waren so fein, hatten vier Stunden auf dem Feuer geköchelt und waren soooo zart geworden! –

Ich begann einen Löffel zu schnitzen und gab dann doch auf bevor er fertig war. Meine Hand schmerzte vom Halten des Schnitzmessers und ich war leider zu ungeduldig. Wäre ich mehrere Tage hier geblieben, dann wäre das vielleicht was geworden, denn eigentlich arbeite ich gerne mit Holz. Mann sagte mir, dass das schon mal sieben Stunden dauern kann, bis so ein Löffel fertig geschnitzt ist – puh, ja das Mittelalter ist schon eine Herausforderung für so verwöhnte Menschen aus der Neuzeit! – Bogenschießen gab es auch und nach einigen Pfeilen traf ich dann die Zielscheibe. Da werden Muskeln gebraucht, die ich sonst wohl kaum verwende, denn beim Spannen des Bogens zog es ziemlich in meinen Armen.

Reaktionen: als ich ankam, blieben einige Männer mit ihrem Blick auf mir haften. Einer von ihnen strich sich selbst erst mal den Bart, die Reaktion hatte ich auch schon des öfteren beobachtet. Unbewusst streichen sich die Männer den Bart, wenn sie eine Frau mit Bart sehen. Wieso? Keine Ahnung. Hab noch nicht gefragt. Müssen sie sich vergewissern dass ihrer noch dran ist? – Sonst hatte ich den Eindruck, dass es die Meisten einfach so hinnahmen, oder sich nichts anmerken liessen. Im Mittelalter gab es die Frauen mit Bart ja auch schon….

Spät am Abend setzte sich eine junge Frau neben mich. Wir kamen ins Gespräch, voll nett. Sie hatte gerade ihren Schulabschluss gemacht und während wir über Themen wie Karriere, Studium und Träume sprachen, kam die Sprache auf den Bart. Ihre Schwester hätte da was im Fernsehen gesehen und ob ich das war? Könnte sein, denn Sat 1 wird auch in Österreich ausgestrahlt. Zu meiner Überraschung sagte sie, dass sie und ihre Schwester es cool finden, dass ich meinen Bart wachsen lasse! Darüber freute mich sehr. In Portugal gab es auch einige Teenies, die meinen Bart cool fanden. Gerade von Teenies hätte ich das damals nicht erwartet. So kann man sich täuschen.

Dann hatte unser Gespräch ein plötzliches Ende, denn unsere Mitfahrgelegenheit nach Wien fuhr nun los. Schade.Wir hätten sicherlich noch mehr Gesprächsstoff gehabt, aber wer weiß vielleicht treffen wir uns ja wieder einmal.

3 thoughts on “311. Tag, Tagebuch Wien – Mittelalterliches Lager im Wald

  1. Das ist ja ein Ding! Genau diese Leute kenne ich … ist ein Mittelalterverein und, wenn es mir gesundheitlich besser gegangen wäre, dann hätte ich dort auch ein oder zwei Tage verbracht und wir uns sogar getroffen. Aber eine Freundin von mir war dort und hat mir etwas berichtet.

    Bogenschießen ist toll, geht aber tatsächlich sehr in die Arme … dies Erfahrung habe ich auch schon gemacht. Geschnitzt habe ich noch nicht, wäre aber mal interesssant das auszuprobieren.
    Und das Essen war sicher sehr lecker … jetzt kriege ich doch glatt Hunger … *g*

    Alles Liebe,
    Elisa

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    • Hallo Elisa,

      gleich zwei Dinge, die Du kanntest! Wie klein die Welt doch ist, denke ich mal wieder…. Hoffe Dir geht es inzwischen besser und beim nächsten Mal, wenn das Mittelalter Lager statt findet, bist Du dabei! In dem Studentenwohnheim hatte ich drei Tage übernachtet….waren schöne Tage, doch ein wenig laut…da vor dem Fenster eine Baustelle war…..

      Alles Liebe
      Marianna

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  2. Hallo Marianna!

    In Wien laufe ich immer wieder Leuten über den Weg, denn letztendlich ist es doch keine so große Stadt. Zanoni, Stephansdom und so, das kennt wohl jede/r in Wien Lebende, aber das mit dem Mittelalterlager, noch dazu außerhalb von Wien … das hat mich auch gewundert. *g*
    Ja, nächstes Jahr werde ich dabei sein und mitfeiern. *Freu*
    Wirklich besser geht´s noch nicht, heute hatte ich wieder Fieber … jetzt nicht mehr. Aber ich denke, es ist am Heilen … ich denke trotzdem positiv.

    Solltest du wieder nach Wien kommen, kannst du dich ja mal melden per Mail … ich würde mich freuen, dich persönlich kennenzulernen.🙂

    Alles Liebe,
    Elisa

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