347. Tag, Tagebuch

BlüteNach den letzten Tagen musste ich heute mal ausschlafen, war doch ganz schön ko.

Mir haben das Fotoshooting und die Dreharbeiten sehr viel Spaß gemacht und ich bin total gespannt auf das Ergebnis. Es war interessant, wie die unterschiedlichen Kleidungsstücke mein Erscheinungsbild veränderten…..

Am Samstag dem 25.7. gibt es auf RTL in der Sendung Explosiv Weekend, 19.05-20:15 Uhr, einen Beitrag über das Fotoshooting zu sehen.

Heute Nacht übernachtete ich bei Loewin, deren Bart auch wächst und immer länger wird. War schön sie wieder zu sehen. Der Besuch war nur kurz, dann fuhr ich mit einer Bahnmitfahrgelegenheit nach Dresden.

18.7.2009

Drei nette junge Leute fuhren mit mir. Einer war Musiker, es scheint viele Musiker in Dresden zu geben….zuerst schaute er etwas irritiert, als ich ihn begrüßte, doch dann war es ok und keiner der drei fragte wegen meinem Bart. Als wir über Kunst sprachen, die eine Frau hatte auch Kunst studiert, wurde ich gefragt, ob ich noch malen würde und ich sagte: „Nein, im Moment ist der Bart mein Projekt. Ich hätte es auch als Kunstprojekt überschreiben können…. „

Mit all den Selbstporträts hatte ich überlegt nach dem einen Jahr eine Ausstellung zu machen. Bisher, nur eine Idee.

Noch 17 Tage, dann ist ein Jahr rum. Die Haare wachsen langsamer, als am Anfang.

Wir fuhren mit den Regionalzügen von Berlin nach Dresden. Dreieinhalb Stunden dauerte die Fahrt. In unserem Wagen war eine Horde gröhlender Fußballfans, biertrinkend, singend und lärmend. So heftig, dass nach einer Weile Polizei dazu kam. Einige Lieder waren ziemlich ausländerfeindlich mit einem Text wie: ….eine Kirche ohne Jesus ist eine Moschee……

18.7.2009

Die Polizei war dick gepanzert unter ihren Jacken, als ob sie ein Gestell wie beim Football darunter anhätten. Durch die Präsenz der Polizei wurde die Menge ruhiger. Als die Polizei kurz weg ging, fing das Gegröhle wieder an. Also erschienen die Beamten wieder und Ruhe kehrte ein. Das war ein hin und her über die ganze Fahrt. Mich sahen die jungen Männer nicht. Wäre ich nicht in Begleitung gewesen, wäre mir schon mulmig zu Mute gewesen.

An Wochenenden mit den Nahverkehrszügen zu fahren kann einem echt das Bahnfahren abgewöhnen. Zu voll, zu schmutzig und zu unangenehm empfand ich das schon öfters.

Es waren mehr als zwanzig Fußballfans im Zug verteilt, wie sich später am Gleis zeigte. Als wir umsteigen mussten, sahen sie mich dann zum ersten Mal und Gelächter brach aus, während wir die Treppe hinunter gingen, um zum Anschlusszug zu gelangen.

Im nächsten Zug saßen wir vier in einem anderen Wagen, doch nach einer Weile tauchten wieder einige der Fußballfans auf und kamen in unseren Wagen. Der eine meinte zu einem anderen, der schon in unserem Wagen sass, dass sie die Frau suchen würden, dann sah er mich und verstummte und versuchte sich zu verstecken. Einige Zeit später Versuche mich mit dem Handy aus der Ferne zu fotografieren. Ich setzte mich anders herum. Das wars dann aber auch.

2 thoughts on “347. Tag, Tagebuch

  1. Guten Morgen,

    ja, da kann man es mit der Angst zu tun bekommen. Ich denke, bei den Deutschen ist eine latente, relativ ausgeprägte Abneigung gegen Leute vorhanden, die ANDERS sind. Das merk man immer wieder auch in völlig belanglosen Plaudereien. Dabei sind es oft keine besonderen Leute, sondern „ganz normale“, die, wenn das Thema z.B. auf Schwule, Transvestiten, Farbige… kommt, völlig unerwartete Äußerungen loslassen. Dabei wird immer wieder ein recht merkwürdiges Weltbild als Gradmesser herangezogen. Betrunkene, Rowdys und aggressive Fußballfans sind natürlich besonders gefährlich, aber gefährlich ist auch schon ein Weltbild, das mehr oder weniger im Verborgenen „blüht“.
    Ich hatte neulich auch ein AHA-ERLEBNIS. Wir waren auf einer Veranstaltung in Flensburg und hörten einer Musikgruppe zu. Ich war „normal“ angezogen, da mit Betrunkenen zu rechnen war. Ich hatte eine lange Jeans an und eine Jacke, trug aber Sandalen – und man konnte meine lackierten Zehen-Nägel sehen. Das war auch bis zu dem Moment kein Problem.
    Eine Familie mit einer erwachsenen Tochter stand neben uns. Vater: Typ pensionierter Bankbeamter, Mutter: nett und adrett, Tochter auch sehr gepflegt, sah jedoch etwas bieder aus.
    Einer der 3 entdeckte meine lackierten Fußnägel. Darauf mussten sie sich dermaßen laut darüber unterhalten und lustig machen…
    Da merkt man, wie kleingeistig und unerzogen manche Leute sind.
    … auch an der Schule unserer Kinder. Dort gibt es eine Lehrerin mit Bart, die offen damit umgeht und auch bei öffentlichen Veranstaltungen der Schule ihren Auftritt hat. … was da manchmal aus der „zweiten Reihe“ an Kommentaren kommt…
    Dabei geht es immer nur um den Bart, selten um die musikalischen Darbietungen.
    Gut, wir werden weiterhin daran arbeiten, dass die Welt offener und toleranter wird.
    Herzliche Grüße
    Claus-Peter

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    • Hallo Claus-Peter,

      ich würde sagen diese Angst vor dem was Anders ist, kommt auch aus einer tiefen Verunsicherung und mangelnder Selbstliebe. Und die ist in Deutschland vielleicht ausgeprägter, wenn man das überhaupt verallgemeinern kann, als in manch anderen Ländern. Vielleicht ist es etwas was man auf der ganzen Welt finden kann…auch im Orient werden Feindbilder aufgebaut gegen den Westen….Kinder in ihrem Selbstwert zu stärken, ihnen das Gefühl zu geben, dass sie ok sind wie sie sind, ihre Selbstliebe zu stärken, und ihnen gleichzeitig beizubringen, das es eine Vielfalt des Seins gibt, würde eine Gesellschaft stärker machen und weniger anfällig dafür andere nieder zu machen.
      Wer mit sich selbst in Frieden ist, der kann auch die Anderen sein lassen wie sie sind und findet es gar interessant wenn jemand „Anders“ ist und hat eine gesunde Neugier auf das „Andere“.
      Die Lehrerin bei euch in der Schule würde ich immer noch gerne mal kennen lernen….und ich denke allein dadurch dass wir „Anders“ durch die Welt gehen, tragen wir dazu bei dass die Welt offener und toleranter wird.
      Lieben Gruß
      Marianna

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