362. Tag Lesestoff: Körperbehaarung und Normen

Sonntagmorgen entdeckte ich eine sehr interessante Diplomarbeit mit folgendem Titel:

Das Behaarte und das Unbehaarte, von J. Djuren aus dem Jahre 2004/2005.

Sehr ausführlich und unterhaltsam zu lesen, mit vielen Literatur- und Linkhinweisen.

Webseite: http://www.irrliche.org/paulaukarlairrliche.htm

Hier eine Leseprobe…. Zitat:

„Hier finden wir einen Teil der ‚Argumente‘, die immer wieder für die Entfernung von Körperhaar aufgefahren werden.

– Körperbehaarung ist unhygienisch

– Frau soll ihre eigene Körperlichkeit dem Wunsch von Männern unterordnen

– in Ländern wie den USA tun dies ohnehin schon viele Frauen (d.h. moderne Frauen)

– die Körperhaarrasur zeigt sexuelle Offenheit, rasiert Frau sich nicht, ist sie potentiell nicht selbstbewußt genug

Tatsächlich sagen psychologische Untersuchungen bezogen auf Australien etwas anderes aus. Da die Körperhaarrasur die Norm ist, bzw. der an die Frauen herangetragene Wunsch, neigen vor allem Frauen, die unsicher sind, zur Entfernung ihrer Körperhaare, bzw. im statistischen Mittel gilt, daß nur sehr selbstsichere Frauen sie nicht entfernen[16] Auch der Ländervergleich ist etwas absurd, im selben oben zitierten Text wird interessanterweise auch noch in einer Anmerkung deutlich, daß die Totalentfernung auch im arabischen Raum zum Standard gehört. Dies wurde aber nicht an den Anfang des Artikels gestellt, hätte es doch die Frage thematisiert, was Körperhaarentfernung mit spezifischen Strukturierungen einer Gesellschaft, mit einer ausgeprägten männlichen Kontrolle weiblicher Sexualität zu tun hat, und den Zusammenhang mit der Bedeckung des Kopfhaares zum Thema gemacht. Das Bild der rasierten Frau wäre dann wohl kaum modern konnotiert. Das Argument, daß hiesige Frauen sich rasieren müßten, weil Frauen in Saudi-Arabien dies täten, überzeugt sicherlich nicht sonderlich.� Dabei geht es hier nicht um eine Kritik daran, daß einzelne Frauen Kopftücher tragen oder sich die Körperhaare rasieren, sondern um die Kritik von Normen, die diese Praxen zum Zwang machen.

Von feministischen Frauen aus der Türkei heißt es dann auch in einem Text zur Kritik sexistischer Gewalt sehr deutlich:
„Die meisten von uns verbringen zwangsläufig einen großen Teil ihrer Zeit und Energie damit, sich mit ihren Körpern zu beschäftigen. Wir ziehen uns nicht für uns selbst an, sondern um männliche Beachtung zu erhalten. Für viele von uns ist es eine Notwendigkeit, unsere Körper der neuesten Mode entsprechend zu formen. Übergewicht kann dazu führen, dass Frauen sich vor sich selbst ekeln. Frauen, die ihre Körperbehaarung nicht wirksam bekämpfen, werden als anormal und krankhaft betrachtet..“[17] [18)
Zitat ENDE

GANZ anders, dann dieser Artikel, der aufklären will über Ursachen des Bartwuchses bei Frauen und so beginnt:

„Frauen mit Bärten galten schon vor langer Zeit als kuriose Laune der Natur. Oft wurden sie als „bärtige Damen“ auf Jahrmärkten zur Schau gestellt und dem Spott anderer preis gegeben. Auch heute im 21. Jahrhundert können viele Betroffene kaum ein normales Leben führen.

Sie verstecken sich, schämen sich für ihr Aussehen, ein normales Sexualleben ist für Viele nur ein unerfüllbarer Traum……“(Zitat Ende)

Und ein ganz skuriller Filmbeitrag zum Thema Körperbehaarung:

Und ein Film über Körperbehaarung aus den USA, wo es unter anderem um die Rückenbehaarung von Männern geht.


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