Die Geschichte der Hermaphroditen und Diskussionen um Caster Semenya

Ein langer und sehr interessanter Beitrag unter dem Titel: „Sag es keinem Anderen“ vom Deutschlandradio aus dem April 2009 findet sich HIER.

Zitat : „Unser Recht kennt nur zwei Geschlechter: Männer und Frauen und Kinder männlichen oder weiblichen Geschlechts. Vor 200 Jahren tauchte im Allgemeinen Preußischen Landrecht noch ein drittes Geschlecht auf – ein „Zwitterparagraf“ regelte die Rechte der Hermaphroditen, Menschen die mit uneindeutigen Geschlechtsmerkmalen zur Welt kamen. Später wurde der Paragraf gestrichen, Recht und Gesellschaft verlangten Eindeutigkeit. Daran hat sich bis heute nicht viel verändert.“

Magnus Hirschfeld wird in dem Beitrag mit folgendem Satz zitiert:

„Das Geschlecht des Menschen ruht viel mehr in seiner Seele als in seinem Körper, oder, um mich einer medizinischen Ausdrucksweise zu bedienen, viel mehr im Gehirn als in den Genitalien.“

Interessant auch der Artikel in der Zeit zu Caster Semenya und die Kommentare dazu.

Hier ein Auszug:

Bei den Olympischen Spielen 1996 in Atlanta hat man bei acht Athleten, die als Frau an den Start gingen, ein Y-Chromosom entdeckt. Da jedoch sieben von ihnen nicht auf das von ihnen produzierte männliche Hormon Testosteron reagierten, durften sie als Frauen starten. Doch es gibt auch andere Fälle. Als der 800-Meter-Läuferin Santhi Soundarajan nach den Asienspielen 2006 die Medaille aberkannt wurde, weil man ihr ein Y-Chromosom nachwies, versuchte sie sich das Leben zu nehmen……..

Medizinische Behandlungen wie das Angleichen der Geschlechtsorgane an gesellschaftliche Normvorstellungen sei ein Angriff gegen die körperliche Unversehrtheit sowie die Selbstbestimmung intersexueller Menschen. Sie fordern, dass ihre Existenz nicht weiter totgeschwiegen wird. Caster Semenya könnte dazu einen Anstoß geliefert haben – auch wenn sie bisher vielleicht nicht einmal geahnt hat, dass es Intersexualität überhaupt gibt.“

Zum Umgang der Medienöffentlichkeit mit »der eventuellen Intersexualität von Frau Semenya« hat die Deutsche Gesellschaft für Transidentität und Intersexualität (www.dgti.org) eine Pressemitteilung herausgegeben. In der werden zitiert: Spiegel online (»Dann wird auch Semanya wissen, ob sie eine Frau oder ein Mann ist.«), Die Zeit (»Ist die 18jährige überhaupt eine Frau?«), taz (»Manchmal rennt eine Sie einfach nur schnell, weil sie ein Er ist.«) und Stern (»Mann oder Frau?«). Dann fragt die DGTI zurück: »Selbst, wenn bei Frau Semenya Intersexualität (worunter mehr als 30 verschiedene Syndrome gefaßt werden) festgestellt wird: Mit welchem Recht behaupten einige Medien, daß sie dann ›ein Mann‹ sei? Und nach welcher Logik? (…) Sind automatisch alle körpergeschlechtlich uneindeutigen Menschen Männer? Unabhängig davon, wie sie sich selber sehen? (…) Schon die Feststellung ihres körperlichen Geschlechts ist nicht trivial.« Das nämlich werde außer von Genen bestimmt von Gonaden (Eierstöcke bzw. Hoden), inneren Geschlechtsorganen, Hormonproduktion, Genitalien und sekundären Geschlechtsmerkmalen – »und es gibt jede denkbare Kombination davon«. Ein Y-Chromosom alleine führe bei einer Frau »keineswegs zwangsläufig zu einem Vorteil. Im Falle einer kompletten Androgen-Insensivität (CAIS) etwa könnte sie das Testosteron, das auch ein weiblicher Körper produziert, nicht verwerten, wäre also trotz Y-Chromosoms gegenüber anderen Frauen im Nachteil.«

One thought on “Die Geschichte der Hermaphroditen und Diskussionen um Caster Semenya

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