443. Tag

In Berlin wurde ich gestern blöd angemacht während ich mit einer Frau an der U Bahn Station Friedrichstraße stand. Von drei jungen Männern, die die Rolltreppe hinunterkamen sprach einer uns auf abfällige Weise an, mit wie heißt du denn? Du heißt doch sicher Silvia, sprach er die Frau, die neben mir stand an.. ……dann rief er die anderen beiden Männer zu sich und fragte mich: „Du bist doch eine Frau….oder bist Du n Zwitter?“

Den Rest krieg ich nicht mehr so recht zusammen. Er war jedenfalls nicht einverstanden damit, dass ich als Frau einen Bart habe. Die Frau, mit der ich da stand, entgegnete etwas. Ich spürte wie das den jungen Mann noch mehr in Fahrt brachte. Eine heikle Situtation. Wie schnell sich die jungen Männer durch eine Widerrede provoziert fühlten. Ich spürte die Gefahr von Handgreiflichkeiten und zog es vor nichts weiter zu sagen, und die Männer gingen weiter.

Dass ich mich öffentlich zu meinem Bart bekenne, provoziert manche Menschen und macht sie aggressiv.

Auf meinen Youtube Film kamen in den letzten Wochen vermehrt aggressive umd negative Kommentare. Das ist der Nachteil der Medienpräsenz denke ich. Aber soll ich mich jetzt etwa verstecken, oder anpassen und so tun, als ob ich keinen Bart habe? – Sollen die, die konservativ denken bestimmen, wer wie herumläuft? Weil die, die anders sind sich aus Angst vor ihnen verstecken? Ich dachte in Deutschland leben wir in einem freien und liberalen Land.

Mein Eindruck ist, dass sich Menschen bestimmter Glaubensrichtungen eher angegriffen fühlen, als andere Menschen. Und das die Stimmung in der Stadt schon seit einiger Zeit an Gereiztheit zugenommen hat. Und Minderheiten und „Andersartige“ werden gerne „benutzt“ um Frust abzulassen. Es braucht die, die „Schuld“ sind…..an der Misere….und da pöbelt man gerne die die anders sind an.

Als die Männer gegangen waren und ich mich von der Frau verabschiedet hatte, ging ich runter zu den Gleisen und konnte nicht fassen, dass diese Begegnung, an der Haltestelle Friedrichstraße stattfand, von der ich annahm, dass es doch eine „friedliche und sichere“ Gegend ist – anders, als ich manch andere Haltestellen in Berlin empfinde.

Als ich einen Sicherheitsbeamten unten an den Gleisen bemerkte fühlte ich mich wohler. Es ist kein schönes Gefühl, sich bedroht zu fühlen, nur weil man anders aussieht. Dabei trage ich noch nicht mal provozierende Kleidung. In Jeans mit einer Männerjacke bekleidet, die Haare zurück, war ich heute recht unauffällig.

Während ich an den Gleisen stand erinnerte ich mich an Übergriffe, die vor einiger Zeit auf Dragkings in Kreuzberg statt gefunden hatten.

Bis wir eine so tolerante Gesellschaft haben, wie ich es mir erträume, wird wohl noch einige Zeit vergehen müssen….

One thought on “443. Tag

  1. Guten Morgen,

    ein schlimmes Erlebnis. Es zeigt, dass die „ach so freie Großstadt“ doch nicht so frei und tolerant ist wie es sein sollte. Mit solchen Aggressionen umzugehen kann ganz schön Angst machen!
    Ich hoffe, Du hast alles gut überstanden und kannst ohne schlechte Gefühle wieder rausgehen.
    Aber es wird Dir ähnlich gehen wie mir – ein wachsames Auge habe ich immer.
    Herzliche Grüße
    Claus-Peter

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