513. Tag

Lag einige Tage mit Grippe im Bett und komme nur schwer ins Internet. Ein wenig vermisse ich es hier zu schreiben.

Ich wünsche allen die hier lesen ein wundervolles und angenehmes 2010.

504. Tag

Hier hat es viel geschneit, über 20 Zentimeter hoch liegt der Schnee. Dafür ist es wieder etwas milder. Die letzten Tage bei zum Teil unter 15 Grad waren heftig. Alle paar Stunden musste einer von uns dreien im Haus Holz nachlegen. Die Scheiben hatte ich mit dicken Decken verhangen, um die Wärme im Zimmer zu halten.

Mein Sohn kam gestern mit seiner Freundin aus Portugal. Sie waren mit dem Auto von Portugal hier hoch gefahren und waren trotz Schnee in Spanien und Frankreich ganz gut durchgekommen. Ich freue mich die beiden wieder zu sehen.

Eigentlich wollte ich heute zum Einkaufen in den nächsten Ort, doch ich werde es auf morgen verschieben, in der Hoffnung, dass dann weniger Schnee liegt und ich eine Mitfahrgelegenheit finde. Zum Glück gibt es in der Nachbarschaft noch den  Hofladen von Hof Tangsehl, der heute Nachmittag geöffnet hat. Dort gibt es Demetergemüse zum Teil aus dem eigenen Anbau und andere Biolebensmittel.

501. Tag

Über ein Jahr schrieb ich täglich in meinem Blog. Jetzt gerade ist es ziemlich schwierig täglich etwas zu schreiben. Wo ich wohne ist kein Internetzugang und es ist mit zeitlichem und finanziellen Aufwand verbunden ins Internet zu gelangen.

Wie viel mir das Internet bedeutet, und wie viele Informationen ich dadurch schnell mal abrufen kann, merke ich dieser Tage. Sei es der Fahrplan von Bussen und Bahnen, medizinische Fragen, Adressen und Telefonnummern von Institutionen oder Privatpersonen, Wohnungs- und Jobangebote und vieles mehr. Das vermisse ich doch schon sehr. Und dann ist da die andere Seite, ohne Fernsehen, Internet und Zeitung oder Radio, lebt es sich anders. Stiller und mehr bei mir. Fernsehen, Radio und Zeitung nutze ich sehr selten. Wenn ich mal im Cafe bin lese ich Zeitung, oder wenn es da, wo ich wohne, einen Fernseher gibt, dann schaue ich auch mal. Doch ohne all das habe ich mehr Zeit und fühle mich nicht von den Meldungen manipuliert.

Ich hoffe in der nächsten Wohnung wieder Internet zu haben oder die Möglichkeit mit einem mobilen Internetzugang ins Netz zu können. Letzteres ist hier nicht möglich, da das Netz zu schwach ist.

Täglich zu schreiben was es Neues gibt zum Thema Bart wird immer schwieriger, wie ich schon an anderer Stelle schreib. Selten gibt es etwas wirklich Neues zu berichten. Ich habe den Eindruck, dass mehr Menschen nun wissen, das ich eine Frau mit Bart bin, und sie gelassen reagieren, vielleicht weil sie mich im TV sahen oder bei Brigitte. Sehr selten gibt es die Regung: „Was war denn das?“ Was ich öfters erlebt habe, bevor es Berichte im Fernsehen über mich gab. Schon erstaunlich, wie schnell das Fernsehen wirkt!

Als ich letztens bei dem Geburtstag einer Vierjährigen war und dort Puppentheater machte, sagte eines der anwesenden Mädchen zu mir: „Frauen haben keinen Bart. Das gibt es nicht.“ Und ich sagte:“Mich gibt es nicht? Vielleicht bin ich nur eine Geschichte?“ Und sie erwiderte: „Ja, dich gibt es nicht!“ – Als ich sie gestern zufällig wieder traf, hatte sie das wohl gut behalten, denn sie sagte wieder zu mir:“Dich gibt es nicht.“

Eine andere Begegnung. Eine Frau, die mich im Auto mitnahm fand es mutig, dass ich meinen Bart trage, sie könnte das nicht. Bei genauerem Hinsehen konnte ich ihre gut kaschierten Haaransätze am Kinn und darunter sehen, die wenn sie nichts dagegen machen würde sicherlich einen Bart, wie den meinen ergeben würden. Sie erzählte mir, dass sie schon Lasern und Nadelepilation angewendet hatte, um ihre Barthaare los zu werden, doch diese kamen dennoch immer wieder!! Scheinbar gibt es keine wirklich wirksame Methode wenn genetische oder hormonelle Ursachen eine Rolle spielen! Bei ihr gab es hormonelle und genetische Ursachen für den Bartwuchs.

Sie meinte mal gehört zu haben, dass sich früher ein Mann von seiner Frau hätte scheiden lassen können, wenn ihr ein Bart wuchs. Im Internet konnte ich nichts dazu finden und sie war sich auch nicht mehr so sicher, woher sie das hatte….wäre interessant das mal heraus zu finden.

Was gibt es noch zu erzählen…..es ist sehr kalt geworden. Das Haus hier ist noch in einem Zustand wie vor einigen Jahrzehnten. Viele Fenster ohne Doppelglasfenster und die Wände schlecht isoliert. Die Zentralheizung im Keller wird mit Holz betrieben. Einerseits sehr gut, doch etwas aufwendig. Immer wieder muss Holz mit der Schubkarre geholt werden und in den Keller geschüttet werden, so wie früher die Kohlen. Der Ofen muss regelmäßig mit Holz gefüttert werden, sonst gibt es kein warmes Wasser und es wird ziemlich kalt im Haus. Obwohl es so aufwendig ist, mag ich es Holz zu holen und damit zu heizen. Am liebsten wäre mir ein Ofen im Zimmer, und ein Kamin im Wohnzimmer, so dass ich vor dem Feuer sitzen könnte.

497. Tag

Ein Erfolgserlebnis. Samstag war ich in Hitzacker auf dem Weihnachtsmarkt und hatte mir eine kleine Bühne gebaut und meine Fingerpuppen und Pulswärmer angeboten. Ich spielte immer mal kleine Szenen mit den den Fingerpuppen und anderen Figuren, die ich gebaut hatte. Verkauft habe ich ein paar Fingerpuppen, doch keine Pulswärmer. Zu spielen, wenn viele Menschen vorbei gehen empfand ich schwieriger, als für eine kleine Gruppe oder einzelne Kinder zu spielen. Abends fühlte ich mich richtig froh die Gelegenheit gehabt zu haben auf dem Markt gewesen zu sein und mich ausprobiert zu haben. Jetzt weiß ich woran ich noch arbeiten muss und dass ich lieber in einem Kindergarten oder vor einer kleinen Gruppe auf einem Geburtstag spielen möchte, als auf der Straße.

Der Markt in Hitzacker war sehr schön. Es gab verschiedene Lifemusik. Besonders gefallen haben mir Karla und Lotta, die ihren Gesang mit der Gitarre begleiteten und supergut waren!! Beide sind um die 12 Jahre alt und sowas von gut!! Ich hätte gerne einen kleinen Film hochgeladen, doch das wollte noch nicht klappen….folgt vielleicht irgendwann noch…Man kann die beiden für Feiern engagieren…..

Wieder gab es auf dem Markt kunstvoll bemaltes Porzellan, hier ein Foto von ein paar Löffeln!

493. Tag

Bin ziemlich beschäftigt dieser Tage mit mir selbst. Forsche nach Mustern in mir und in meiner Familie, bis hin zu den Vorfahren…ziemlich interessant und auch nicht unanstrengend. Es wird noch eine Zeit lang dauern, bis ich damit durch bin. Hoffe danach mehr Klarheit zu haben und meinen Weg mit mehr Leichtigkeit gehen zu können.

Zum Bart: Wo ich mich gerade so bewege auf dem Land sowie in Hamburg oder Lüneburg erfahre ich keine negativen Reaktionen auf mein Aussehen, wenn man mal von der Jobsuche absieht. Ein Verkäufer sprach mich sogar an und sagte er habe mich im Fernsehen gesehen und er fände es gut was ich mache. Vielleicht eine neue Mode die da entsteht.

Auf meinen Film bei Youtube kommen sehr positive und ebenso auch sehr negative Kommentare. Interessant zu beobachten, was die Menschen so denken. Eine Bewerbung die ich im Internet weggeschickt hatte kam zurück mit der Antwort: „…entschuldigen Sie, dass ich Sie mit Frau angesprochen hatte, doch wir bekommen wenig Bewerbungen von Männern.“ Ich hatte ein Foto vom Fotoshooting beigelegt, wo ich Männerkleidung an hatte und sehr männlich wirkte. Obwohl ich mit Frau unterschrieben hatte, diese Reaktion!

Der Film von Gunthild Kupitz auf Brigitte über mich hat fast den Reporterpreis 2009 gewonnen. Leider gab es nur einen Preis und den bekam jemand anderer. Hätte es noch einen zweiten und dritten Platz gegeben, dann wäre sie sicherlich unter den ersten dreien gewesen. Schade. Vielleicht wird es irgendwo noch eine andere Gelegenheit geben.

Viel mehr kann ich gerade nicht schreiben. Gleich werde ich noch nähen und Fingerpuppen machen für morgen auf dem Markt…..

490. Tag

Vor einer Woche etwa, war ich bei einer Arbeitsvermittlerin. Ich hatte dort meinen Lebenslauf eingereicht in der Hoffnung einen Job zu finden, und auch um heraus zu finden, ob ich mit Bart eine Chance auf Arbeit hätte. Das Ergebnis war, dass es Arbeitgeber gab, die meinen Lebenslauf interessant fanden und vielleicht auch eine Arbeit für mich hätten, wenn da nicht der Bart wäre. Sie hatten zum Teil Angst davor, wie Kunden darauf reagieren würden, und dass Kinder Angst vor meinem Bart haben oder gemein reagieren könnten. Ganz offen und ehrlich wurde mir gesagt ich würde mir mit dem Bart im Wege stehen.

– Diese Aussage machte mich erst einmal sprachlos. Hätte gut von meiner Mutter stammen können. In meinem Kopf fing es an zu denken. Hatte die Person vielleicht Recht mit ihrer Aussage? In welcher Hinsicht könnte das stimmen? Vielleicht meinte sie, dass ich mir damit im Wege stehe, um einen Job auf dem „normalen“ Arbeitsmarkt zu finden. So gesehen hat sie Recht. Auf dem „normalen“ Arbeitsmarkt, könnte ich einen Job finden, wenn ich bereit wäre, mir den Bart zu rasieren. Weiterhin meinte sie ich sei nicht flexibel genug. Denn den Bart behalten zu wollen wäre mangelnde Flexibilität.

Als ich entschloss mir den Bart wachsen zu lassen war mein Ziel dadurch zu mir zu finden und „MEINS“ zu machen. Vielleicht ginge das auch, wenn ich mich rasiere und für eine Weile wieder anpasse, um Geld zu verdienen, damit ich mit diesem Geld meine Träume verwirklichen kann. Oder würde mich das „ANPASSEN“ wieder vom „WEG“ abbringen?! Kann ich nicht wissen, ohne es zu probieren…..Wie würde es mir wohl damit gehen wieder auf meinen Bart zu verzichten? Identifiziere ich mich inzwischen zu sehr damit? Vielleicht wäre es interessant ihn für einige Wochen „abzulegen“, um zu sehen wie ich mich fühle und ob ich eher einen Job bekommen würde. Immerhin sagte mir die Arbeitsvermittlerin, dass sie eventuell Arbeit für mich hätte, falls ich den Bart rasieren würde. Wäre einen Test wert. Oder? Meine Intention war, mich „sein zu lassen“ mit Bart. Mich selbst so wie ich bin anzunehmen und mich nicht zu verbiegen oder zu verstellen, um etwas zu erreichen. Bin ich mehr bei mir angekommen, authentischer? Ich denke schon. Von der Meinung Anderer bin ich unabhängiger, als je zuvor. Das ist viel wert. Ich spüre, dass ich etwas Kreatives machen „MUSS“ um zufrieden zu sein. Das hätte ich auch „ohne einen Bart“ erkennen können.

Sollte mein Experiment nun ein jähes Ende finden, weil auch ich dem Druck der Gesellschaft, der Gruppe nicht stand halten konnte?! Nur aus Angst nicht genug Geld zu haben? Sollte ich auf „MEINS“ verzichten, aus Angst!? Aber das ist doch genau das was ich nicht wollte! Leider ist der Weg nicht immer einfach. Hin und wieder bin ich erschöpft und hänge in meinen Mustern fest. Nachdem ich mir viel zu hohe Ziele vorgenommen hatte und zu hohe Ansprüche an mich hatte, habe ich mir nun vorgenommen kleine Schritte zu machen. So habe ich es letztens geschafft auf einem Geburtstag mit den Puppen etwas vorzuspielen und werde dies nun öfters in Kindergärten machen, damit ich einfach in die Übung komme und sehe wie es mir damit geht. Und ich meine Ängste verliere.