572. Tag London

Ein Besuch bei einem Freund in London, über das Wochenende. Er hatte mich eingeladen und es war sehr schön ihn nach sehr langer Zeit wieder zu sehen. Dank Ryan Air ist der Flug nach London günstiger, als manch eine Fahrt innerhalb von Deutschland..

Samstag Nacht. Ein Viertel irgendwo in London mit einer jüdischen Synagoge. Männer mit großen runden Hüten, Kinder in Kostümen als Cowboys und Krankenschwestern verkleidet, mit Sombreros und anderen Hüten. Die Farben der Kleidung und der Kostüme sind vorwiegend in schwarz, weiß, rot und rosa gehalten. Einzig ein Clownskostüm in Regenbogenfarben sticht hervor. Während die Kinder in Kostümen und die Männer mit diesen riesigen Hüten ausgestattet sind, die mich von ihrer Form an Torten erinnern, so sind die Frauen unscheinbar gekleidet und scheinen sich den Männern stark unterzuordnen. Ich habe ehrlich gesagt keine Ahnung von der jüdischen Religion und Kultur. Bisher hatte ich selten Kontakt. Dafür an diesem Wochenende um so mehr, da sich in der Nachbarschaft ein Synagoge befindet und genau an diesem Wochenende, Purim, ein großes Fest der Juden, statt findet. In Wikipedia finde ich Näheres darüber.

Während ich im Internet nachlese, lärmt aus den Lautsprechern eines vorbeifahrenden Kleinlasters mit einer Banderole, auf der hebräische Zeichen gemalt sind, laute Musik, wie bei uns zum Karneval in den Hochburgen am Rhein.

Auch nach Mitternacht ist immer wieder aus dem Nichts laute Musik zu hören, die genauso plötzlich wie sie beginnt, wieder verschwindet. Der Freund, den ich hier in London besuche lebt zusammen mit seiner Frau in einem sehr schön renovierten Appartment in einem der typischen alten englischen Häuser.

Jedes der Häuser hat einen Vorgarten und die Türen sind in immer anderen Farben gestrichen. So sehr sich die Häuser gleichen und in Reih und Glied stehen so unterschiedlich sind sie auch.- In einem der Vorgärten steht ein Baum in voller rosa Blüte. Die Temperaturen sind angeneh, um die 10 Grad, und die Sonne zeigt sich immer wieder für einige Stunden im Wechsel mit Regen.

London entführt mich in eine andere Welt und Zeit, Elemente aus Harry Potter Filmen sind in den Häuserfassaden wiederzuerkennen. Die Trachten der Jüdischen Männer wirken unwirklich auf mich. Lange Bärte und Zöpfe, diese riesen „Torten“ auf dem Kopf und schwarzen Umhänge. In den Händen tragen sie Essenskörbe, Kuchen und Leckereien. Wie einen Traum erlebe ich meinen Aufenthalt während ich sie vor dem Haus vorbei ziehen sehe.

Wir gehen essen, an einem Abend zum Türken ins Dervish, am Anderen zum Inder ins Rasa. Beide Restaurants sind vorzüglich, schwer zu sagen, welches ich bevorzugen würde. Das Essen in London, ist in seiner Vielfalt erstaunlich und wunderbar. Ein Angebot wie in Tausend und einer Nacht und noch darüber hinaus…. Die vielen Kulturen, die sich in London auf engstem Raum eingefunden haben, erschaffen eine neue Gesellschaft. Recht friedlich wirken sie in ihrem Zusammenleben an diesem Wochenende. Jeder scheint den anderen zu lassen….bis auf wenige Ausschreitungen erklärt mir mein Gastgeber.

Ich selbst fühle mich nicht beobachtet oder angestarrt. Ich kann es mir nur so erklären: Bei solch einer Vielfalt an Menschen, und  Kulturen und an Extremen – da fällt eine Frau mit Bart nicht mehr auf. Angenehm ein Teil der Vielfalt dieser Stadt zu sein.

Als wir mit dem Bus fahren, sehe ich Gesichter, wie ich sie noch nie gesehen habe. Als ob jedes Land einige Abgesandte geschickt hat und sie alle hier vertreten sind……Wir fahren nach Brick Lane auf den Markt und dort spiegelt sich die Gesichtervielfalt im Multikulti Angebot der Essensstände. Von der Karibik, über Indien, Thailand, China, den arabischen Ländern, Spanien und so weiter – scheint das Essen rund um die Welt hier vertreten zu sein.

Auch deutsche Würstchen finden sich, dann auf einem anderen Markt, dem Borough Market an der London Bridge.

Wir testen ein orientalisches Essen auf dem Brick Lane Markt und sind begeistert. – Berlin hat schon viel zu bieten, doch London übertrifft dies noch um ein Vielfaches, wenn es um die Vielfalt und Qualität des Essens geht.

Der Tate Modern statten wir auch einen kurzen Besuch ab – einmal durchspaziert sehen wir Installationen von Beuys und Jeff Koons..neben Bildern des Expressionismus, und Künstlern mit denen ich mich während meiner Schulzeit und des Studiums beschäftigt hatte. Endlich stand ich vor Bildern von Barnett Newman, über den ich vor vielen Jahren ein Referat gehalten hatte. Anders, als ich es mir vorgestellt hatte. Besonders gut gefällt mir der Rote Raum von Robert Therienn in dem sich nur rote Objekte befinden. Mein Freund zeigte wenig Begeisterung für den roten Raum, dafür jedoch für Jackson Pollock, dem ich widerum wenig abgewinnen kann.-

Wieder zurück in der Wohnung frage ich mich, wie wohl Deutschland heute aussehen würde, wenn es den Holocaust nicht gegeben hätte…….

Advertisements

565. Tag

Sonniger Sonntag und Tauwetter. Die Eisschollen am Boden sind immer noch 40 cm und dicker. Dachlawinen donnerten die letzten Tage von den Dächern.

Und ich bin froh, dass Wochenende ist. Genieße es mir die Zeit frei einteilen zu können. – Während der Woche, in der Maßnahme in Lüneburg, beschäftigte ich mich damit meinen Lebenslauf zu erstellen. Die übliche Art Lebensläufe zu schreiben ist ziemlich „langweilig“ und um so mehr freute ich mich, als mir unkonventionelle Lebensläufe als Anregung gezeigt wurden. Was da alles möglich ist! So einen wirklich authentischen und persönlichen Lebenslauf zu erstellen kann richtig Spaß machen.

Ich erinnere mich an einen Kommentar vor einigen Monaten, in dem jemand sagte, dass es doch normal sei sich zu verstellen, um einen Job zu bekommen. Wenn ich mich verstelle, dann ist die Wahrscheinlichkeit, dass der Job nicht passt groß. Die ersten Wochen komme ich vielleicht noch damit durch, irgendwann geht das nicht mehr. Bin ich authentisch, und bekomme den Job, dann kann ich davon ausgehen, dass es gut passt.

Da mein Lebenslauf ziemlich lang ist, ich verschiedene Jobs und Ausbildungen gemacht habe, ist es etwas mühsehlig, das alles zu sortieren und auszuwählen, was denn nun relevant ist und was ich weglassen kann, damit es nicht zu viel zu lesen wird.

Damit werde ich mich in der nächsten Woche beschäftigen. Ich habe einige Ideen was ich anbieten kann und werde  Konzepte schreiben und Flyer entwerfen.

Heute kamen die Nachbarskinder und spielten mit den Puppen und Handpuppen ein Theaterstück vor. Dabei zeigten sie mir wie einfach das sein kann. Ich weiß auch nicht warum ich immer wieder Angst davor habe. Es hat vielleicht auch damit zu Tun, dass ich damit Geld verdienen will und Ansprüche habe, an mich und die Zuschauer. Wenn ich Geld verlange, dann will ich, dass die Zuschauer auch zufrieden sind mit der Qualität, dessen was sie geboten bekommen. Ansprüche können die Kreativität ziemlich hemmen. Kinder machen einfach. Die denken nicht über Qualität nach. Es ist selbstverständlich, dass es den Zuschauern gefallen wird. Hier passt der Spruch: Werdet wieder wie die Kinder. Einfach machen und nicht urteilen! –

Zufrieden sind die Zuschauer des Fernsehprogramms auch nicht immer. Selbst noch so gute Filme, die vielen Menschen gefallen werden von Anderen kritisiert und abgewertet. Der Wunsch, dass mein Puppenspiel allen Zuschauern gefällt und ich alle zufrieden machen kann, ist ziemlich utopisch! Also übe ich mich darin Ansprüche runter zu schrauben und Erwartungen, damit ich ins Tun komme und nicht in der Angst vor dem Versagen stecken bleibe.

Aus Erfahrung weiß ich dass, wenn ich mal am Machen bin, und es Routine geworden ist, dann ist die Angst auf einmal weg und ich kann mich noch nicht mal mehr daran erinnern, dass ich davor Angst hatte.

Die Kinder waren heute gerne da und bedauerten, dass ich nicht für immer hier wohnen bleiben kann. Für mich war ihr Besuch eine große Bereicherung und ich war sehr dankbar dafür. Ihre Unbefangenheit zu spielen tat mir richtig gut und gab mir neuen Mut selbst mit den Puppen zu spielen.

Frau mit Bart gesucht Kontaktanzeige

Heute unter folgendem Link fand ich das hier :

Partnerschaften & Kontakte » Er sucht Sie (C)

Frau mit Bart gesucht

Sehr attraktiver Mann (Bon Jovi Typ) sucht seine Traumfrau, die ganz anders ist als was heute als Idealtyp gilt. Barbypüppchen – nein danke. Lieber Frau mit heller Haut und vielen dunklen Haaren. Warum müssen Frauen sich bei der Kosmetikerin quälen, wennes für jeden Topf nen Deckel gibt – bleibt doch wie ihr seid, dann findet Euch auch der Richtige oder ihr findet ihn! Also, Hirsutismus und starke Behaarung ist keine Krankheit sondern genau die Erotik, die viele Männer wie ich toll finden! Just be yourself! Mut wird im Leben immer belohnt, also ergreife die Initiative, ich habe den ersten Schritt gewagt!

Standort: D-45127 Essen Innenstadt

561. Tag Einzigartigkeit

Wieder ein sonniger Tag mit einem schönen Abendhimmel.

Heute kam eine Freundin mit ihren Kindern, 5 und 8 Jahre alt, zum Puppenspielen und als Zuschauer. Wir spielten mit den Fingerpuppen und diesmal lief auch die Kamera, die ich mir nach Weihnachten zu diesem Zweck besorgt hatte.

Vorhin schaute ich mir das Material an. Gar nicht so schlecht dachte ich. Klar, wenn man hohe Maßstäbe anlegt, dann ist das nichts besonderes. – Doch was soll das eigentlich, dass ich das was ich tue kritisiere und meine ich müsste irgendwelchen hohen Ansprüchen gerecht werden!! Mein Leben lang wollte ich in dem, was ich tat besonders gut sein und schaffte es nicht. Aus irgendeinem Grund dachte ich, dass es sich nur lohnt etwas zu tun, wenn ich darin besonders gut wäre. Etwas Mittelmäßiges hätte keine Berechtigung.

Als ich an der Uni Kunst studierte, dachte ich das das, was ich machte, nichts wäre, im Vergleich zu dem Können der anderen Kunststudenten. Immer wieder sah ich Jemanden, der besser war und dessen Können mich erblassen lies. Das ich beim ersten Mal die Aufnahmeprüfung bestanden hatte, während es Andere mehrere Male versucht hatten, wollte mir das nicht als Beweis genügen, dass ich so schlecht nicht sein konnte. All die verschiedenen Stile konnte man eigentlich nicht vergleichen. Jeder hatte seine Art sich künstlerisch auszudrücken, die kein Anderer hatte. Alles war auf seine Art, schön und wertvoll.

Es wird immer Menschen geben, die besser sein werden als ich.

Jedoch wird niemals jemand genau so sein wie ich.

Das was ein Mensch macht und ist, ist immer einzigartig. Es ist nicht zu kopieren.

Diese Erkenntnis sollte eigentlich genügen das zu tun, was man tut. Egal ob es mittelmässig ist, egal wie es andere bewerten. Es wird immer Kritiker geben, die das, was man tut, versuchen schlecht zu machen. Sie haben ihre eigenen Gründe dafür. Und Recht machen kann man es auch nie allen. Was zählt ist die Freude und der Spaß an dem, was man tut. Das ist es, was man an die Welt weitergibt und was die Welt heilt. Wir brauchen nicht noch mehr Kritik und Gemecker! Das können wir Menschen schon gut genug. Wertschätzung und Anerkennung, die Freude am Sein spüren, das ist es, was Menschen brauchen.

Jeder tut, was er tut auf seine Weise. Das zu kritisieren, schlecht zu machen oder hohe Maßstäbe anzulegen ist selten förderlich. Wertschätzung und Anerkennung lässt einen Menschen aufblühen und sich wohl fühlen. Aus diesem Gefühl heraus erwächst neues Tun und ein weiterer Beitrag.

Kritik und Schlechtmacherei führen eher dazu, dass sich ein Mensch sich in sich zurückzieht und gar nichts mehr machen möchte.

So sehe ich das und es beruht auf meiner Erfahrung. Es mag Menschen geben, die sich gerade durch negative Kritk angespornt fühlen….doch ich denke die Mehrheit der Menschen fühlt sich durch Anerkennung und Wertschätzung angespornt und nicht durch negative Kritik und hohe Ansprüche.

Eine Krankheit der Gesellschaft sehe ich darin, dass es Mode geworden ist andere fertig zu machen, nieder zu machen und das, was sie tun zu zerreissen. Es gibt viele Sendungen im Fernsehen in denen dies Usus ist. Nur wer als Superstar benannt wird, ist es wert gehört zu werden. Was ist mit all den vielen Menschen die gerne singen, sollen die nun nicht mehr singen, weil sie irgendwelchen Ansprüchen nicht genügen? Eine kleine Geschichte dazu: Als ich in die zweite Klasse der Grundschule ging, hatten wir eine Aufführung mit der Klasse. Bei der Probe von Liedern zur Aufführung meinte meine Lehrerin zu hören wie es aus der Ecke in der ich stand „brummte“. Neben mir stand ein kräftiger Junge und ich dachte eher, dass er das war, doch meine Lehrerin meinte ich würde brummen, zumal sie mich eh schon als unmusikalisch abgestempelt hatte. Ich sollte nicht mitsingen nur die Lippen bewegen. Das Brummen war nun nicht mehr zu hören. Von da an dachte ich, dass ich nicht singen kann und bewegte meist nur meine Lippen und war sehr ängstlich wenn wir Lieder sangen, dass ich falsch singen würde. Obwohl das schon lange her ist, habe ich heute noch Hemmungen vor anderen zu singen und schäme mich, weil ich denke es würde sich unangenehm anhören. Wenn ich einen Wunsch hätte für mein nächstes Leben, dann würde ich mir wünschen Tänzerin und Sängerin zu sein. Beides mache ich gerne und habe dennoch durch Erlebnisse in der Vergangenheit große Ängste „etwas falsch“ zu machen. DAS meine ich damit, wie hemmend Kritik sein kann. – Wäre es nicht förderlicher alle singen und es klingt eben mal schräg, doch die Kinder haben ihren Spaß dabei und mit der Zeit werden sie automatisch immer besser durch die Praxis, auch die vermeintlich „unmusikalischen“. Unmusikalisch bin ich nicht wie sich in den darauf folgenden Jahren zeigte, denn ich lernte Klavier, Flöte und Gitarre und spiele noch heute sehr gerne Klavier.  – Vielleicht gibt es auch gar keine unmusikalischen Menschen. Alles nur eine Frage der Ansprüche und Bewertungen.

Durch die überhöhten Ansprüche fügen wir uns und unseren Mitmenschen viel zu viel Leid zu. Meiner Meinung nach müsste da eine neue Sichtweise und Kultur her, die friedlicher und liebevoller ist. Sein und sein lassen. Anerkennen und wertschätzen.

559. Tag Bahnhof Göhrde

Wunderschön sonniger Tag. Der Bahnhof Göhrde im Schnee mit Eiszapfen! Unglaublich, dass der Zug durch das verschneite Schienenbett noch durch kommt.

Vom Bahnhof Göhrde geht die Zugverbindung über Lüneburg nach Hamburg. Der HVV Bereich geht noch bis zur Göhrde, was die Fahrt günstiger macht, als zum Bahntarif. Der ehemalige Bahnhof ist ein schönes altes Gebäude, das heute nicht mehr als Bahnhof dient, sondern eine Bildungsstätte für Gruppen ist. Die Räume sind schön gestaltet und sehr gepflegt. Einen Aufenthalt kann ich sehr empfehlen. Bis auf vier oder fünf Zugdurchfahrten am Tag, ist es sehr ruhig und angenehm, umgeben von Wald und Wiesen.

558. Tag Sonntag Valentinstag

Ein wunderschöner Tag. Endlich schien wieder die Sonne für einige Stunden und der Himmel war blau! Das tat so richtig gut. Ich machte einen Spaziergang durch den Schnee und die Oberfläche glitzerte in der Sonne wie tausende kleine Sternchen. Die Sonnenstrahlen lagen warm auf der Haut, die Vögel zwitscherten wie im Frühling.

Aus Australien erreichte mich ein Valentinstags Gruß per mail, von einem jüngeren Mann, der Frauen mit Bart gut findet!

Eine Freundin erzählte mir, von einem Gespräch mit einem Mädchen, die fünf Jahre alt ist und in meiner Nachbarschaft wohnt. Sie sprachen über mich und für das Mädchen war ich die mit der „Euter- Mütze“ – einer sternförmigen Mütze, die ich seit einigen Wochen trage – und der Bart war nicht das Widererkennungszeichen!

555. TAG

Gestern war ich ziemlich ko. Früh aufstehen, eine Stunde hin, eine zurück mit dem Bus. Den ganzen Tag unterwegs und unter vielen Leuten. Das ist generell anstrengend für mich. Aus diesem Grund wollte ich gerne auf dem Land leben und mehr in der Natur sein. Der Nachteil auf dem Land zu wohnen sind nun die stundenlangen Wege in die Stadt zu so einer Maßnahme. Mit einem eigenen Auto wäre es angenehmer, als im vollgestopften Bus.

Es hat auch gute Seiten, ich kann meine Ideen besprechen und bekomme Rückmeldung.

Seit Wochen schneit es immer weiter und der viele Schnee macht die Fahrt noch langwieriger und schwieriger, da viele Straßen glatt und voller Schnee sind, bis auf die Bundesstraße. Der Busfahrer war heute auch am Fluchen und ich glaube ihm wäre es ganz recht, wenn die Busse mal einige Tage nicht fahren würden und er eine Pause hätte. In den Dörfern, türmen sich am Straßenrand die vereisten Schneeberge und die Fahrbahnen sind mit einer Eis und Schneeschicht überzogen. Wenn dem Bus ein Auto entgegen kommt oder eins am Straßenrand parkt dann kommt der Bus nicht immer weiter….und muss erst mal hin und her rangieren oder so lange hupen, bis der Fahrer des parkenden Autos erscheint und dieses weg fährt.

Aus dem fahrenden Bus betrachte ich die weiß bedeckte Landschaft und mir kommt der Gedanke, dass dieses Jahr weniger Menschen an einer Winterdepression leiden müssten, als bei dem sonst üblichen grauen Schmuddelwetter.

Eins ist jedoch sicher: Wenn in diesem Jahr die ersten grünen Blätter, Knospen und Blüten zu sehen sein werden, dann werde ich es diesmal ganz sicher noch mehr schätzen als sonst und kann mir vorstellen, dass ich mich wie neu geboren fühlen werde! Allein die Vorstellung an den beginnenden Frühling lässt mich innerlich aufleben.

Da ich den ganzen Tag unterwegs bin sind in meiner Wohnung die Temperaturen auf 13 Grad im Schlafzimmer und 15 Grad im Wohnraum abgesunken! Ich heize jetzt schon einige Stunden, doch dauert es seine Zeit bis es wieder angenehm warm ist.

554. Tag Scheidung wegen Damenbart!

Heute bekam ich auf dem Blog von Brigitte von Ulrike einen link geschickt, der zu einem Artikel vom Hamburger Abendblatt führt, der heute erschienen ist: Darin wird von einem Mann berichtet, der sich von seiner Frau scheiden ließ, weil sie einen Bart hatte und schielte. Vor der Hochzeit konnte er das nicht sehen, da die Braut bis dahin verschleiert war.

Was für eine Geschichte!!

Da heiratet jemand eine Frau, die er nicht kennt und eigentlich auch nicht gesehen hat! Die Frau und ihre Familie machen dabei einen guten materiellen Gewinn. Der Mann….ist wieder solo….weil er ihren Anblick nicht ertragen hat? – Wie war wohl ihr Charakter? Da fällt mir ein, dass die Frauen im Orient öfters mal einen Bart haben….

Also ich bin nicht dafür, dass Menschen einfach so verheiratet werden.

Solche alten Strukturen sind uns hier fremd, dass eine Frau verheiratet wird mit jemandem, den sie nicht kennt und der sie nicht kennt – das Ganze vielleicht aus familiären oder materiellen Gründen….andere Kulturen – andere Sitten, Bräuche und Werte….- Nun, vor längerer Zeit gabs das in Europa auch….

Und passend zu dem Thema erreichte mich gerade ein Kommentar zu meinem Film auf youtube, mit der Bemerkung, dass ich nicht erwarten kann, dass mich einer flach legt, wenn ich einen Bart habe! („Yeh right should let them grow naturally but dont even think of getting laid“)

552. Tag

Seit heute gehe ich zu einer Maßnahme, die vom Arbeitsamt gefördert wird.

Es geht dabei darum Menschen, die arbeitslos sind und sich selbständig machen wollen zu unterstützen bei der Findung ihrer Ideen. Es werden dabei unter anderem Elemente aus dem Life work planning (LWP) eingesetzt, die ich ganz hilfreich finde und die ich vor einigen Jahren in einem LWP Kurs kennen lernte. Es gibt Coaching und man lernt Flyer und Visitenkarten und Websides am Computer zu machen. Eine sympatische Gruppe von ungefähr 20 Menschen.

Ich bin ganz froh diese Maßnahme entdeckt zu haben, denn meine Arbeitsvermittlerin hätte mir sowieso eine Maßnahme vorgeschlagen, wie ich jetzt weiß… und wer weiß wie die gewesen wäre…..denn nicht immer ist eine Maßnahme angenehm oder bringt wirklich was.

Ich hoffe und wünsche mir, dass die Maßnahme mir hilft meine vielen Ideen zu sortieren und die Stimmigste(n) zu realisieren….

Vor einigen Tagen sah ich mir den Film „Die Frau des Zeitreisenden“ an, der mir gut gefallen hat. An einer Stelle musste ich sehr lachen – vielleicht hätte ich mich auch angegriffen fühlen können, doch das Klischee war einfach zu lustig.

Es ging darum, dass die Frau eifersüchtig war…..folgender Dialog lief dann ab……(ca 44. Minute im Film)

Er: “ Ich war bei Dir auf der Wiese. Du warst eifersüchtig auf meine Frau.“

Sie: “ Das war ich. Ich habe versucht mir einzureden, du wärst mit einer Frau verheiratet, die fett ist und nen Bart hat.“

Er: “ Naja, ist ja auch mein Typ.“

Sie: lacht

….

Der Film gefällt mir gut. Diese Idee in der Zeit zu reisen und die Schauspieler sind angenehm, die beiden Mädchen gefielen mir auch gut…..Leider dann dieser Text darin. Die Frau hätte auch einfach sagen können eine hässliche Frau, darunter kann sich jeder vorstellen was er will. Doch dann wäre es nicht komisch gewesen.

Durch das Bild einer fetten Frau mit Bart entstand ein Moment der Komik, weil er sagte: ist ja auch mein Typ. Vielleicht ist die Vorstellung einer Frau mit Bart so unmöglich –  ist dem aktuellen Schönheitsideal genau entgegengesetzt und wird außerdem auch noch als nicht real gehalten, denn Frauen mit Bart gibt es nicht oder nur auf dem Jahrmarkt! Und über eine Frau mit Bart kann man lachen/muss man lachen, weil es einfach so „absurd“ aussieht.

Sicherlich hätte keiner im Drehbuch geschrieben, eine behinderte Frau, oder eine verkrüppelte Frau oder so etwas, denn das wäre als diskriminierend und gemein empfunden worden und wäre nicht zum Lachen gewesen. So etwas sagt man nicht, haben wir gelernt. Aber eine fette Frau, das entspricht nicht dem Schönheitsideal, die hat sich gehen gelassen ist nicht diszipliniert genug und eine mit Bart, die ist verwahrlost und hat sich auch gehen lassen, pfui!…..also etwas worüber man verächtlich reden kann. Oder?

548. Tag Selbstliebe

In einer Mail, die ich bekam, war folgender Text zum Thema Selbstliebe, der von Charlie Chaplin stammen soll. Ob dem wirklich so ist, weiß ich nicht, jedoch fanden sich im Internet weitere Seiten mit diesem Text und dem gleichen Quellenhinweis. Auf jeden Fall finde ich die Worte sehr lesenswert und inspirierend.

In einer Rede zu seinem 70. Geburtstag am 16. April 1959 sprach Charly
Chaplin von der Selbst-Liebe und davon, was diese Selbst-Liebe mit ihren
verschiedenen Facetten in seinem Leben bewirkte…

Als ich mich selbst zu lieben begann

Als ich mich selbst zu lieben begann, habe ich verstanden, dass ich
immer und bei jeder Gelegenheit zur richtigen Zeit am richtigen Ort
bin und dass alles, was geschieht, richtig ist – von da an konnte
ich ruhig sein.Heute weiß ich: Das nennt man VERTRAUEN.

Als ich mich selbst zu lieben begann, konnte ich erkennen, dass
emotionaler Schmerz und Leid nur Warnungen für mich sind, gegen
meine eigene Wahrheit zu leben. Heute weiß ich: Das nennt man
AUTHENTISCH SEIN.

Als ich mich selbst zu lieben begann, habe ich aufgehört, mich nach
einem anderen Leben zu sehnen, und konnte sehen, dass alles um mich
herum eine Aufforderung zum Wachsen war. Heute weiß ich: Das nennt
man REIFE.

Als ich mich selbst zu lieben begann, habe ich aufgehört, mich
meiner freien Zeit zu berauben, und ich habe aufgehört, weiter
grandiose Projekte für die Zukunft zu entwerfen. Heute mache ich
nur das, was mir Spaß und Freude macht, was ich liebe und was mein
Herz zum Lachen bringt, auf meine eigene Art und Weise und in
meinem Tempo. Heute weiß ich: Das nennt man EHRLICHKEIT.

Als ich mich selbst zu lieben begann, habe ich mich von allem
befreit, was nicht gesund für mich war, von Speisen, Menschen,
Dingen, Situationen und von Allem, das mich immer wieder
hinunterzog, weg von mir selbst. Anfangs nannte ich das „Gesunden
Egoismus“, aber heute weiß ich: Das ist SELBSTLIEBE.

Als ich mich selbst zu lieben begann, habe ich aufgehört, immer
recht haben zu wollen, so habe ich mich weniger geirrt. Heute habe
ich erkannt: Das nennt man DEMUT.

Als ich mich selbst zu lieben begann, habe ich mich geweigert,
weiter in der Vergangenheit zu leben und mich um meine Zukunft zu
sorgen. Jetzt lebe ich nur noch in diesem Augenblick, wo ALLES
stattfindet, so lebe ich heute jeden Tag und nenne es BEWUSSTHEIT.

Als ich mich zu lieben begann, da erkannte ich, dass mich mein
Denken armselig und krank machen kann. Als ich jedoch meine
Herzenskräfte anforderte, bekam der Verstand einen wichtigen
Partner. Diese Verbindung nenne ich heute HERZENSWEISHEIT.

Wir brauchen uns nicht weiter vor Auseinandersetzungen, Konflikten
und Problemen mit uns selbst und anderen zu fürchten; denn sogar
Sterne knallen manchmal aufeinander, und es entstehen neue Welten.
Heute weiß ich: DAS IST DAS LEBEN!

547. Tag

Viel Schnee. Die Straßen sind weiß und vereist. Die Busse im Landkreis fahren auch nur noch auf den Hauptstraßen.

Bin noch am Einrichten der neuen Wohnung und fühle mich wohl. In der Nachbarschaft wohnen angenehme Menschen. Die Wohnung bewohne ich alleine. Genau wie ich es mir wünschte. Das Thema Bart ist bei weitem nicht mehr so interessant für mich, wie noch vor über einem Jahr und es gibt selten etwas dazu zu sagen. Im Moment schreibe ich viel, denke nach und bereite mich auf Neues vor.

Ein Job ist noch nicht in Aussicht.