561. Tag Einzigartigkeit

Wieder ein sonniger Tag mit einem schönen Abendhimmel.

Heute kam eine Freundin mit ihren Kindern, 5 und 8 Jahre alt, zum Puppenspielen und als Zuschauer. Wir spielten mit den Fingerpuppen und diesmal lief auch die Kamera, die ich mir nach Weihnachten zu diesem Zweck besorgt hatte.

Vorhin schaute ich mir das Material an. Gar nicht so schlecht dachte ich. Klar, wenn man hohe Maßstäbe anlegt, dann ist das nichts besonderes. – Doch was soll das eigentlich, dass ich das was ich tue kritisiere und meine ich müsste irgendwelchen hohen Ansprüchen gerecht werden!! Mein Leben lang wollte ich in dem, was ich tat besonders gut sein und schaffte es nicht. Aus irgendeinem Grund dachte ich, dass es sich nur lohnt etwas zu tun, wenn ich darin besonders gut wäre. Etwas Mittelmäßiges hätte keine Berechtigung.

Als ich an der Uni Kunst studierte, dachte ich das das, was ich machte, nichts wäre, im Vergleich zu dem Können der anderen Kunststudenten. Immer wieder sah ich Jemanden, der besser war und dessen Können mich erblassen lies. Das ich beim ersten Mal die Aufnahmeprüfung bestanden hatte, während es Andere mehrere Male versucht hatten, wollte mir das nicht als Beweis genügen, dass ich so schlecht nicht sein konnte. All die verschiedenen Stile konnte man eigentlich nicht vergleichen. Jeder hatte seine Art sich künstlerisch auszudrücken, die kein Anderer hatte. Alles war auf seine Art, schön und wertvoll.

Es wird immer Menschen geben, die besser sein werden als ich.

Jedoch wird niemals jemand genau so sein wie ich.

Das was ein Mensch macht und ist, ist immer einzigartig. Es ist nicht zu kopieren.

Diese Erkenntnis sollte eigentlich genügen das zu tun, was man tut. Egal ob es mittelmässig ist, egal wie es andere bewerten. Es wird immer Kritiker geben, die das, was man tut, versuchen schlecht zu machen. Sie haben ihre eigenen Gründe dafür. Und Recht machen kann man es auch nie allen. Was zählt ist die Freude und der Spaß an dem, was man tut. Das ist es, was man an die Welt weitergibt und was die Welt heilt. Wir brauchen nicht noch mehr Kritik und Gemecker! Das können wir Menschen schon gut genug. Wertschätzung und Anerkennung, die Freude am Sein spüren, das ist es, was Menschen brauchen.

Jeder tut, was er tut auf seine Weise. Das zu kritisieren, schlecht zu machen oder hohe Maßstäbe anzulegen ist selten förderlich. Wertschätzung und Anerkennung lässt einen Menschen aufblühen und sich wohl fühlen. Aus diesem Gefühl heraus erwächst neues Tun und ein weiterer Beitrag.

Kritik und Schlechtmacherei führen eher dazu, dass sich ein Mensch sich in sich zurückzieht und gar nichts mehr machen möchte.

So sehe ich das und es beruht auf meiner Erfahrung. Es mag Menschen geben, die sich gerade durch negative Kritk angespornt fühlen….doch ich denke die Mehrheit der Menschen fühlt sich durch Anerkennung und Wertschätzung angespornt und nicht durch negative Kritik und hohe Ansprüche.

Eine Krankheit der Gesellschaft sehe ich darin, dass es Mode geworden ist andere fertig zu machen, nieder zu machen und das, was sie tun zu zerreissen. Es gibt viele Sendungen im Fernsehen in denen dies Usus ist. Nur wer als Superstar benannt wird, ist es wert gehört zu werden. Was ist mit all den vielen Menschen die gerne singen, sollen die nun nicht mehr singen, weil sie irgendwelchen Ansprüchen nicht genügen? Eine kleine Geschichte dazu: Als ich in die zweite Klasse der Grundschule ging, hatten wir eine Aufführung mit der Klasse. Bei der Probe von Liedern zur Aufführung meinte meine Lehrerin zu hören wie es aus der Ecke in der ich stand „brummte“. Neben mir stand ein kräftiger Junge und ich dachte eher, dass er das war, doch meine Lehrerin meinte ich würde brummen, zumal sie mich eh schon als unmusikalisch abgestempelt hatte. Ich sollte nicht mitsingen nur die Lippen bewegen. Das Brummen war nun nicht mehr zu hören. Von da an dachte ich, dass ich nicht singen kann und bewegte meist nur meine Lippen und war sehr ängstlich wenn wir Lieder sangen, dass ich falsch singen würde. Obwohl das schon lange her ist, habe ich heute noch Hemmungen vor anderen zu singen und schäme mich, weil ich denke es würde sich unangenehm anhören. Wenn ich einen Wunsch hätte für mein nächstes Leben, dann würde ich mir wünschen Tänzerin und Sängerin zu sein. Beides mache ich gerne und habe dennoch durch Erlebnisse in der Vergangenheit große Ängste „etwas falsch“ zu machen. DAS meine ich damit, wie hemmend Kritik sein kann. – Wäre es nicht förderlicher alle singen und es klingt eben mal schräg, doch die Kinder haben ihren Spaß dabei und mit der Zeit werden sie automatisch immer besser durch die Praxis, auch die vermeintlich „unmusikalischen“. Unmusikalisch bin ich nicht wie sich in den darauf folgenden Jahren zeigte, denn ich lernte Klavier, Flöte und Gitarre und spiele noch heute sehr gerne Klavier.  – Vielleicht gibt es auch gar keine unmusikalischen Menschen. Alles nur eine Frage der Ansprüche und Bewertungen.

Durch die überhöhten Ansprüche fügen wir uns und unseren Mitmenschen viel zu viel Leid zu. Meiner Meinung nach müsste da eine neue Sichtweise und Kultur her, die friedlicher und liebevoller ist. Sein und sein lassen. Anerkennen und wertschätzen.

2 thoughts on “561. Tag Einzigartigkeit

  1. ohja die sätze der kindheit die alles zunichte machen
    und es sind nicht mal böswillige oft nur gedankenlose
    in einem film übers jodeln habe ich den satz gehört
    *jeder tönt anders und das hat seine berechtigung*
    das klang so gut
    diese bösen sätze entstehen im alltagsdruck
    wie du sagst wir brauchen einen alltag in dem jeder angenommen wird wie er ist
    lg birgit

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