565. Tag

Sonniger Sonntag und Tauwetter. Die Eisschollen am Boden sind immer noch 40 cm und dicker. Dachlawinen donnerten die letzten Tage von den Dächern.

Und ich bin froh, dass Wochenende ist. Genieße es mir die Zeit frei einteilen zu können. – Während der Woche, in der Maßnahme in Lüneburg, beschäftigte ich mich damit meinen Lebenslauf zu erstellen. Die übliche Art Lebensläufe zu schreiben ist ziemlich „langweilig“ und um so mehr freute ich mich, als mir unkonventionelle Lebensläufe als Anregung gezeigt wurden. Was da alles möglich ist! So einen wirklich authentischen und persönlichen Lebenslauf zu erstellen kann richtig Spaß machen.

Ich erinnere mich an einen Kommentar vor einigen Monaten, in dem jemand sagte, dass es doch normal sei sich zu verstellen, um einen Job zu bekommen. Wenn ich mich verstelle, dann ist die Wahrscheinlichkeit, dass der Job nicht passt groß. Die ersten Wochen komme ich vielleicht noch damit durch, irgendwann geht das nicht mehr. Bin ich authentisch, und bekomme den Job, dann kann ich davon ausgehen, dass es gut passt.

Da mein Lebenslauf ziemlich lang ist, ich verschiedene Jobs und Ausbildungen gemacht habe, ist es etwas mühsehlig, das alles zu sortieren und auszuwählen, was denn nun relevant ist und was ich weglassen kann, damit es nicht zu viel zu lesen wird.

Damit werde ich mich in der nächsten Woche beschäftigen. Ich habe einige Ideen was ich anbieten kann und werde  Konzepte schreiben und Flyer entwerfen.

Heute kamen die Nachbarskinder und spielten mit den Puppen und Handpuppen ein Theaterstück vor. Dabei zeigten sie mir wie einfach das sein kann. Ich weiß auch nicht warum ich immer wieder Angst davor habe. Es hat vielleicht auch damit zu Tun, dass ich damit Geld verdienen will und Ansprüche habe, an mich und die Zuschauer. Wenn ich Geld verlange, dann will ich, dass die Zuschauer auch zufrieden sind mit der Qualität, dessen was sie geboten bekommen. Ansprüche können die Kreativität ziemlich hemmen. Kinder machen einfach. Die denken nicht über Qualität nach. Es ist selbstverständlich, dass es den Zuschauern gefallen wird. Hier passt der Spruch: Werdet wieder wie die Kinder. Einfach machen und nicht urteilen! –

Zufrieden sind die Zuschauer des Fernsehprogramms auch nicht immer. Selbst noch so gute Filme, die vielen Menschen gefallen werden von Anderen kritisiert und abgewertet. Der Wunsch, dass mein Puppenspiel allen Zuschauern gefällt und ich alle zufrieden machen kann, ist ziemlich utopisch! Also übe ich mich darin Ansprüche runter zu schrauben und Erwartungen, damit ich ins Tun komme und nicht in der Angst vor dem Versagen stecken bleibe.

Aus Erfahrung weiß ich dass, wenn ich mal am Machen bin, und es Routine geworden ist, dann ist die Angst auf einmal weg und ich kann mich noch nicht mal mehr daran erinnern, dass ich davor Angst hatte.

Die Kinder waren heute gerne da und bedauerten, dass ich nicht für immer hier wohnen bleiben kann. Für mich war ihr Besuch eine große Bereicherung und ich war sehr dankbar dafür. Ihre Unbefangenheit zu spielen tat mir richtig gut und gab mir neuen Mut selbst mit den Puppen zu spielen.

3 thoughts on “565. Tag

  1. Ach, warum Ansprüche und Erwartungen herunterschrauben? Irgendwelche Ängste werden von diesen Ansprüchen und Erwartungen ausgelöst. Also Ansprüche und Erwartungen als Symptome, Ängste als Ursache. Ergo: Ängste analysieren und dann ein Programm entwickeln wie MIT den Ängsten gearbeitet werden kann. Ängste hemmen tatsächlich die Kreativität. Ansprüche und Erwartungen – befreit von Ängsten – begflügeln die Kreativität. Anspruch und Erwartung als der „ultimative Kick“.

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  2. Da muss ich mal drüber nachdenken. So ganz verstehe ich das noch nicht. Hast Du damit Erfahrung? Oder bist Du Therapeutin?

    Ich denke wenn ich ins Machen komme dann werden die Ängste sich auflösen. Nachzudenken und nichts zu tun schürt nur noch mehr Ängste. Und um zu beginnen, dachte ich klein zu beginnen. Nicht so viel zu wollen. Einfach spielen und Spaß haben, egal in welcher Qualität. Steigern kann ich das dann immer noch.

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  3. Hier meine Antwort: Ausbildung, Weiterbildung und Erfahrung ja, Therapeutin nein (bzw. wir arbeiten in einem sehr eng begrenzten privaten Bereich aufgrund unserer Aus- und Weiterbildungen therapeutisch), bin allerdings im ständigen Austausch mit Therapeuten div. Richtungen. – Was Du über Deine therapeutischen Erfahrungen berichtest (Heilpr.) – ich habe nicht alles auf Deinen Seiten gelesen – das hat mich v.d. Therapeuten nicht überzeugt.

    -> Du steckst in einer Situation, in der es für andere sehr sehr leicht!! ist, ihr eigenes problematisches und unaufgearbeitetes Unbewußtes auf Dich zu übertragen!! Die meisten gehen zu sehr von sich aus, anstatt sich in Deine Situation zu versetzen und von da aus zu denken und zu handeln.

    Zu Deiner obigen Antwort: „….egal in welcher Qualität“: das gilt für den privaten Bereich und Flohmärkte, wo man von den Einnahmen auch nicht unbedingt leben muß – aber im professionellen, pädagogischen Bereich ist man damit schnell weg vom Fenster. Wenn man sich erst an diesem Punkt steigert, dann ist es schon fast zu spät, dann hat man schon ziemlich „verspielt“ (= denn die „Arbeitgeber“ stehen ja in Kontakt und Austausch miteinander). Es gibt z.B. an Schauspielschulen den (anspruchsvollen) Ausbildungsgang „Puppenspieler“.

    Wenn schon Therapeutin, dann würde ich Dich an dieser Stelle fragen: Welches Ziel hast Du 1. und 2. wie willst/könntest Du es erreichen. – Z.B. wenn Dir „einfach spielen und Spaß haben“ zum Leben und Überleben reicht: dann ist das vollkommen ok so. Wenn es nicht reicht, dann wird Plan B ausgefeilt usw.

    Zu den Ängsten: sie lösen sich normalerweise durchs Machen nicht auf – sie treten höchstens für eine zeitlang in den Hintergrund. Das ist einfach eine psych. Tatsache: egal, ob wir mit dieser Tatsache einverstanden sind oder nicht.

    Das bedeutet: wenn wir uns über unsere Ängste klar werden wollen, dann kommen wir nicht umhin, uns mit ihnen auseinanderzusetzen. Das ist i.d.R. ein äußerst schmerzhafter Prozeß und kann ohne Therapeut gefährlich für einen sein.

    „Nachzudenken und nichts zu tun schürt nur noch mehr Ängste“ -> das könnte (könnte!) bereits der Anfang/Einstieg in die Bearbeitung/Auseinandersetzung/Lösung des Themas „Angst“ sein.

    Es ist eben auch hier die ganz persönliche Frage an einen selber: inwieweit leide ich unter Ängsten, die mich terrorisieren und will sie auflösen bzw. inwieweit lebe ich ganz gut mit Ängsten. Aber man muß sich eben klar darüber werden, daß Ängste keine Kompromisse kennen. D.h.: sich zu sagen, ich werde ein sehr gutes, selbstbestimmtes Leben führen und dabei verschwinden meine Ängste von alleine – damit sind wir wieder an dem Punkt: man kann sich das 1000 x täglich sagen: aber es ist nicht die Wahrheit und es wird damit auch nicht zur Wahrheit (für einen selber).

    Nochmal zum beruflichen Background: man hat eine schier unendliche Verantwortung für das, was man dem anderen sagt!!! Deshalb habe ich selber mir auch sehr sehr lange überlegt, ob ich mich bei Dir einklinke. Denn auf gar keinen Fall möchte ich Dir Scherben hinknallen und Dich dann in diesem Scherbenhaufen sitzen lassen.

    Ich bin übrigens noch bis 1.3. erreichbar. Dann bin ich für 3 Monate auf Reisen in Vorderasien, ohne Internet, ohne Mail, ohne postalische Verbindung, nur ausgestattet mit einem Handy für „interne notfälle“.

    Hezrliche Grüße – Deine Antwort auf meinen Kommentar hat mich übrigens gefreut! – C.

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