N.O.Body von Pauline Boudry und Renate Lorenz

Pauline Boudry und  Renate Lorenz sind zwei Künstlerinnen, die im Jahre 2008 eine Installation mit einem 15 minütigen Film ausstellten, die die Bärtige Frau zum Thema hatte.

ZITAT:

„Pauline Boudry / Renate Lorenz
Installation mit Film (16 mm. /DVD 15 min) und  47 Photographien, 2008

Digi Zeigt Dia

Der Film und die Installation ‚N.O. Body’ enstanden aus einer Recherche zur Arbeit Magnus Hirschfelds, der so genannten ‚Zwischenstufentheorie’. 1930 stellte er seiner Veröffentlichung zur Geschlechtskunde ein weiteres, dickeres Buch, zur Seite: ‚Geschlechtskunde, Bilderteil‘. Dieses Buch zeigt auf über 800 Seiten ausschließlich Photographien und Zeichnungen von Menschen in Drag, von welchen, die in den Kleidern des andern Geschlechts ‚passen’ / durchgehen, von Fetischist_innen und SM-Szenarien, von Uniformliebe, gleichgeschlechtlichen Paaren oder auch von Tieren, die als ‚Zwitter’ bezeichnet wurden. Photographie nahm für ihn einen großen Stellenwert hinsichtlich der Kommunikation seiner Theorien und ihrer Evidenz ein: Hirschfelds wissenschaftliche Vorträge waren gewöhnlich von einer Dia-Präsentation begleitet.

Der Film reinszeniert eine Photographie der ‚bearded lady‘ Annie Jones: Annie Jones lebte in den USA zwischen 1865 und 1902 und war eine der berühmtesten Bartdamen ihrer Zeit. Schon mit neun Monaten war ihr Gesicht mit Haaren bedeckt, sie wurde von Zirkus Barnum unter Vertrag genommen und als ‚Freak’ zunächst in einem Museum präsentiert. Diese Photographie von Annie Jones durchquerte zwei unterschiedliche Kontexte: Sie wanderte von der Freak Show im Zirkus Barnum, wo sie sich gegen Bezahlung als ‚Wunder’ oder als ‚verblüffend’ präsentierte, in das medizinische Theater, wo sie im Buch Hirschfelds als potentieller ‚Patient’ gezeigt wurde. Dieser Wandel vom ‚Wunder’ zur Objektivierung in der Medizin markiert zugleich das Wichtiger-Werden der Moderne und der Aufklärung. Die Photographie bewegte sich vom Freak-Diskurs in den medizinischen Diskurs und trug so die Geschichte einer historischen Veränderung in der Repräsentation und Abwertung von Differenz und der an sie geknüpften Praktiken mit sich.

Was geschieht in der Produktion von Normalität und Devianz, so fragt der Film N.O. Body, wenn das ‚Objekt des Wissens’ sich auch die Position der Wissensproduzent_in aneignet, zu lachen beginnt und die Geschichte der Wissensproduktion noch einmal aufrollt?“

Zu der Installation ist ein Katalog erschienen, der beim Kölnischen Kunstverein erhältlich ist.

Weitere Fotos und Informationen auf der Webseite von Pauline Boudry und Renate Lorenz

WER WAR N.O.Body? Das Pseudonym von Karl M. Baer in Wikipedia steht einiges…

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