694. Tag Was ist denn nun Normal?

In den vergangenen Tagen kamen einige „bemerkenswerte“ ist eigentlich das falsche Wort…eher vielleicht könnte man sagen dumme Kommentare hier auf dem Blog an. Für manche Menschen ist es mehr als unverständlich, wie eine Frau mit Bart herumlaufen kann.

Wie wichtig doch das Äußere in unserer Gesellschaft ist. Und wie überzeugt so mancher davon ist genau zu wissen, WIE eine FRAU und WIE ein MANN auszusehen haben! – DAS IST NICHT NORMAL!

Was ist nicht normal? –  Das was ich NICHT täglich sehe ist NICHT NORMAL. Das, was meinen Vorstellungen nicht entspricht ist nicht normal. NUR DAS WAS ICH ALS RICHTIG empfinde, nur das, was in mein Weltbild passt ist normal und somit gut und richtig?!

„Du musst doch ein normales Leben führen!“ höre ich auch von meiner Mutter. – Das WAS ALLE MACHEN, das ist normal. Gibt es überhaupt „das was alle machen“? Es gibt vielleicht eine Menge Menschen, die ähnlich leben – doch alle Menschen? Da gibt es immer noch eine ziemliche Vielfalt an Lebensweisen, wenn man sich die Menschheit auf der gesamten Erde betrachtet.

Soll doch jeder so leben, wie es ihm gut tut. – Vielleicht ist es beängstigend für manche Menschen, wenn es Menchen gibt, die durch ihre Lebensweise, oder ihr Geschlecht, z.B. ein Zwischengeschlecht, oder ihre sexuelle Orientierung, indirekt, ohne es zu beabsichtigen, das Leben derer, die „normal“ leben, in Frage stellen. Zumindest scheinen sich Einige dadurch angegriffen zu fühlen oder verängstigt, verwirrt oder agressiv zu reagieren. Vielleicht ist ihr Bestreben alles „ganz richtig“ zu machen…..doch da gibt es kein Patentrezept. Jeder hat seinen Weg und der kann ziemlich abweichen von dem der Anderen….und das heißt nicht, dass er falsch oder schlecht ist! – Ich mache auf meinem Weg die Erfahrungen, die ich machen möchte, die für mich sind, damit ich daran wachse.

Fähre von Wischhafen nach Glückstadt

Samstagnachmittag wollte ich mit der Fähre von Wischhafen nach Glückstadt über die Elbe. Als ich in Glückstadt ankam,  erwartete mich eine lange Schlange von Autos und Motorrädern. Eineinhalb Stunden dauerte es, bis ich schließlich auf der anderen Seite war! Kostete 12 Euro und ich dachte für das Geld und die Zeit hätte ich auch den Umweg über Hamburg machen können, um in die Nähe von Kaltenkirchen zu kommen, wo ich eine Freundin besuchen wollte. War trotzdem sehr schön über die Elbe zu fahren. Wunderschönes Wetter und tolle Landschaft!

In Glückstadt angekommen begrüßten lauter Gummiplastikenten die Fähre am Steg!!

691. Tag Bremerhaven nach Cuxhaven

Viel gesehen und erlebt in den letzten Tagen, leider war es nicht möglich zu schreiben, da ich keine Internetcafes fand, oder sie gerade zu hatten.

In Bremerhaven, als ich den letzten Eintrag machte, kam ich aus dem Restaurant heraus auf die Straße und die ganze Innenstadt tobte! Überall jubelten die Menschen, hielten die Deutschlandfahne hoch, Autos hupten, die Polizei war dabei den Verkehr zu kontrollieren und eine Teil einer Straße, in dem ich geparkt hatte war gesperrt! Doch ich kam zum Glück noch raus mit dem Auto.

Fuhr los und suchte mir einen Schlaf-Standplatz für die Nacht. Ganz Bremerhaven ist Nachts so gut beleuchtet, dass es in allen Straßen hell ist. Keine Chance für Camper, irgendwo unbemerkt zu stehen. Auf meiner Reise traf ich immer wieder auf Parkplätze wo explizit mit einem Schild Wohnmobile verboten waren! Stellen für Camper zum Übernachten gab es, allerdings meist gegen Bezahlung von mindestens 10 Euro und mehr! Ein Zigeunerleben wie früher ist in Deutschland nicht mehr möglich! Jedenfalls nicht in touristischen Gegenden wie an der Nordsee um Bremerhaven und Cuxhaven.

Ich fand einen Platz zum Übernachten etwas außerhalb auf einem Parkplatz, auf dem es so schrecklich nach Fäkalien roch, dass ich nach einer Stunde wieder weiter fuhr, um einen besseren Platz unter Bäumen zu finden.

Das Schöne am Unterwegssein ist für mich das Übernachten in der Natur, alleine unter großen Bäumen zu stehen und mit der Umgebung zu verschmelzen. Campingplätze und Parkplätze für Wohnmobile finde ich dagegen gruselig. Da steht man dicht an dicht gedrängt, wie Sardinen in der Büchse. Da ist von Naturerlebnis keine Spur. Die Wohnmobile von heute sind fast alle Hightechmobile mit Satelittenschüssel und Fernsehen, da komme ich mir vor, wie in einer Hochhaus- oder Neubausiedlung….da kann ich auch zu Hause bleiben, da ist es ruhiger. Als ich in Cuxhaven ankam, hatten die Ferien in Bremen und Niedersachsen gerade begonnen, und auf den Campingplätzen sah es wie eben beschrieben aus. In Cuxhaven ist es mit Wohnmobil auch nicht möglich außerhalb von Campingplätzen über Nacht zu stehen. Die Polizei fährt Kontrolle mit vielen Wagen.

Parkplätze haben heutzutage nur noch selten Mülleimer! Es stehen Schilder dort, die darauf hinweisen, dass man seinen Müll wieder mitnehmen soll! Alles kostet was: das Pinkeln, das Müll machen, das Duschen, der Strom…..man braucht viel Geld, um heutzutage zu campen. Einst war es eine sehr günstige Möglichkeit Urlaub zu machen. Ich kann es auch verstehen, die Gebühren für Wasser, Abwasser und Müll sind enorm gestiegen…..verständlich und doch auch schade finde ich, dass alles so reglementiert und geordnet zugeht.

Früher ging es doch auch anders…..vielleicht waren weniger Menschen unterwegs?

Ich schaute mir Bremerhaven, Bad Bederkesa, Cuxhaven und Otterndorf und andere kleine Orte an. Kaufte am Samstag die Zeitung und schaute nach Jobs und Wohnungen….wurde nicht fündig…und habe mehr oder weniger beschlossen, den kommenden Monat im Wohnmobil zu wohnen.

Seit ich herumfahre geht es mir besser, als in der Wohnung. In mir steckt wohl eine Nomadin und zudem liebe ich die Freiheit und Weite.

Ich merke wie sich Gedanken breit machten von: ich bin nicht normal, mit mir stimmt was nicht, denn ich will mich nicht festlegen auf einen Ort oder einen Job, ich liebe die Abwechslung und das Reisen, aber das ist ja nicht normal…GIBT es überhaupt DEN NORMALEN MENSCHEN?! Dieser Versuch „normal“ zu sein, beraubt mich und vermutlich auch andere Menschen so vieler Möglichkeiten und Kreativitäten! Wie würden Sie leben, wenn Sie nicht denken würden: Sowas macht man nicht. Das ist nicht normal. Das geht nicht….usw.

Will ich überhaupt „normal“ sein? Die Sehnsucht irgendwo dazu zu gehören, Bezug zu anderen Menschen und Freunden zu haben, die mir was bedeuten und mit denen ich etwas gemeinsam habe, die ist auch bei mir da. Die hat vermutlich jeder. So ganz alleine zu sein…immerzu…da fehlt mir das Gegenüber, der Spiegel…..das ist es auch nicht. Aber muss ich „normal“ sein, und angepasst, damit ich irgendwo dazu gehöre?! NEIN.  Gibt ja schließlich noch mehr „Andersdenkende“ nicht angepasste Menschen auf der Welt.

Dann traf ich gestern eine Frau, die Mitten im Leben steht, einer festen gut bezahlten Arbeit nachgeht und zu ihren Ängsten und Fähigkeiten steht. Erstaunlich fand ich, dass wir genau entgegengesetzte Ängste und Stärken haben! Während ich Angst habe vor etwas Festem, Stabilen, für immer an einem Ort zu sein, hat sie Angst vor dem Reisen und Unstabilen, davor alleine mit einem Wohnmobil umher zu reisen, und fühlt sich wohl an dem Ort, an dem sie nun schon seit mehr als der Hälfte ihres Lebens lebt und arbeitet, um nur ein Beispiel zu nennen. Es war eine interessante, wohltuende Begegnung die mir zeigte wie unterschiedlich wir Menschen sind, ein jeder mit seinen Stärken und Schwächen, die dienlich sind, damit wir unseren Weg gehen und keinen anderen Weg. Jeder geht seinen Weg so gut er kann und damit tut er seinen Job. Jedes Vergleichen führt nur zu Verwirrung und Schmerz, denn alles ist gleich gut und wertvoll. Es gibt kein Besser oder Schlechter.

In meiner Vergangenheit war ich ständig damit beschäftigt mich mit anderen zu vergleichen, (Schulnoten, Wettbewerbe, Medien, TV etc. und Bemerkungen der Eltern tragen auch dazu bei sich selbst mit anderen zu vergleichen). Es verunsicherte mich.  Zu verstehen das allesm was ich tue ok ist und „gut“ ist, auch wenn es Menschen gibt die das „besser“ machen könnten, das stärkt und hilft bei sich zu bleiben und zu tun was zu tun ist. Um den eigenen Weg zu gehen und in sich selbst zu vertrauen.

Cuxhaven Strand in Duhnen

In Cuxhaven hatte ich das Gefühl endlich angekommen zu sein. Hier fühlte ich mich wohl. Ein Spaziergang am Strand erfüllte mich mit Freude, der Wind, die Sonne der Sand und das recht klare Wasser erfüllten mich mit Freude. Immer wieder auf meiner Reise stellte ich fest, dass ich mich glücklich fühle wenn ich Sandboden unter den Füßen habe. Wind mir ins Gesicht weht, der Himmel blau ist und die Sonne scheint und ich in die Weite schauen kann.

687. Tag Bremerhaven

So jetzt sitze ich endlich in einem Restuarant mit Internet. Das war vielleicht schwer heute eins zu finden. Ich fuhr die letzten Tage von Bremen über Worpswede und viele kleine Orte in der Umgebung. In Worpswede gab es Internet in einer Suppenbar. Sehr nett. Heute kam ich nach Osterholz- Scharnbeck, wo erst niemand wusste, wo es Internet gab, auch nicht die Touristeninformation….bzw. waren sich fast alle nicht ganz sicher ob es vielleicht am Bahnhof eins gäbe….schließlich fand ich es in einem Spielcasino. Verraucht. Nachdem ich das Geld eingeworfen hatte, ging die Maus nicht mehr und somit das Internet nicht….und das Geld wurde mir auch nicht erstattet, da der Laden damit nichts zu tun hatte, sondern ein externer Techniker….Ärgerlich…

Mein Weg führte mich weiter über Ritterhude, auch kein Internet auf die Schnelle zu finden –  dann nach Bremerhaven. Hier sitze ich jetzt in einem schönen spanischen Restaurant „Bodega“ mit WLAN – in dem gleich auf der Großbildleinwand das Fussballspiel gezeigt werden wird… alle Plätze sind belegt und reserviert!! Das Restaurant ist gut, und es ist wesentlich angenehmer hier zu surfen, als in einem verqualmten Spielcasino!

Worpswede und Umgebung haben mir sehr gut gefallen. In Worpswede gab es auch freie Wohnungen…in der Umgebung schöne Häuser und hübsche Wohngegenden, wenn man das nötige Kleingeld hat….

Nach der ersten Faszination denke ich eine Stadt wie Bremerhaven oder Bremen wäre sinnvoller, um für meine Angebote genug Interessenten zu haben, oder um eine Arbeit zu finden.

Heute nervte es mich so sehr beglotzt zu werden und Verwunderung auszulösen und immer wieder diese Frage Mann oder Frau…..Teenager in Osterholz-Scharmbeck sprachen mich an…und wollten mehr wissen. Einer hatte mich im Fernsehen in den, wie er sagte, „Nachrichten“ gesehen…..das Gespräch war freundlich, wir lachten viel….ein Mädchen fand den Bart cool…..wirklich? während die Jungs es ohne Bart doch besser fänden….

So bekannt zu sein, kann manchmal auch nerven….und dann denke ich sie wissen viel zu wenig über mich…es geht immer um den Bart und dabei bin ich natürlich mehr als eine Frau mit Bart…..naja…will ja gar nicht meckern….doch wenn manche behaupten ich will Beachtung, dann kann ich nur sagen heute und gestern und all die Tage nicht…wollte einfach wie alle anderen nur die Gegend anschauen und recherchieren, schauen, ob ich dort leben möchte. Wenn das Angestarrt werden Geld bringen würde – wie in einer Freak Show, dann wäre es was anderes….konnte heute sehr gut all die Menschen vertstehen, die sich um alles in der Welt anpassen und mit Schminke und der neusten Mode bedecken. -Naja alle Tage sind verschieden…vielleicht macht es mir morgen wieder Spaß angeglotzt zu werden….heute und gestern dachte ich immer wieder daran, ob ich einfach mal aufhören sollte mit dem Blog und dem Bart und untertauchen….und dabei das Gefühl zu haben gescheitert zu sein, versagt zu haben, denn das was ich mir erhoffte, ist noch immer nicht eingetroffen. Ich hatte gehofft über den Bart den Job zu finden den ich machen möchte, der mit Bart möglich ist und Geld bringt. Etwas künstlerisches…und ich gebe zu ich suche nach wie vor was ich tun möchte….auch wenn es inzwischen wesentlich klarer ist, als vor zwei Jahren, so bin ich noch nicht soweit es umgesetzt zu haben und das nervt mich….bin ungeduldig, doch nach zwei Jahren darf ich das wohl auch sein….

Eigene Ideen zu entwickeln und umzusetzen ist wesentlich schwieriger, als einfach mal irgendeinen Job zu machen….das Risiko ist größer und die Angst auch….ja wenn die nicht wäre….und ich weiß wie blöd das ist Angst…die mich abhält was zu tun was mir Spaß machen könnte…aber wer kennt das nicht …..

Auf dem Foto – Der Gauloise Mann – Diesen Werbeartikel gab es mal, als ich noch zur Schule ging oder einige Jahre später….auf jeden Fall fand ich den damals sooooo schön und hätte ihn soooo gerne gehabt! Jetzt mehr als 25 Jahre später steht er vor mir und ich freue mich, das Foto zu machen……und daran erinnert zu werden was ich mal sooo toll fand!! Finde es immer noch schön, doch 140 Euro!!! soviel ist es mir nicht wert….da muss das Foto genügen…..