679. Tag

Die Mäuseplage ist zurückgegangen, nachdem wir vor ca. zwei Wochen alles sauber gemacht hatten und anschließend 15 Lebendfallen im Haus meiner Freunde verteilt hatten. Die Löcher, durch die die Mäuse in die Wohnung kamen, wurden auch verschlossen und nun ist erst einmal Ruhe. – Die vielen Lebendfallen sind eine gute Kontrolle, um zu sehen ob wiedermal eine Maus in die Wohnung gehuscht ist….(wenn die Klappe nicht versehentlich zu ist, wie hier auf dem Foto….)

Am Wochenende besuchte ich meine Mutter und mir fiel mal wieder auf, wie unterschiedlich die Reaktionen der Menschen auf etwas „ungewohntes“ sind, je nachdem in welcher Region Deutschlands man sich befindet. Meine Mutter wohnt in Süddeutschland und mir kommt es so vor, als ob die Menschen ihre Emotionen dort offener zeigen, als hier im Norden.Während es in Niedersachsen und Hamburg eher ruhig im Zug zugeht, so lachten und sprachen die Menschen auffällig laut im Zug während ich durch Rheinhessen und die Pfalz fuhr. Die Reaktionen auf der Straße waren offener und direkter. Ein Mädchen um die 8 Jahre fing mit mir an zu diskutieren, dass eine Frau doch keinen Bart hat und die Menschen schauten und tuschelten weitaus offener, als in Hamburg, wo ich den Eindruck hatte es wird noch nicht mal bemerkt, ob jemand Anders aussieht, weil man mehr mit sich beschäftigt ist…….Ich weiß es ist blöd Einteilungen vorzunehmen und zu sagen Männer sind so, Frauen so…oder der Norden und der Süden…sind so und so…..- ist mir dennoch so vorgekommen auf meiner Reise, dass es da gewisse Unterschiede gibt.

Diesmal wollte ich meine Ruhe haben, hatte keine Lust auf Blicke und dachte darüber nach den Bart zu rasieren….zumindest für einen Moment…um dann zu denken, dass es ja eine blöde Idee ist, nur weil die Leute glotzen dies zu tun. Aber es ist nicht so, dass ich mit dem Bart um alles in der Welt Aufmerksamkeit haben möchte. Ich will durch die Straßen gehen und einkaufen und bummeln, ohne angestarrt zu werden. Dann gibt es die wenigen Momente, wo ich es lustig finde aufzufallen, Quatsch zu machen und zu provozieren und es gut finde, wenn die Menschen eine Reaktion auf mein ungewohntes Äußeres zeigen.

Die letzten Tage machte ich mir Gedanken darüber, was wir Menschen so alles ansammeln, horten und aufheben für den Zeitpunkt an dem wir es einmal brauchen könnten. Wie viel Zeit darauf verwendet wird, die Dinge zu pflegen und zu sortieren, zu lagern…wie viel Geld und Zeit darauf verwendet wird……..und wie schwer es den meisten Menschen fällt, Dinge los zu lassen. Oft habe ich geholfen beim Ausmisten, oder Sortieren und neue übersichtliche Systeme anzulegen, damit man die Dinge findet, wenn man sie sucht. Ein Thema, das mich fasziniert und anregt mir Gedanken zu machen darüber. Manchmal hebt man Dinge zu lange auf, so dass  sie schon zerfallen. Als ich bei meiner Mutter eine Kiste mit alten Spielsachen durchsah, fand ich Luftballons die so hart geworden waren, dass man sie nicht mehr aufblasen konnte, und auch Gummibälle die hart und unbrauchbar geworden waren. Alte Farbe trocknet ein, Kosmetika wird ranzig, und so weiter. Es ist eine Illusion wenn man meint man könne die Dinge für immer und ewig erhalten und konservieren und damit Gefühle, die man damit in Verbindung brachte ebengalls einfrieren und erhalten.

Die Orte meiner Kindheit, haben sich verändert, sind auch nicht mehr das, was sie mal waren. Die Atmosphäre hat sich mit der Zeit verändert, Gebäude wurden abgerissen, neue kamen hinzu, Menschen sind weggezogen oder verstorben – alles ist in Bewegung – immerzu – kein Stillstand…..es geht weiter und weiter und Dinge, die mich mal interessierten, sind nun uninteressant geworden und meine Aufmerksamkeit ist auf Anderes gerichtet.

Ich habe mich gefreut, Spielzeuge aus meiner Kindheit wieder zu sehen. Doch diesmal kam mir diese Zeit sehr weit weg vor, und ich war bereit sie loszulassen und abzuschließen. Bereit, das, was ich so lange aufgehoben hatte, wegzuwerfen. Wenn ich den Blick nach hinten werfe in die Vergangenheit, dann fehlt mir der Focus im Hier und Jetzt. Und was zählt ist immer das Hier und Jetzt. Wenn ich das Jetzt mit all meiner Aufmerksamkeit wahrnehme und da bin, dann brauche ich nichts aufzuheben für später. Dann habe ich so intensiv gelebt, dass die Erfahrung so reich ist und in mir ist, dass es gut ist – rund ist. Und später – wer weiß, ob ich mich dann noch dem Alten widmen möchte?! Später ist mein Focus vielleicht  wieder auf etwas ganz anderes gerichtet ….denn es geht immer weiter und weiter die Reise…..ins Unbekannte….

Während ich Dinge von damals betrachtete träumte ich von Flohmärkten auf denen nur getauscht und verschenkt wird. Wie wäre es, wenn jeder, all das was er nicht mehr braucht, dort hin trägt und sich jeder nimmt was er braucht. Wenn man keine Angst haben müsste etwas loszulassen und zu verschenken…in der Gewissheit selbst etwas geschenkt zu bekommen, wenn man es braucht. Das immer alles da ist was ich brauche auch wenn ich loslasse und weitergebe und verschenke……Das wäre eine schöne Welt, friedlich, liebevoll….alles ist da für alle….keine Angst, keine Sorge….

Und im Grunde ist es so….wenn man vertraut…..

Realisiert wird etwas ähnliches schon in Form von Tauschringen,  Umsonstläden und der Internetseite alles und umsonst.

3 thoughts on “679. Tag

  1. …schön das du wieder da bist.
    Ich hoffe der Besuch in der Vergangenheit war überwiegend schön für dich.
    Manchmal entledigt man sich Dinge, die man besser behalten hätte.
    Denn wenn mal die Alzheimer um sich greift, helfen einen solche kleinen Dinge sich an früher zu erinnern.
    Hoffe ich jedenfalls.
    Und meistens sind es schöne Erinnerungen.
    Da ich ürsprünglich auch aus Norddeutschland stamme, muß ich dir recht geben, wir besinnen uns mehr auf das wesentliche.

    LG Marion(RG)

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  2. es tut so weh
    wenn es von einem geht
    doch muss es zuweilen sein
    diese Pein
    nocheinmal aneinander reihen
    und dann verzeihen
    dir selber und anderen auch
    so ist es der Brauch
    erst einmal geübt
    wird es sehr geliebt
    auch das richtige Loslassen muss man lernen
    damit das andere kann sich entfernen
    und kommt es dann in einer neuen Form zurück
    bist du ganz beglückt

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  3. Liebe Mariam,

    ich sammle auch alles Mögliche aus der Vergangenheit. Heute habe ich es geschafft, eine Ganta und eine Geburtstagskarte, die Geschenke eines ehemaligen Liebhabers, aus dem Kasten zu holen und es hat nicht mehr stark geschmerzt. Seit dem letzten November lagen sie darin. Jetzt stehen sie da und es fühlt sich gut an.🙂

    Wegen des Barts: Ich habe einmal Bekannten von dir erzählt und sofort mussten einige davon dich sehen … vor allem die männlichen Wesen. Irgendwie war eine Sensationslust dabei und das störte mich. Ich hab es ihnen dann auch gesagt, dass ich das nicht in Ordnung finde, denn egal wie jemand aussieht, es geht um den Menschen, der drin steckt.

    Oft habe ich das bei Männern schon erlebt, das sie mich vorwiegend nur als Frau wahrnehmen, als sexuelles Wesen und den Menschen, der ich bin, nicht.
    So etwas tut weh, und mittlerweile bin ich soweit, dass ich dieser „Sorte“ Männer auch sage, das solch ein Verhalten nicht in Ordnung ist. Ich habe des öfteren schon erlebt, das dann etliche momentan nicht wissen, was sie darauf erwidern sollen bzw. sie tun so als ob das nicht so wäre, da sie sich nicht getrauen zuzugeben, dass sie so denken.

    Übrigens, in Wien gibts den „Kostnixladen“, ich war aber noch nicht dort, habe jedoch vor, demnächst hinzugehen:

    http://www.kostnixladen.at/

    Alles Liebe,
    Elisa

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