691. Tag Bremerhaven nach Cuxhaven

Viel gesehen und erlebt in den letzten Tagen, leider war es nicht möglich zu schreiben, da ich keine Internetcafes fand, oder sie gerade zu hatten.

In Bremerhaven, als ich den letzten Eintrag machte, kam ich aus dem Restaurant heraus auf die Straße und die ganze Innenstadt tobte! Überall jubelten die Menschen, hielten die Deutschlandfahne hoch, Autos hupten, die Polizei war dabei den Verkehr zu kontrollieren und eine Teil einer Straße, in dem ich geparkt hatte war gesperrt! Doch ich kam zum Glück noch raus mit dem Auto.

Fuhr los und suchte mir einen Schlaf-Standplatz für die Nacht. Ganz Bremerhaven ist Nachts so gut beleuchtet, dass es in allen Straßen hell ist. Keine Chance für Camper, irgendwo unbemerkt zu stehen. Auf meiner Reise traf ich immer wieder auf Parkplätze wo explizit mit einem Schild Wohnmobile verboten waren! Stellen für Camper zum Übernachten gab es, allerdings meist gegen Bezahlung von mindestens 10 Euro und mehr! Ein Zigeunerleben wie früher ist in Deutschland nicht mehr möglich! Jedenfalls nicht in touristischen Gegenden wie an der Nordsee um Bremerhaven und Cuxhaven.

Ich fand einen Platz zum Übernachten etwas außerhalb auf einem Parkplatz, auf dem es so schrecklich nach Fäkalien roch, dass ich nach einer Stunde wieder weiter fuhr, um einen besseren Platz unter Bäumen zu finden.

Das Schöne am Unterwegssein ist für mich das Übernachten in der Natur, alleine unter großen Bäumen zu stehen und mit der Umgebung zu verschmelzen. Campingplätze und Parkplätze für Wohnmobile finde ich dagegen gruselig. Da steht man dicht an dicht gedrängt, wie Sardinen in der Büchse. Da ist von Naturerlebnis keine Spur. Die Wohnmobile von heute sind fast alle Hightechmobile mit Satelittenschüssel und Fernsehen, da komme ich mir vor, wie in einer Hochhaus- oder Neubausiedlung….da kann ich auch zu Hause bleiben, da ist es ruhiger. Als ich in Cuxhaven ankam, hatten die Ferien in Bremen und Niedersachsen gerade begonnen, und auf den Campingplätzen sah es wie eben beschrieben aus. In Cuxhaven ist es mit Wohnmobil auch nicht möglich außerhalb von Campingplätzen über Nacht zu stehen. Die Polizei fährt Kontrolle mit vielen Wagen.

Parkplätze haben heutzutage nur noch selten Mülleimer! Es stehen Schilder dort, die darauf hinweisen, dass man seinen Müll wieder mitnehmen soll! Alles kostet was: das Pinkeln, das Müll machen, das Duschen, der Strom…..man braucht viel Geld, um heutzutage zu campen. Einst war es eine sehr günstige Möglichkeit Urlaub zu machen. Ich kann es auch verstehen, die Gebühren für Wasser, Abwasser und Müll sind enorm gestiegen…..verständlich und doch auch schade finde ich, dass alles so reglementiert und geordnet zugeht.

Früher ging es doch auch anders…..vielleicht waren weniger Menschen unterwegs?

Ich schaute mir Bremerhaven, Bad Bederkesa, Cuxhaven und Otterndorf und andere kleine Orte an. Kaufte am Samstag die Zeitung und schaute nach Jobs und Wohnungen….wurde nicht fündig…und habe mehr oder weniger beschlossen, den kommenden Monat im Wohnmobil zu wohnen.

Seit ich herumfahre geht es mir besser, als in der Wohnung. In mir steckt wohl eine Nomadin und zudem liebe ich die Freiheit und Weite.

Ich merke wie sich Gedanken breit machten von: ich bin nicht normal, mit mir stimmt was nicht, denn ich will mich nicht festlegen auf einen Ort oder einen Job, ich liebe die Abwechslung und das Reisen, aber das ist ja nicht normal…GIBT es überhaupt DEN NORMALEN MENSCHEN?! Dieser Versuch „normal“ zu sein, beraubt mich und vermutlich auch andere Menschen so vieler Möglichkeiten und Kreativitäten! Wie würden Sie leben, wenn Sie nicht denken würden: Sowas macht man nicht. Das ist nicht normal. Das geht nicht….usw.

Will ich überhaupt „normal“ sein? Die Sehnsucht irgendwo dazu zu gehören, Bezug zu anderen Menschen und Freunden zu haben, die mir was bedeuten und mit denen ich etwas gemeinsam habe, die ist auch bei mir da. Die hat vermutlich jeder. So ganz alleine zu sein…immerzu…da fehlt mir das Gegenüber, der Spiegel…..das ist es auch nicht. Aber muss ich „normal“ sein, und angepasst, damit ich irgendwo dazu gehöre?! NEIN.  Gibt ja schließlich noch mehr „Andersdenkende“ nicht angepasste Menschen auf der Welt.

Dann traf ich gestern eine Frau, die Mitten im Leben steht, einer festen gut bezahlten Arbeit nachgeht und zu ihren Ängsten und Fähigkeiten steht. Erstaunlich fand ich, dass wir genau entgegengesetzte Ängste und Stärken haben! Während ich Angst habe vor etwas Festem, Stabilen, für immer an einem Ort zu sein, hat sie Angst vor dem Reisen und Unstabilen, davor alleine mit einem Wohnmobil umher zu reisen, und fühlt sich wohl an dem Ort, an dem sie nun schon seit mehr als der Hälfte ihres Lebens lebt und arbeitet, um nur ein Beispiel zu nennen. Es war eine interessante, wohltuende Begegnung die mir zeigte wie unterschiedlich wir Menschen sind, ein jeder mit seinen Stärken und Schwächen, die dienlich sind, damit wir unseren Weg gehen und keinen anderen Weg. Jeder geht seinen Weg so gut er kann und damit tut er seinen Job. Jedes Vergleichen führt nur zu Verwirrung und Schmerz, denn alles ist gleich gut und wertvoll. Es gibt kein Besser oder Schlechter.

In meiner Vergangenheit war ich ständig damit beschäftigt mich mit anderen zu vergleichen, (Schulnoten, Wettbewerbe, Medien, TV etc. und Bemerkungen der Eltern tragen auch dazu bei sich selbst mit anderen zu vergleichen). Es verunsicherte mich.  Zu verstehen das allesm was ich tue ok ist und „gut“ ist, auch wenn es Menschen gibt die das „besser“ machen könnten, das stärkt und hilft bei sich zu bleiben und zu tun was zu tun ist. Um den eigenen Weg zu gehen und in sich selbst zu vertrauen.

3 thoughts on “691. Tag Bremerhaven nach Cuxhaven

  1. Doch du bist NORMAL.Du machst einfach das, wo viele andere von TRÄUMEN.
    Im Moment möchte ich gerne mit dir tauschen.
    Wünsche dir heute einen ruhigen Platz zum Übernachten.
    Liebe Grüße Marion(RG)

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  2. Hallo Mariam,

    was ist eigentlich „normal“?! Und wer entscheidet was „normal“ ist. Die Entscheidung liegt bei Dir selbst. Alles was für Dich gut ist und Dir vor allem gut tut, ist vollkommen in Ordnung.
    Ich bin seit langer Zeit regelmäßige Besucherin Deiner Seite. Zu Deiner Entwicklung und Deinem Mut kann ich Dir nur gratulieren. Mache weiter so!!!
    Liebe Grüße
    Steffi

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    • Liebe Steffi,
      vielen Dank für Deinen Kommentar. Inzwischen geht es mir mit dem Thema „normal“ auch zum Glück etwas besser.
      Was ist normal ist eine gute Frage….ist NORMAL DAS, was die Masse macht? Das was ein Psychologe oder Psychiater festlegt? Was in irgendwelchen Büchern steht, oder in den Medien als Normal verkauft wird? – Sich frei zu machen von dem was all die anderen sagen oder festlegen und den eigenen Weg gehen und dazu zu stehen, das ist mein Wunsch. Weg davon zu kommen mich irritieren zu lassen, wenn jemand oder ich selbst denke, das etwas nicht „normal“ ist. Normal könnte man auch als natürlich oder gesund definieren, so wie Du schreibst, das was gut tut….
      Einfach leben und sich daran freuen und nicht nachdenken, ob es richtig, falsch, gut oder schlecht oder gar normal oder unnormal ist finde ich für mich erstrebenswert!
      Denn das sind doch alles „nur“ von Menschen festgelegte Konzepte und Sortierungen. Die Unschuld, die ein Kind hat, wenn es etwas macht, wenn es spielt, das wieder zu erlangen wünsche ich mir. – Heute abend hatte ich ganz unerwartet ein sehr schönes Erlebnis: ich spielte Klavier und ein Mann, den ich kaum kannte trommelte dazu und dann trommelten wir auch mal beide – und unser Spiel empfand ich als so unbefangen und ohne Wertung – kein Anspruch es perfekt zu machen oder Kritik am Anderen, das er es nicht richtig macht – alles war so wie es war und perfekt – ich genoss es wie die Musik mich trug. Und wenn ich zurück denke all die Jahre waren so viele Gedanken in meinem Kopf wenn ich mit Anderen oder in Gegenwart Anderer musizierte: Gedanken wie: MACHE ICH ES JETZT AUCH RICHTIG? Klingt das auch gut und was denken die Anderen…so daß ich das Musizieren gar nicht richtig genießen konnte. –

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