702. Tag

Wieder im Wendland stehe ich mit dem Wohnmobil, bei Freunden vor dem Haus, wo ich mir in den kommenden Tagen einen Stand bauen werde, um als bärtige Frau aufzutreten.

Die letzten drei Tage hatte ich eine kleine Krise. Das Arbeitsamt hat trotz meines Anrufs mein Wegfahren vor einigen Wochen als unerlaubt interpretiert und fordert nun 200 Euro zurück, inklusive der Miete für die Wohnung und auch die Krankenkassenbeiträge für die Zeit wollen sie nicht zahlen. Was ich nicht wusste ist: dass man als Arbeitsloser selbst Sonntags nicht „unerlaubt“ wegfahren darf und das es als Urlaubstag gerechnet wird!! Finde ich nicht in Ordnung! Als arbeitender Mensch kann ich schließlich auch Samstags und Sonntags wegfahren, ohne mir das vorher genehmigen zu lassen! (ausgenommen ich arbeite auch Wochenends) – Als Arbeitslose habe ich 21 Tage Urlaub. Wenn die aufgebraucht sind, dann gibt es kein Geld mehr wenn ich wegfahre.Fahre ich unerlaubt weg,  werden weder die Wohnung noch der Lebensunterhalt noch die Krankenkasse für diese Tage an denen ich weg bin bezahlt. – Als Arbeitsloser muss man erst die ARGE um ERLAUBNIS! fragen bevor man wegfährt. Dann muss man WARTEN, dass die es genehmigen. Ist man einfach schon losgefahren, oder wie in meinem Fall schon Sonntags weggefahren und konnte nicht eher anfragen, da es spontan war, dann gibt es keinerlei Leistungen. Als ich vor einigen Jahren arbeitslos war, da hat es noch genügt einfach anzurufen und zu sagen so jetzt bin ich für so lange weg, und es war ok. – Wenn man jetzt aus dem Urlaub zurück ist muss man sich persönlich zurück melden und bekommt dafür auch keine Fahrtkosten erstattet, was in meinem Fall ärgerlich ist, denn ich wohne eine Stunde von der ARGE entfernt.

Naja – das hat mich jetzt in eine Krise gestürzt, denn ich habe keine Ahnung, wie ich das zurückzahlen soll und finde es so schon schwer mit dem was ich habe auszukommen. In all der Zeit, die ich arbeitslos bin bekam ich nie einen Job angeboten. Nur Maßnahmen durfte ich machen und 1 Euro Jobs. Ich bin nicht gerne arbeitslos. Ich habe durchaus Lust was zu arbeiten, und eigentlich arbeite ich, auch wenn ich offiziell arbeitslos bin, dennoch den ganzen Tag. Ich schreibe den Blog, mache Fotos, ich schreibe für mich, ich zeichne und nähe, doch das alles bringt kein Geld. Ich bewerbe mich und höre wie Arbeitgeber viel zu viele Bewerbungen bekommen und sich natürlich aussuchen können wen sie nehmen.

Ich werde jedoch Widerspruch einlegen und auch mit meiner Sachbearbeiterin sprechen und hoffe es wird sich klären. Ich bin weggefahren, um herauszufinden wie die Arbeits und Wohnmöglichkeiten in der Gegend um Bremen, Bremerhaven und Cuxhaven sind. Ich hatte schon im Internet vorher recherchiert, und wollte die Gegend live sehen und spüren wie es mir dort geht. Das war nicht ein Urlaub zum Vergnügen….hoffe die bei der ARGE werden das anerkennen und ihre Forderung zurück ziehen!

Ich finde, Arbeit sollte gerecht bezahlt werden und Menschen nicht ausgenutzt werden. Würde man all das Geld, das in Massnahmen und Arbeitslosengeld geht anders verteilen und die Arbeitswelt verändern, reformieren, dann hätten mehr Menschen eine ordentliche Arbeit und die, die zu viel Arbeiten, hätten mehr Freizeit! Denn ich finde jedem steht es zu mal eine Zeit lang nicht zu arbeiten, wenn er möchte. Jeder sollte in den Genuss kommen mal eine Weile seinem Hobby nachzukommen, zu Reisen, oder eben das zu tun, was er nicht tun kann weil er zu viel arbeitet. – Und manche haben ja auch das Glück ihr Hobby zum Beruf gemacht zu haben.

NA wie auch immer – ich werde die Welt nicht ändern können…..jedenfalls hatte ich erst mal ne Krise, doch dann habe ich mich wieder gefangen, nachdem ich ernsthaft dachte jetzt ist aus und der Bart muss ab, damit ich Geld verdienen kann…..doch das heißt noch lange nicht, dass ich dann einen Job bekomme, der ordentlich bezahlt ist und mir Freude macht…

Noch eine Beobachtung, jetzt im Wohnmobil zu wohnen und keine Wohnung zu haben, bedeutet für viele Menschen einen sozialen Abstieg. Wie wichtig eine Wohnung und ein Job ist um gesellschaftlich anerkannt zu sein! Das ist doch erschreckend finde ich. Ich kann Professor sein, eine Karriere gemacht haben, ein Star gewesen sein, doch in dem Moment wo ich keine Wohnung mehr habe, verarmt bin und auch keinen Job mehr habe zählt all das was vorher war nicht mehr. Wieder sind es die Äußerlichkeiten nach denen der Mitmensch beurteilt wird! Schlimm. Wo bleiben die inneren Werte? Es gibt Menschen die leben gerne auf der Straße, die leben gerne im Bauwagen, im Wohnmobil oder wie Zigeuner. Es ist ein anderes Lebensgefühl. Und so mancher träumt davon. Ich liebe es wie viel näher ich der Natur bin wenn ich im Wagen lebe. Ich kann, wenn ich Glück habe in der Natur übernachten und es ist so ein anderer Schlaf, so viel besser, als in einer Wohnung in der Stadt in der es mittlerweilse solche Strahlenbelastungen gibt, dass man davon krank wird. Immer wieder stelle ich fest, dass der Empfang von 10 und mehr WLANs in einer Wohnung in der Stadt keine Seltenheit ist! Dazu noch die Sendemasten auf dem Dach, das eigene schnurlose Telefon und das der Nachbarn, die Handys ….der Autolärm und die Abgase….etc….was für ein Leben…..eine Weile kann der Körper das vielleicht verkraften, doch auf die Dauer verursacht das eine Menge Stress und Unruhe. Ob das so eine gute Erfindung war mit dem WLAN?!

Und klar auch das Auto in dem ich wohne produziert Abgase….wenn ich könnte würde ich einen Holzwagen mit Pferden davor wählen….doch Deutschland wurde in den letzten Jahren immer mehr „gesäubert“ – ein „Vagabundenleben“ ist schwer möglich. Vielerorts stehen Schilder Wohnmobile verboten, Mülltonnen gibt es immer weniger….und man wird auf Campingplätze verwiesen, was bedeutet ebenso dicht gepfercht wie in der Stadt zu stehen…..

2 thoughts on “702. Tag

  1. …na, dir gehen ja wirklich eine Menge Gedanken durch den Kopf…:-)
    Vom System der Arbeit über Handymasten – da ist alles verteten…:-)

    Klar ist, daß, wenn du vom einem System Geld beziehen willst, du dich den Regelnm dieses Systems unterwerfen mußt.
    Erst wenn du ein anderes system gefundne hast, kannst du die Regeln und Vorschriften des alten hinter dir lassen.

    Bernhard

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  2. Ja, da ist schon was dran, dass ich mich an die Regeln halten muss. Ich wollte darstellen, wie das System mit Hartz IV ist, und dass ich es ungerecht finde, nicht einfach mal am Wochenende ohne zu fragen wegfahren zu dürfen. Das empfinde ich als Beschneidung der Freiheit.
    Ungerecht auch, dass Sonntag und Samstag als Urlaubstage rechnen, was eben früher nicht so war. Aber die Kassen sind vermutlich leerer und man lässt sich immer mal was Neues einfallen, um zu sparen…..

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