756. Tag Waschtag und weiter

Waschtag am Montag. In Parthenay, einer übrigens sehr sehenswerten Stadt, fand ich einen Waschcenter gleich am Einkaufszentrum und nutzte die Gelegenheit.

Sich selbst oder die Wäsche zu waschen, ist auf Reisen anders und nicht so bequem, wie in einer Wohnung mit fließendem Wasser und all dem üblichen Luxus. Es geht auch – und Anders – und ich stelle mich um. Es ist beunruhigend nicht zu wissen, wann und wo ich einen Waschcenter finden werde, ob ich genug Geld haben werde, um mir das zu leisten, wo und wann kann ich wieder duschen kann…. – Immerhin ist es in Frankreich leicht an öffentlichen Stellen Wasser ab zufüllen, um mich und das Geschirr zu waschen….und zum Duschen gibt es Schwimmbäder und Campingplätze.

Das Leben im Campingbus konfrontiert mich immer wieder mit meinen Ängsten und gibt mir die Möglichkeit sie anzuschauen und daran zu arbeiten.

Das Auto ist schon ein älterer Jahrgang und verlangsamte meine Fahrt in den letzten Tagen immer wieder. Einmal waren es die Räder, die Luft verloren, dann spritze plötzlich Diesel in den Motorraum und glücklicherweise entdeckte ich es schnell. Es war nur ein kleines Ventil, doch das hätte unentdeckt viel Schaden anrichten können. – Diese „Pannen“ sind beunruhigend und unangenehm, und sie bringen mich zum Nachdenken. Ein Auto fährt und verschleißt – normal. Dennoch erwarte ich, dass es möglichst lange keine Probleme macht, aber dem ist nicht so. So ein Leben ist aufregend, beunruhigend, anstrengend und Angst auslösend. Doch dafür brauche ich gerade keine Aktion Filme – mein Leben hat genug Aktion. An manchen Tagen vermeide ich es anderen Menschen zu begegnen, so gut ich kann, weil ich es brauche niemanden zu sehen. An wieder anderen Tagen bleibt mir keine Wahl, ich muss einkaufen, ins Internet, tanken, die Wäsche waschen oder in die Werkstatt mit dem Auto. Und manchmal, so wie heute vergesse ich, dass ich anders aussehe. Als ich an einer Tankstelle an der Kasse bezahlen wollte schaute ich den Mann mir gegenüber an und erschrak selbst darüber, dass er nur ein funktionierendes Auge hatte und das andere wie eine Wunde offen war, ohne einen Augapfel. Da erinnerte ich mich an mein Aussehen, auch ungewohnt und wie es ihm wohl gerade geht damit mich zu sehen…..und ich gewöhnte mich innerhalb von Minuten und nahm es hin, dass ich seinem Blick nur in dem einen Auge begegenen konnte. (Ich hatte länger mit ihm zu tun, da ich ihn wegen eines Problems am Auto Fragen stellte und er sich den Motor anschaute.)

Am Abends spazierte ich durch Parthenay, als der Strom der Touristen vorüber war und ich die Stadt für mich hatte, denn es war wieder so ein Tag, wo ich keine Lust darauf hatte von einer Menge angestarrt zu werden….- das Ding ist nämlich mit dem Bart es gibt keine Pausen, ich kann ihn nicht mal für einige Tage ablegen, wenn ich will, dass er weiter so lang ist.

Parthenay ist eine Stadt, die absolut interessant ist für Geographen oder Architekturstudenten, denn es finden sich dort unzählige unterschiedliche Bauweisen und Zeiten, Fassaden, Türen und Fenster, wie ich es noch nie auf so kleinem Raum gesehen habe. Ein großer Bereich an mittelalterlichen Gebäuden ist sehr gut erhalten. Parthenay liegt auf einem der Pilgerwege. Fotos habe ich leider keine gemacht…doch im Internet dürfte es einige geben…

Als ich durch den mittelalterlichen Teil ging, dämmerte es schon und durch die Fenster sah ich in einigen Wohnungen die zur Fassade und Bauzeit des Hauses, kontrastreiche moderne Einrichtung. Computer und Fernseher, Menschen, die auf dem Sofa oder Sessel lagen und auf den Fernsehbildschirm starrten.

Was für ein Kontrast dachte ich. Wie es wohl zu Zeiten ohne Elektrizität zu ging? Ich stellte mir vor, wie sich die Menschen noch unterhielten, Geschichten erzählten, gemeinsam musizierten oder einfach ins Feuer schauten und schwiegen.

Ich wollte mich hier eigentlich über die Unsitte auslassen zu viel TV zu schauen, statt miteinander in Kommunikation zu sein….doch ich lasse es sein…habe es schließlich auch viele Jahre gemacht….und bin froh nun frei davon zu sein und mir nur noch nach Bedarf mal was anzusehen, gezielt oder DVDs die ich mir aussuche und nicht für Stunden unter die „Fernsehdusche“ zu gehen…..

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JAVA – LE POIL Ein Lied über die Behaarung….aus Frankreich

In Frankreich hat die Gruppe JAVA ein Lied gemacht, dass über die Behaarung geht…

Hier der französische Text:

Le Poil Songtext :
Le Poil chanson réaliste, musique…

Chanson engagée hein?
On va pas s’faire emmerder…
C’était un jour de beau temps
Dieu était de bonne humeur
Il avait créé la femme nue
Quelle grossière erreur
Voyant ses fruits fragiles
A la merci des chacals
Il eut une idée lumineuse
Le Poil

Au départ sur terre c’était Byzance
Tout le monde m’a brossé dans mon sens
L’argent rentré dans la touffe, j’ai donc coté mes poils en bourse
Puis j’ai connu Marie-Chantal
Elle avait la bouche en cul d’poil
On s’est quitté un poil de l’épousée
Le jour où elle a voulu décolorer

Toutes ces bourgeoises qui s’épilent
Ça m’rase ça m’barbe ça m’horripile
Je suis l’ennemi public
Celui qu’on torture au rasoir Bic
Toutes ces bourgeoises qui s’épilent
Ça m’rase ça m’barbe ça m’horripile
Dans un monde aseptisé
J’suis poilitiquement incorrect

Un jour je suis passé de mode
Quel supplice
J’ai eu des démêlés d’justice
J’rasais les murs, j’étais clandestin
Traqué dans les moindres recoins
Coin coin

Je voulais pas finir comme fourniture
Pour perruque ou brosse à chaussure
Par charter j’ai fui le capitalisme
En Afrique où j’ai eu l’poiludisme

Toutes ces bourgeoises qui s’épilent
Ça m’rase ça m’barbe ça m’horripile
Je suis l’ennemi public
Celui qu’on torture au rasoir Bic
Toutes ces bourgeoises qui s’épilent
Ça m’rase ça m’barbe ça m’horripile
Dans un monde aseptisé
J’suis poilitiquement incorrect

Bien trop malade j’ai dû partir
On aurait dit un poil à frire
Mais j’ai trouvé mon bonheur
C’est le principoil
Dans une communauté au Népal
Poil poil

J’ai fondé mon paradis fiscal
Sur une baba cool en sandales
Mais la vie a tourné crâne d‘ œuf
Je serais de retour
En 2069
Poil aux dents

eine nicht so gute Übersetzung gibts hier…aber vielleicht finde ich mal eine gute Übersetzung oder jemand kanns übersetzen

753. Tag irgendwo in der Umgebung von Nantes

Erschöpft von der vielen Fahrerei der letzten Wochen musste ich erst mal anderthalb Tage inne halten. Eigentlich wollte ich dafür ans Meer. Ein Strand der mir empfohlen wurde stellte sich bei dem Regenwetter, als zu kalt und zu gefährlich heraus. Durch die hohen Wellen und die Flut besteht bei Hochwasser die Gefahr am Strand eingesperrt zu werden!

Es war so kühl und nass, dass ich mit Unbehagen an den Winter denken musste. Noch geht es, aber wenn es mal wochenlang regnen sollte! Bis dahin sind noch einige Wochen und mir wird dann noch was einfallen….

Ich verliess die Küste und stellte mich auf einen schönen Parkplatz im Grünen, um nachzudenken und zu planen. Das tat gut mal einen Tag lang keine Leute zu sehen….bis auf die wenigen, die dort Rast machten..und dann heute war das Wetter wieder sonnig……

751. Tag Gedanken in Les Sables d’Olonne

Meine Reifenpanne lässt mich eine Zwangspause machen in Les Sables d´Olonne. Das Auto ist in der Werkstatt und ich nutze die Zeit ins Internet zu gehen. Es ist schwül und bedeckt und recht belebt hier. Viele Touristen, die Franzosen haben noch Ferien. Zu viele für mich. Im Moment brauche ich einen ruhigen Ort und werde Richtung Norden fahren in der Hoffnung den zu finden. Ich will am Programm arbeiten, und an der Hütte einiges verbessern und Künstler treffen, die ich auf dem Festival kennen lernte, um mit ihnen was zu erarbeiten.

Die Blicke der Leute in den letzten beiden Tagen nervten mich, und ich merke, wie das immer so ist, wenn ich selbst ruhebedürftig bin und meine Energie für mich brauche. Dann in einem riesigen Einkaufszentrum einzukaufen oder eine Werkstatt aufzusuchen, wie die vor einigen Tagen ist dann echt zu viel. Die Männer in der Werkstatt konnten nur schwer ihr Lachen über mich unterdrücken. Das war, als ich die Luft überprüfen lies. Denn an den Tankstellen gibt es nicht immer ein Gerät dafür! Überhaupt ist das mit den Tankstellen so anders in Frankreich. Da gibt es die „üblichen“ Tankstellen der großen Firmen, die allerdings auch bis zu 15 cent pro Liter teurer sind, als die Tankstellen an den Supermärkten. An letzteren braucht man allerdings eine französische EC Karte oder Visakarte zum bezahlen, die ich nicht habe.  Es sei denn es ist ein Schalter besetzt, an dem man bar bezahlen kann und das ist er nur zu bestimmten Uhrzeiten und nur da wo es sich lohnt so. Also manchmal war das recht knapp, mein Tank war schon auf Reserve und ich fand nur Maschinen, die meine Deutsche EC Karte oder Bargeld nicht nehmen wollten. Insbesondere in der Nacht, wenn viele Tankstellen geschlossen sind….

Ein anderes Thema: als ich auf den Festivals war, gab es nette Reaktionen von Menschen, Männern wie Frauen, die selbst überrascht darüber waren, dass sie eine Frau mit Bart schön finden. Dann gab es zwei Mal Ärzte, die mit mir sprachen und der Meinung waren, dass es eine Krankheit sei, so wie Annie Jones und Madame Clofullia aussahen, denn sie waren am ganzen Körper stark behaart. Warum muss eigentlich etwas, das keine Schmerzen macht als krankhaft bezeichnet werden? Interessant, dass die Ärzte erst um 1890 oder noch später begannen für das Phänomen der Frauen mit Bart, die damals vermehrt zur Schau gestellt wurden, einen Grund zu finden warum das krankhaft sei. Machte es ihnen Angst? Verwirrte es ihr Weltbild? Waren sie homophob? Verwirrend denke ich in jedem Fall und Angst machend auch. So wie gerade wieder einer in Youtube schrieb, dass ich so nie einen Mann finde und nicht dazu beitragen werde die menschliche Rasse zu vermehren! Geht es immer nur darum, dass Menschen sich vermehren sollen? Sind wir nicht inzwischen genug Menschen auf der Erde, dass es schon etwas eng wird und es gut wäre es gäbe mehr Menschen, die sich nicht vermehren?! – Ich liebe Kinder und ich bin froh einen Sohn zu haben, und hätte auch gerne mehr Kinder gehabt, doch das ist nicht für jeden das Thema. Manche möchten ihre Energie in andere Dinge stecken als in die Vermehrung der menschlichen Rasse…..

Die Werkstatt heute, machte einen freundlichen Eindruck. Man nahm mich ernst und es wurde auch nicht gelacht. Entspannend. Vielleicht war ich heute morgen aber auch wieder anders drauf….es ist kaum zu glauben, doch die Welt ist so oft ein Spiegel, dessen wie ich mich fühle und was ich denke. Eine ganz schöne Verantwortung hat man da, wenn man seine eigenen Gedanken glaubt!! Und gar nicht so einfach die loszulassen und positiv zu denken und gut drauf zu sein. Aber ich übe und es wird immer einfacher umzuschalten.

750. Tag

Kleine Reifenpanne. Der eine Reifen verliert Luft, wie auch schon ein anderer Reifen vor einigen Wochen. Immer ist es das Ventil. Habe den Verdacht, dass sich das Ventil manchmal beim Luftüberprüfen lockert oder gar beschädigt wird. Je nachdem was das für Geräte sind. Diesmal passierte es nachdem ein Mitarbeiter in einer Werkstatt für mich die Luft überprüfte….Mist….naja…morgen früh werde ich mich in die nächste Werkstatt begeben….mit wenig Geld in der Tasche ist sowas ganz schön beunruhigend.

Aber die Angst vor dem Unbekannten und den eventuellen Pannen, macht auch wach und wenn man es positiv sieht dann ist das auch eine Zeit des Abenteuers….und es gefällt mir besser, als die Zeit im Winter, als ich eine Wohnung hatte, aber alles so ruhig war und wenig Bewegung da war….

749. Tag Frankreich Poitiers

Das Festival in Aurillac ist zu Ende. Ich habe viele interessante Menschen getroffen. Künstler und Besucher. Der Stand war diesmal etwas weniger besucht, als in Châlon-sur-Saône, doch das lag auch daran, dass der Platz ziemlich weit vom Zentrum entfernt lag. Dafür war es ein sehr schöner Platz in der Natur auf einer Wiese mit einem Wasserfall wo wir uns erfrischen konnten, denn zeitweise war es zu warm und schwül.

Im Zirkus Maboule gab es ein Theaterstück zu sehen mit dem Titel:Le Roi sans tête (der link führt zur Seite der Theatergruppe und es gibt ein kleines Video vom Stück zu sehen).

Das Theaterstück ist gut für Kinder geeignet und für Erwachsene. Sehr faszinierend und lustig! Eines der besten Stücke, die ich in Aurillac sah!

Auf meiner Fahrt hielt ich heute in POITIERS an mit einer sehr sehenswerten Altstadt. Die Kirche Notre Dame la Grande auf dem Foto ist innen und außen wunderschön gestaltet.

746. Tag Beat Box Jean Jean

Beim Collectif Maboule stand ein Lastwagen in dem sich ein kleines Theater befand in dem nur ca 15 Personen Platz haben. Man konnte sich 5 verschiedene Beiträge in 20 Minuten ansehen. Super! Dabei war auch Jean Jean, der Beatboxer ist.:

Hier Videos über ihn:

745. Tag AURILLAC Frankreich

Nach einer recht anstrengenden Fahrt die Berge auf und ab im dritten Gang und sehr langsam, bin ich in Aurillac angekommen und habe meinenStand aufgebaut im Collectif Maboule. Diese Gruppe war auch auf der Fusion gewesen. Aurillac ist voller Menschen, und unglaublich viele Spektakel, zu viele, um alle zu sehen. Die Franzosen sind super was das Strassentheater betrifft. Faszinierend zu sehen was es gibt und was moeglich ist. Eine eigene Welt, die ich so schön finde, dass ich gar nicht mehr in die sogenannte „normale“ Welt zurueck kehren moechte.

Die Vorstellung des Theatre du Sursaut spielte Postscriptum – eine super Vorstellung! Video ist auf der Seite des Theaters zu sehen….

Mann für einen Tag sein

Diane Torr wird im September wieder einen Workshop in Berlin anbieten. In dem Workshop kann Frau ausprobieren wie es ist  für einen Tag lang ein Mann zu sein. Der Workshop kostet 150 Euro und findet am ersten oder zweiten Wochenende im September in Berlin statt. Wer Interesse hat mailt an Diane Torr.(runterscrollen da ist die Mail Adresse)

742. Tag ORLEANS

Heute bin ich in Orleans, auf der Fahrt zu einem weiteren Straßentheaterfestival in Frankreich machte ich hier Halt. Die Altstadt und die Kathedrale sind überwältigend! Der Boden aus einem Kopfsteinpflaster aus Kalksteinen, alte Häuser mit ungewohnter und interessanter Fassade. Einen Besuch kann ich sehr empfehlen.

Auf der Hinfahrt regnete es mehr als 24 Stunden ununterbrochen. Jetzt ist es bedeckt doch angenehme Temperaturen. Die ersten gelben Blätter lagen am Boden, kaum ist es Sommer schon sind die ersten Anzeichen vom Herbst auch schon da.

In Bremen, Chalon sur Saone und in Kopenhagen sprach ich mit vielen Menschen, darunter immer wieder Männer, die selbst überrascht darüber waren, dass sie eine Frau mit Bart attraktiv oder schön finden können. Dagegen habe ich den Eindruck, dass man mich in manchen Gegenden extrem anstarrt und rätselt….nicht immer angenehm einkaufen zu gehen. Aber solch ein Aussehen hat eben viele Seiten…und was für mich normal geworden ist, ist für die meisten Menschen immer noch ungewohnt und sie können nicht anders als zu schauen und zu rätseln.

Im Bekanntenkreis gibt es Menschen, die finden es völlig normal dass ich einen Bart trage und meinen es sollte eigentlich kein Problem sein, damit Arbeit zu finden – Andere verstehen nicht warum ich nichts dagegen tue und finden mich ohne Bart schöner.

Man kann es nie allen Recht machen. Und darum geht es auch nicht. Ich muss schliesslich die meiste Zeit meines Lebens mit mir verbringen. Und ich mag es jetzt so wie es ist.