962. Tag Begegnung im Zug

Nun ist mal genug mit so viel schrecklichen Nachrichten! – Wollte von einer Begegnung im Zug berichten, die Mut macht.

Als ich vor einigen Tagen mit dem Zug fuhr, wurde ich von einer Schaffnerin kontrolliert, deren Ausstrahlung fröhlich und freundlich war und es war eine schöne Begegnung. Irritiert war ich, als ich ihr Gesicht sah und die eine Hälfte des Gesichts von einer rötlichen Fläche bedeckt war. Sah aus wie ein Feuermal oder Angiom, falls es das war. – Jetzt ging es mir, wie es wohl auch vielen gehen wird, wenn sie mich zum ersten mal sehen, mein Gehirn hatte Schwierigkeiten sich so schnell darauf einzustellen und für einen Moment herrschte Verwirrung in meinem Kopf, obwohl ich versuchte ruhig zu bleiben.

Das Gehirn hat Schwierigkeiten Dinge einzuordnen, die nicht alltäglich sind, die assymetrisch sind und es reagiert mit Verwirrung. Ganz normal. Solange, bis es sich sortiert hat. Also auch wenn ich selbst mit meinem Aussehen hin und wieder für Verwirrung sorge, so schützt mich das nicht davor selbst auch mal vor der Situation zu stehen und verwirrt zu sein vom Aussehen eines anderen Menschen. – Ich hätte gerne mit ihr gesprochen, sie gefragt wie ihre Erfahrungen sind. Ich stelle mir das nicht einfach vor in einem Zug zu arbeiten, wo doch sicherlich auch Menschen reagieren. Leider war sie schnell wieder weg, der Zug hielt gerade und ich sah sie nicht mehr wieder. Ein wenig unsicher war ich auch, ob ich sie darauf ansprechen könnte, obwohl ich aus eigener Erfahrung sagen würde, für mich ist es in Ordnung, wenn jemand mehr wissen will und mich auf meinen Bart anspricht. Aber jeder ist da vielleicht anders.

Ich dachte nach. Es gefällt mir, dass sie offen dazu steht und keine Schminke benutzt, um die rote Fläche im Gesicht zu verstecken. Gut finde ich auch, dass der Arbeitgeber nicht verlangt, dass sie sich schminkt, wie es zum Beispiel bei Stewardessen der Fall ist. Ich finde das macht Hoffnung, dass sich die Welt verändert, offener, toleranter wird und Menschen mehr und mehr zu ihrer Eigenheit stehen.

One thought on “962. Tag Begegnung im Zug

  1. Hallo, ich bin Clara und bin hier zum ersten Mal. Die Zukunft wird zeigen, ob ich hier noch öfter was schreibe.
    Genau so ein Erlebnis hatte ich mal in der S-Bahn mit einer mir gegenüber sitzenden Frau. Ich komme beruflich ein wenig aus der Medizin. Es hätte mich von der psychologischen und der menschlichen Seite her interessiert, aber ich hätte mich auch nicht getraut. Kurzzeitig dachte ich daran, an der Station mit auszusteigen. Doch was hätte es gebracht.
    Ich glaube, die sogenannten „Normalos“ haben damit mehr Schwierigkeiten als die Betroffenen (ist auch oft bei Blinden, Gehörlosen oder Körperbehinderten im Rollstuhl so), denn diese leben mit ihrem Zustand, ihrer Krankheit schon sehr lange.
    Spätmitternachtliche Grüße von Clara Himmelhoch

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