Bart „Be-Deutung“ – Ein Versuch

Nach einem Kommentar vor einigen Tagen beschäftigte mich die Frage nach der psychischen Ursache des Bartwuchses.

In dem Buch: „Krankheit als Symbol“ – von Rüdiger Dahlke finden sich einige Gedanken dazu. Den Bart als Krankheit zu bezeichnen ist meiner Meinung nach nicht richtig, überhaupt werden so viele Dinge zu schnell in die Schublade mit der Bezeichnung „Krankheit“ hineingeworfen! Was nicht zu verstehen ist und Angst macht – schwupps landet es darin! Sei es ein seltsames Verhalten, dass jemand an den Tag legt oder ein unerklärliches Äußeres.

In dem obengenannten Buch steht auf Seite 373 (nachzulesen bei Amazon mit einem Klick ins Buch!)..was Hirsutismus, männliche Behaarung bei Frauen bedeuten kann: „vernachlässigte, in den Schatten gedrängte männliche Anteile, die die Oberhand gewinnen wollen. ….Wunsch nach Willenskraft und Durchsetzungsfähigkeit….starkes Schutzbedürfnis….“ Dies sind einige der erwähnten Punkte.

Ein Jede, die dies hier liest und mit dem Thema zu tun hat, kann selbst für sich überprüfen inwieweit dies für sie zutreffend ist.

Auffallend ist, dass insbesondere in Ländern, in denen die Frauen durch die Männer stark unterdrückt, reglementiert und vom öffentlichen Leben fern gehalten werden, wie im Iran, der Türkei um nur einige zu nennen –  das gerade dort besonders viele Frauen mit dem Thema der Behaarung zu tun haben. Es mag genetisch bedingt sein, und doch ist der Zusammenhang interessant. Frauen, die dort ihre Stimme erheben, um sich für ihre eigenen Interessen einsetzen, die versuchen sich durchzusetzen laufen Gefahr getötet oder verfolgt zu werden.

Haare als Schutz – klar, denn eine Frau mit Bart, die sich als Mann verkleidet kommt in den obengenannten Ländern  eventuell besser durchs Leben. So hat die Natur diese „kleine Hilfe mit eingebaut“ in die Gene, damit die Frauen bessere Chancen haben zu überleben, wenn es dann mal „brenzlig“ wird!

Andersherum könnte man auch fragen: Und all die Frauen, die kaum Körperbehaarung haben, können die sich gut durchsetzen? Leben sie ihre männliche Seite stärker aus, als die behaarten Frauen?

Bei all den Behauptungen die hier gemacht werden, laufe ich auch Gefahr Schubladen zu beladen: die eine Schublade für „die Durchsetzungsstarken unbehaarten Frauen“ und die andere Schublade für „die behaarten und weniger Druchsetzungsstarken Frauen“…..oh je! ….Man sollte jegliche Deutung sein lassen….wo soll das nur hinführen!? Zu weiterer Klassifizierung, Bewertung, Vorurteilen! – Und wie ist das, wenn dann also eine stark behaarte Frau es schafft zu einer durchsetzungstarken Frau zu werden, (nehmen wir an sie war es zuvor nicht) – also würden diese Frau dann nach und nach oder ganz plötzlich ihre übermäßige Körperbehaarung los werden? – GUTE FRAGE! – (Margitta Staib schrieb in ihrem Buch: „Die enthaarte Frau“, dass ihre Gesichtsbehaarung weniger wurde, woran es lag, weiß ich allerdings nicht.)

Mir fällt dazu auch noch die Begegnung mit einer Frau die Familienaufstellungen machte ein. Wir unterhielten uns zu dem Thema und ich zeigte mich interessiert bei ihr aufzustellen. Ich sagte ihr jedoch nicht um welches Thema es sich handelte, das mich beschäftigte. Sie jedoch sah wohl nur meinen Bart als „Problem“ und sagte ganz enthusiastisch, sinngemäß so etwas wie:  „Ja, und wenn Du dann die Aufstellung bei mir gemacht hast, dann wird der Bart danach abfallen!“

Darum hatte ich Sie doch gar nicht gebeten! Mich schreckte diese Aussage dann letzlich sehr ab, bei ihr eine Aufstellung zu machen. Mit so viel vorgefasster Meinung, und keinerlei Offenheit bezüglich Gender seitens der Aufstellungsleitung mochte ich nicht aufstellen.

6 thoughts on “Bart „Be-Deutung“ – Ein Versuch

  1. Hej Marianna,

    Ich kann mich nicht daran erinnern, dass Margitta Staib schrieb, dass ihre Gesichtsbehaarung abnahm. Bist du dir sicher?

    Ok, ich hab die Stelle mal rausgesucht: „Nach einem halben Jahr stutzte ich meinen Bart das erste Mal, ein halbes Jahr später wieder, dann vier Jahre lang nicht mehr. Mein Bärtchen wuchs nämlich nicht mehr so stark, und manchmal wuchs es gar nicht. Das ist noch heute so. Und offen gesagt: Ich hätte wirklich nichts dagegen, wenn es mir irgendwann ganz ausfiele.“

    Es ist durchaus auch meine Erfahrung, dass das Wachstum schubweise geht und dass der Bart jetzt nicht mehr so schnell zu wachsen scheint wie in den ersten Monaten. Weil ich jetzt durchsetzungsfähiger bin? Oder weil Haare nicht unendlich lang werden? Meine restlichen Körperhaare wachsen auch nur bis zu einer bestimmten Länge und dann nicht mehr.

    Mir sind sehr viele Frauen ohne Bart begegnet, die mir viel weniger durchsetzungsstark schienen als ich selbst. Und wenn ich mir z.B. Jennifer Miller so anschaue – zu wenig Durchsetzungskraft??? Neeee …

    Mir ist es in der letzten Zeit immer suspekter, wenn jemand kommt und an mir und meinen vermeintlichen Krankheitssymptomen herumdeutelt: „Du bist zu dick, du hast dir eine Schutzschicht aufgebaut. Du hast einen Bart, du hast bestimmt ein Problem mit Männern oder mit deinen männlichen Anteilen. Du hast eine Warze am Zeigefinger, das bedeutet, dass du ein Autoritätsproblem hast.“
    Ich möchte bitteschön selbst entscheiden, ob ich an etwas leide und wenn ja, was das bedeutet, und ob ich das loswerden will oder nicht. Ich bin dankbar, wenn mir jemand in aller Offenheit zuhört – aber ungefragte Interpretationen und Ratschläge, wie ich wieder normal werde, die mag ich immer weniger haben.

    Lieber Gruß
    Lisa

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    • Ich denke haargenauso (= welch treffendes Wort) wie Lisa dies hier beschreibt.
      Dahlke hat sich vor vielen Jahren endgültig disqualifiziert, als ich diesen Eintrag über Hirtuismus las. Er (der Eintrag samt Dahlke) ist keine Hilfe, sondern verpaßt einem (dem aufrichtig offenen und suchenden Leser) noch eine geballte Ladung Schuldgefühle. Und dafür verplempern wir auch noch unser Geld und unsere Zeit. – Das Buch von M. Staib wird nicht mehr gedruckt. Ich habe vor wenigen Jahren deswegen an den Verlag geschrieben (weil ich es für eines der besten und wichtigsten überhaupt halte) und nie eine Antwort erhalten.
      In diesem Sinne: definieren wir uns aus uns selber und lassen uns nicht von besserwisserischen Dahlkes und Konsorten definieren und gestalten. Wem schadet letztendlich eine behaarte Frau mit ihrer Behaarung?! Und wem schadet Dahlke mit dem verantwortungslosen Aufoktroyieren seiner Meinung?!

      Einen schönen Sommer! – Caterine

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  2. Die Deutung von körperlichen oder psychischen „Erscheinungen“ kann diskriminierend sein und auch ungerechtfertigt, da stimme ich Dir zu Caterine.
    Warum wird es überhaupt gemacht?
    Ich glaube Menschen wollen die Dinge verstehen. Immer wieder, ob in der Wissenschaft oder auf anderen Gebieten wird der Versuch unternommen die Dinge, wie sie sind zu erklären….und wenn ich es genau betrachte, dann ist es nicht zu beantworten. Jede Antwort kann widerlegt werden. Alles ist im Fluss. Nichts ist beständig. Meinungen verändern sich, das was ist, verändert sich, jede Epoche hatte ihre „Wahrheit“, die in einer darauffolgenden Epoche widerlegt wurde……der Versuch die Welt „fest zu halten“, so wie sie in einem Moment ist, und in Schubladen zu stecken, muss kläglich scheitern……..

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  3. Dahlke reitet diesen alten Gaul der Psychomatisierung aber schon lange. Diese Psychosomatisierung und deren esoterische Erklärungen samt freudianischem Tralala sind extrem nervig und möglicherweise gefährlich für Seele und Körper, wenn eine sich danach richtet.

    Wie ist das nun mit diesen „unaufgearbeiteten Anteilen“? Ich will mal gemein sein und den Guru weiter denken lassen. Wohlmöglich haben große Frauen auch ein Problem mit Zwergen, deswegen wurden sie so groß, oder? Und gewiss deutet er auch eine bestimmte Clitgröße als Penisneid (weil männlich unterdrückter Wunsch danach)? Was sind dann früh bekommen graue Haare, Angst vor der Jugend oder vor jungen Männern?

    Überhaupt dieses binäre System der Wahrnehmung: hie Frau (weibliche Anteile), da Mann (männliche Anteile). Zwangskorsett.
    Wenn’s Spaß macht.

    Ja, und erst das Familienstellen. Das ist wirklich abstrus.
    Da fält der Bart ab? Weil du dich mit deinem Onkel, Vater oder sonst wem versöhnt hast? Ich kenne Leute, denen wurden bei solchen „Therapieaufstellungen“ bei diplomierten Psychologen und Ärzten sonst was eingeredet.

    Haare sind Haare, erst durch kulturelle Benennung und Wertung (Schönheitsideale, Werbung, Medizin, Esoterik, …) bekommen sie negative oder positive Bedeutung.

    Haare können nerven, was mich aber eher nervt, ist die Gesellschaft, welche die Haarlosigkeit (verkorkstes altgriechisches Ideal) bei Frauen fordert.

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