1070. Tag

Die zum Teil heftigen negativen Reaktionen auf „Schwer verliebt“ sind nicht so leicht zu ertragen. Unter allen Kommentaren gibt es auch unterstützende, freundliche und wohlwollende, doch irgendwie habe ich diesmal das Gefühl mich zum Gespött der Nation zu machen. Ich frage mich, ob es nicht ein Fehler war, bei der Sendung mit zu machen. Mein Gefühl war Anfangs gut und darauf vertraute ich, doch da wusste ich auch noch nicht wie die Sendung im Endeffekt aussehen würde. Das ist nicht immer klar, wenn man bei einer Sendung mitmacht. Vielleicht kann man darüber phantasieren.  Wer viel TV schaut wird andere Erwartungen haben, als jemand wie ich, die ich seit vielen Jahren so gut wie nie fern sehe, und auch keinen Fernseher mehr besitze. – Die ersten Tage nach der Ausstrahlung der Sendung und der Schlagzeile in der Bild, waren nicht immer angenehm. Mir war, als ob die Reaktionen insbesondere von Teenies noch heftiger waren als zuvor. Lautes Lachen, wenn man mich sah, oder ich vorbei ging. Lautes Lachen aus der Küche, als ich mir an einer Fast Food Kette etwas zu essen holte. An der Tankstelle wirkte es auch seltsam…. und ich entwickelte Phantasien, dass ich mich bald nicht mehr frei in Deutschland bewegen könnte,  da sich die Menschen über mich lustig machen würden, auf eine Art und Weise, die nicht mehr zu ertragen sein würde. Ich weiß die Phantasie ist oftmals schlimmer, als die Realität.. Es ist schon traurig, dass es für Menschen so schwer ist offen oder tolerant zu sein, für das was ihnen begegnet und anders ist.

Vielleicht ist der Grund der heftigen Reaktionen auch, dass mein Aussehen die Menschen provoziert, und sie denken:  „Was für eine Frechheit, die will sich nicht anpassen, dabei tun wir das doch auch und zwängen uns in die Normen.  Soll die das gefälligst auch mal tun.“

Oder: „Wie kann man so blöd sein und im TV einen Partner suchen“…oder: „Mit dem Aussehen kriegt die eh keinen ab“….und: „Die hat nix Besonderes zu bieten außer den Bart“……usw…..Im negative Bemerkungen machen, ist ein Teil der Bevölkerung echt groß!! – Ich muss an die Politiker denken, die den Meinungen der Menschen noch stärker ausgesetzt sind als ich. Es ist keine leichte Aufgabe damit umzugehen, natürlich kann man auch daran wachsen und davon lernen…..dennoch frage ich mich gerade, wie lange es noch nötig sein wird, dass es Sendungen im Fernsehen geben muss,  über die sich die Zuschauer lustig machen. Wieso brauchen die Menschen das? Sind sie so unglücklich und unzufrieden mit ihrem eigenen Leben? Was gibt es ihnen sich lustig zu machen? Wahrscheinlich fühlen sie sich dann besser und stärker und können vom eigenen  „Leid“ ablenken. Lachen als Medizin. Aber auch Kosten von Anderen? Muss das sein? – Dann lieber über den Comedian oder Clown lachen, der extra Quatsch macht und sich freut, wenn er die Menschen zum Lachen bringen kann.

Oder wird es immer so sein, wie ich es mal lernte, in Pädagogik: eine Gruppe braucht ein schwarzes Schaf. Das schwarze Schaf muss  nur stark genug sein, die Rolle zu tragen, damit es daran nicht zerbricht.

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5 thoughts on “1070. Tag

  1. Liebe Mariam,

    ich denke, Lachen ist eine Reaktion auf die Spannung, die sich im Menschen aufbaut, wenn er mit Situationen konfrontiert wird, die ihn überfordern. Durch das Lachen baut sich der Druck ab – er entlädt sich.
    Überforderung tritt ein, wenn das eigene Weltbild in Frage gestellt wird – d.h., die Werte und Normen, die einem Menschen bisher die Sicherheit gegeben haben, zu wissen, wer er ist und in welcher Welt er lebt, werden erschüttert.
    Ob der Mensch nach dieser Konfrontation an seinem bisherigen kleinen Weltbild festhält oder aber durch die Konfrontation sein eigenes Weltbild ändert, d.h., ein kleines Stück vergrößert, können wir nicht beeinflussen.
    Aber ohne dich würde der Lacher nicht mal die Chance erhalten, sein eigenes Weltbild zu überdenken.
    Lieben Gruß,
    Thorsten

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  2. Meine liebe Mariam,

    es tut mir leid, dass Du vorher nicht wusstest, wie solche Formate abgedreht werden, und was deren Ziel ist. Es geht lediglich um eine Einschaltquote, und die wird per Freakfaktor erreicht. Du passt so gar nicht in die Reihen der Kandidaten :/

    Leider fürchte ich, Du wirst Dich wappnen müssen.

    Viele liebe Grüße

    Mila

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  3. Liebe Mila,
    wer ist denn der Freak in der Show? Mariam? Die Frau mit den Barbies?
    Die meisten der Kandidaten sind stinknormal, ein paar wenige sind besonders. Und die nennt man jetzt Freaks. Sie selber sehen sich nicht so. Also: wer definiert den Freak? Der Sender? Der Zuschauer? Du? Ich ?
    Und welche Funktion hat der Freak in unserer Gesellschaft? Ist er der Narr, über den man lacht, dem man aber dankbar ist, das er einen selbst das Gefühl gibt, so unanstrengend „normal“ so durchschnittlich zu sein?
    Ich selbst bin auch überrascht, wie oberflächlich und stereotyp über Mariam geurteilt wird – aber genauso stereotyp wird die Sendung verurteilt, statt sich mit ihr gesamt auseinanderzusetzen.
    Es ist halt viel einfacher, einfach einen Stempel draufzupappen. Schublade auf, alles rein, Schublade zu, Leben sortiert, Mensch zufrieden.

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    • Hey Thorsten,

      Du wirkst verwundert darüber, dass ich eine gewisse Freakschwingung in dieser Sendung zu erkennen meine.

      Willst Du mir allen Ernstes erzählen, dass studierte Medienmacher, deren Beruf es ist, das ideale Komposium an anziehenden TV-Charaktären zusammen zu casten, um möglichst hohe Einschaltquoten zu erzielen, nicht genau wissen, was Gucker bringt?

      Es ist also ein humanitärer Akt, Menschen zu verwenden, die in sämtlichen Kommentarsträngen Ausrufe der Side-Show-Begeisterung wecken ? Ich bitte Dich.

      Grüße

      Mila

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  4. „Ich frage mich, ob es nicht ein Fehler war, bei der Sendung mit zu machen. Mein Gefühl war Anfangs gut und darauf vertraute ich …“

    Liebe Mariam, Dein Gefühl hat Dich nicht betrogen. Du hast vielen Menschen etwas gegeben, was sie vergessen haben: Gefühle. Selbst, wenn Du gar nichts in der Sendung gesagt hättest …

    Ich danke Dir dafür. Bleib auf Deinem Weg !

    Brigitte

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