1089. Tag

Während ich mit dem Auto durch Frankreich fuhr, machte ich mir Gedanken über das Reisen früher und heute. Die Welt hat sich in den letzten 30-40 Jahren sehr verändert. Ich erinnere mich als ich noch klein war und mit den Eltern im Sommer nach Frankreich oder Spanien ans Meer gefahren bin. Damals war das alles noch abenteuerlich, Straßen schlecht befestigt, Wege schlecht beschildert, Brachland rechts und links, verlassene Dörfer, verfallende Häuser…..Romantik wenn man zu Besuch war. Mit den Einheimischen mussten wir immer wieder Kontakt aufnehmen, um den Weg zu finden. Die Menschen waren hilfsbereit und freundlich. Sie hatten Zeit. Und Heute?! – Alles ist so viel schneller geworden. Menschen haben wenig Zeit für ein Gespräch einfach so mal. Wenn man nach dem Weg fragt dann geht das auch schnell, oder gar nicht. Die meisten haben nun eh GPS und das Handy und Internet immer dabei – da kommt man nicht in die Verlegenheit mal nach dem Weg zu fragen. Wenn ich dann mal nach dem Weg frage, passiert es häufig auch in Deutschland, dass man mich erst mal fragt ob ich nicht ein GPS Gerät habe! – Überall Mc Donalds und Hypermarchés. Einkaufszentren, Beton, Straßen und Zäune. Die Welt ist eingeteilt und vergeben. Brachland und freie Flächen gibt es so nicht mehr. Mit dem Zelt oder Wohnwagen wild campen? Das war mal. Heute ist alles geregelt und vor den Einkaufszentren in Frankreich stehen oft genug Schilder: Nomaden unerwünscht……Immer wieder ob beim Tanken oder vor dem Supermarkt sind Schranken, die ein hindurchkommen mit Autos über 2 Meter unmöglich machen! Was für eine Welt! – Ich wundere mich nicht, dass es Menschen psychisch immer schlechter geht. Alles ist geregelt. Es gibt Normen in die wir uns hinein zu begeben haben. Das wilde Leben findet wo auch immer statt……in der Computerwelt virtuell in Spielen…..Die Sehnsucht nach Sicherheit und Ordnung hat dazu geführt, dass das Land  eingeteilt, vergeben und sortiert wurde. Eigentlich finde ich sollte jeder Mensch das Recht haben ein Stück Land zu besitzen und darauf machen zu können was er möchte -Gemüse anbauen, kreativ sein und so weiter….aber wir sind inzwischen auch zu viele Menschen geworden und es ist eng geworden. Das Reisen ist nicht mehr das was es mal war……zumindest nicht im Herzen Europas wenn man auf den Hauptwegen bleibt……

Um ins Internet zu kommen und meine Mails abzurufen lande ich immer wieder bei Mc Donalds! Nicht gerade der ideale Ort für mich, denn meistens werde ich seltsam betrachtet, angestarrt, oder Jugendliche lachen über mich, versuchen mit dem Handy Fotos von mir zu machen…..Diesmal sitze ich am Rande der Vogesen in einem Mc Donalds und die Blicke und Lacher blieben aus. Es ist nicht viel los hier dennoch, entspannt. Dann bestelle ich mir einen Capuccino und sehe, dass die junge Frau hinter der Theke selbst einen leichten Bart hat! Er ist vielleicht einen halben Zentimeter lang und wächst ihr auch unter dem Kinn und ein Stück tiefer am Hals. Ihre Arme sind auch stärker behaart. Ich staune, doch weiß ich auch nicht, ob ich sie darauf ansprechen soll oder nicht. Ich lasse es. Immerhin bekommt nun auch Mc Donalds für mich einen neuen Aspekt. Hier zumindest scheint es ok zu sein, kein Problem für den Job. Ob die Kundschaft auch gelassen reagiert? Vielleicht gibt es hier mehr behaarte Frauen, als anderswo? Immerhin in den Vogesen lebte Madame Delait und hatte einen ausgesprochen starken Bartwuchs. Hat das womöglich Nachwirkungen??

2 thoughts on “1089. Tag

  1. Deine Womo-Erfahrungen kann ich nur bestätigen. Dem ist nichts hinzuzufügen. Beinahe hätte ich Dir das im letzten Jahr geschrieben, aber ich wollte mal beobachten, wie Deine Erfahrungen sind. Man wird heute als Wohnmobilist grade noch GEDULDET, wenn man sich gleich auf einem C-Platz (ab 30 € natürlich, wenn man Glück hat) oder auf einem Stellplatz einpferchen läßt: und dafür haben wir ein so teures Auto gekauft, und dafür zahlen wir auch nicht so hohe Steuern???!!! Wir z.B. sind mit unserem (kleinen) Auto autark und haben mit Sonnenkollektoren und Generator die Wirtschaft genug gefördert. Wir benötigen weder C-Platz noch angelegten Stellplatz: und genau das erweckt die Gier, den Neid und die Mißgunst. Nicht nur im Herzen Europas: Wir haben im vergangenen Jahr entnervt unsere Reise in Südostanatolien abgebrochen, weil wir einfach kein Interesse daran hatten, weiterhin Tritte, Klopfen in der Nacht und Steine gegen das Auto zu akzeptieren. – Natürlich, wenn man so dumm ist und keinen Campingplatz benutzt!!!, dann geschieht einem das ja recht. Das hören wir immer wieder von mitleidigen Wohnmobilisten, die nur Campingplätze oder bewachte Stellplätze anfahren. Diese Leute sehen alles durch die rosarote Brille – die eigentlichen politischen Zustände eines Landes bleiben ihnen verborgen. Unsere Reisen werden – ungewollt – immer zu höchst politischen Reisen.
    Ein Tipp für Dich: wir übernachten nie in großen Städten, nie auf Supermarktplätzen, sondern in mittleren Dörfern, meist am Kirchplatz. Oder am Rande von ländlichen Neubaugebieten auf Parkplätzen. – Trotz allem kann man die kostenpflichtigen Stellplätze und Campingplätze, die wir in 25 Jahren brauchten, noch an 10 Fingern abzählen. Außerdem reisen wir jetzt nicht mehr in der Hauptsaison: Die Menschen, die auf die Hauptsaison angewiesen sind, müßten im Tourismus Nachlaß bekommen!!!

    Wobei ich bei Deinem nächsten angesprochenen Punkt bin: ich genieße den Sommer „auf dem eigenen Stück Land“. Wie von Dir beschrieben. Es ist ein Luxus, den ich woanders so nicht bekomme oder nicht bezahlen könnte.

    Ich glaube nicht, daß es für das „eigene Stück Land“ zu eng geworden ist: Es ist eher so, daß eine mächtige Lobby alles verhindert, daß sich der Mensch sowas noch leisten kann. In USA besitzt 1 % der Bevölkerung 40 % des Volksvermögens. In Deutschland dürften diese Zahlen ausgeglichener, aber bei weitem nicht gut sein. In Portugal und in Frankreich haben wir in diesem Jahr erlebt, wie immer mehr bisheriges „Niemandsland“ von Konzernen – meistens Immobilienkonzernen – aufgekauft wird: Da darf man, wenn das Land von diesen Unternehmen entsprechend „hergerichtet“ wurde, dann im Sommer in brütender Hitze eine Woche in einer Art Baracke für 1.500 € URLAUB machen. – Sonnenklar, daß es da für Womos keinen Quadratmeter gibt! Die stören!

    Und in Afrika wird gerade derzeit der kleine Landbesitzer noch um sein letztes Stückchen, das ihn ernährt, gebracht.

    In den 1970er Jahren wurde eine Studie erarbeitet (leider besitze ich diese Unterlagen nicht mehr), die aufzeigte, daß alle Menschen auf der Erde genug zu essen hätten bei halbsoviel Arbeit – wenn es nur richtig verteilt wäre. – Auch wenn die Weltbevölkerung stark zugenommen hat seit dieser Zeit – so ganz unberechtigt finde ich diese Studie nicht, zumindest überlegenswert. – Hunger und Kriege und Terror sind sekundär: die primären Auslöser sind die Gier, das Haben-Wollen (wie auch immer geartet).

    Um nicht zu einem ganz negativen Schluß zu kommen: wir trainieren uns tagtäglich, „Nischen“ zu finden und diese auszukosten.

    LG

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    • ………..betr. Kfz-Steuer für Womos habe ich mich unklar ausgedrückt: Die Womo-Steuer wurde vor wenigen Jahren geändert und damit stark angehoben. Das wurde für manche Rentner zum Problem, wie wir aus dem Bekanntenkreis wissen. Wir zahlen jetzt für einen Sprinter jrl. 537,– € und jrl. 572,24 € Versicherung. Die Steuer ist in D einiges höher als für PKW! In F wird keine Kfz-Steuer erhoben.

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