Lady , Madam oder Sir??

Heute gehe ich zu einem Konzert. Auf den Eingangsstufen wird mit ein Werbezettel gereicht und der Mann sagt „Sir“ zu mir, und korrigiert sich im nächsten Moment und sagt: „Madam“. Ich lächle und gehe weiter durch die Tür ins Gebäude. Mir geht durch den Kopf, ob er jetzt meint einen Fehler gemacht zu haben? Ich hoffe nicht. – Die Engländer werden erzogen höflich zu sein. Ich vermute sie lernen, das es höflich ist „Madam“ oder „Sir“ zu jemandem zu sagen. Wenn Sie auf Ihren Job vorbereitet werden wird Ihnen das sicherlich nahe gelegt……
Zwei Klassen. Männer und Frauen. Und wenn dann jemand nicht passt? Was dann? Ratlosigkeit?!
In einem Cafe kurz vor der Schließung, weist die Bedienung die Gäste höflich darauf hin, das sie in 10 Minuten schließen werden. Dabei verwendet sie die Ansprache „Lady“ für die Frauen. Eine Person regte sich darüber auf Lady genannt zu werden. Sie spricht schon eine Weile nur mit sich selbst, nun wiederholte sie immer wieder etwas wie: „This L A D Y word…“, den Rest kann ich nicht verstehen. Sie wirkt aufgebracht. Ich höre Wortfetzen wie Feminismus, und das ganze hörte sich an, als gäbe sie eine Vorlesung an der Uni, nur das die Zuhörer für mich unsichtbar sind. Als ich sie anspreche, um zu fragen, wie sie denn angesprochen werden möchte, antwortet sie mir, dass sie nicht mit mir sprechen würde! Denkt sie vielleicht ich sei ein Mann und hat beschlossen nicht mit Männern zu sprechen? Oder spricht sie generell nicht mit jedem? Keine Ahnung. – Wie auch immer. Ich fragte mich was es mit dem Begriff Lady auf sich hatte. Erinnere mich daran, dass ich als Kind allergisch darauf reagierte, wenn meine Tante zu mir sagte, das ich bald eine junge Dame sein würde! Mit dem Begriff Dame verband ich, das ich mich dann schick anziehen und schminken müsse und mich nicht mehr frei und wild bewegen könnte, sondern steif dasitzen müsste. – Vielleicht hatte die Person auch eine entsprechende Verbindung mit dem Wort Lady. Vielleicht gab es etwas in der Feministischen Bewegung was mit dem Wort Lady zu tun hat, worüber ich nichts wusste. Ich versuchte zu recherchieren, konnte aber auf Anhieb nichts finden. Dabei lese ich stattdessen eine Nachricht, Schäuble lobe den Sieg von Conchita Wurst und sieht darin ein Zeichen für Offenheit und Toleranz. Ich bezweifle das. Wenn ich als Frau mit Bart in Deutschland weder in einer Schule noch in einem Kindergarten, noch als Verkäuferin einen Job bekomme, dann kann ich dem nicht zustimmen. – England ist da meiner Meinung nach weiter. Hier finde ich eine Frau mit Bart als Verkäuferin, und eine andere Frau mit Bart als Assistentin in einer Schule und ich selbst bekam einen Job im Büro! –
Der Eurovision Song Contest ist ein Medien Ereignis. In den Medien sieht die Freiheit ein wenig anders aus, als im Alltag. Stars können sich auffällig anziehen und Extreme leben auf der Bühne, die im alltäglichen Leben nicht bejubelt werden. Weil ein Travestiekünstler, als Sieger gewählt wurde, bedeutet dieser Sieg noch lange nicht, dass die Menschen jetzt anders denken und ihre Ängste vor Homosexuellen und Menschen die „Anders“ sind nun verschwunden sind. Ich denke die Menschen brauchen den Kontakt und die persönliche Erfahrung, dass ein Mensch der z.B. homosexuell ist, oder anders aussieht, oder anders lebt, keine Bedrohung für sie darstellt.
In den Köpfen leben alte Denkmuster und Überzeugungen, die von einer Generation an die nächste gegeben wurden. Da gibt es eine, die besagt das Zirkusleute Kinder klauen! Eine andere, das Zigeuner gernerell klauen. Und eine weitere, das Homosexualität ansteckend sein könnte. Und so weiter. – Indem Menschen andere Erfahrungen machen, können Sie alte Denkmuster ablegen.
Filme haben auch einen großen Einfluss auf Menschen. Vielleicht wäre es unterstützend Filme zu drehen, die Menschen die Angst nehmen vor den Menschen die „Anders“ sind. Aber vor allem ist es nötig, dass wir uns begegnen. Menschen unterschiedlichster Herkunft und Kultur leben in Deutschland, doch nicht überall begegnet man sich und lernt sich kennen. Oft leben die Menschen wie auf einer Insel und haben nur Kontakt mit Ihresgleichen.
Man könnte ein Fach in der Schule haben, in dem es darum geht die Vielfalt kennen zu lernen und Menschen kommen zu Besuch und stellen sich und ihre Welt vor, in einem Vortrag mit Bildern und indem sie sich mit den Schülern unterhalten. Real und lebensnah, zum Anfassen nah sozusagen.
An einigen Schulen wird das schon praktiziert in Projektwochen einmal im Jahr.
Das Konzert war übrigens sehr gut. Eine Jazzband mit Namen Hutchinson Andrew Trio aus Canada war angereist zum Internationalen Bath Music Festival, das jedes Jahr statt findet.

Hier ein Video von Ihnen.

Am Abend spielt Iiro Rantala aus Finland auf den ich mich schon freue.

Jan Gabarek und The Hilliard Ensemble spielen morgen in der Abbey, doch leider ist es schon ausverkauft. Hätte ich gerne gesehen. Es ist selten das ich auf Konzerte gehe, um so mehr schätze ich die seltenen Momente.

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