Artikel über mich im schwedischen „Pedagogiska Magasinet“ 3/2015

pädagogiska

Das schwedische „Pedagogiska Magasinet“, eine pädagogische Zeitschrift für Lehrer, widmete sich in seiner Ausgabe 3/2015 (Ende September) dem Thema „NORMEN“. Unter anderem werden Themen wie Gender aufgegriffen und ich wurde gefragt, ob ich ein Interview für diese Ausgabe geben würde. Der Artikel, der aus dem Interview entstand,ist in dieser Ausgabe zu lesen. Für alle die Schwedisch verstehen hier der LINK zum Artikel und weiteren Artikeln des Pedagogiska Magasinet 3/2015

Die deutsche Übersetzung des Artikels:

Mit Bart kann ich nicht in der Schule arbeiten

Bild: Anders Bergstedt.
Dreißig Prozent aller Frauen in der Welt haben Gesichtsbehaarung. Sie existiert, doch wir tun so als hätten Frauen keine Gesichtsbehaarung. Die Haare auf unseren Körper sind wie die Bäume auf dem Planeten. Wir reissen sie nieder. Wir zerstören die Natur, des Planeten und unserer Körper. Wie wir mit unserem Planeten umgehen spiegelt sich darin wieder, wie wir mit uns selbst umgehen. Für mich, ist der Bart ein Symbol der Freiheit. Er steht für eine Rebellion gegen gesellschaftliche Normen, die mir versuchen vorzuschreiben wie ich zu sein habe.

Mein Bart begann zu wachsen, nachdem ich meinen Sohn geboren hatte. Ich war 21 Jahre. Ich hätte gerne gewusst wie ich aussehen würde mit einem Bart, doch tat ich was meine Mutter mir empfahl und zupfte täglich die Barthaare mit der Pinzette heraus. Das Zupfen kostete täglich einiges an Zeit.
Viele Jahre später sah ich das Foto einer bärtigen Frau aus New York. Ich fühlte mich auf seltsame Weise inspiriert und erkannte, das ist es was ich bin und sein will! Ich wusste ich wollte den Bart wachsen lassen. Von dem Moment wo ich das erkannte vergingen nochmals 5 Jahre bis ich es tatsächlich umsetzte.

Meine Mutter war schockiert von meinem Bart, doch nach einer Weile fand sie sich damit ab. Mein Bruder mag meinen Bart bis heute nicht und bat mir an eine Laser-Behandlung zu bezahlen. Er wollte nicht, das ich seine Tochter treffe, da er dachte sie könnte Angst bekommen. Aber ich denke es ist seine Angst nicht ihre.

Viele Menschen werden unsicher, wenn sie mich treffen. Denn in unserer Gesellschaft sind wir es gewohnt jeden Menschen in eine von zwei Kategorien einzuordnen: Frau oder Mann. Und die Kategorien bestimmen, wie wir miteinander umgehen.
Wenn Menschen nicht das Geschlecht ihres Gegenübers erkennen können, dann kann es vorkommen das sie aggressiv reagieren.
Ich bin viel gereist und es ist anstrengend die ganze Zeit Fremde zu treffen, die auf mich reagieren. Manche lachen, zeigen auf mich oder fotografieren mich heimlich. In Göteborg bewarf mich ein Junge im Teenageralter mit Ketschup. Vielleicht wäre es einfacher an einem Ort zu leben, wo mich die Menschen kennen und nicht mehr unangenehm reagieren, wenn ich einkaufen oder die Straße entlang gehe.

Ein Arbeitsberater sagte vor einigen Jahren, das ich solange ich einen Bart habe keinen Job bekommen würde, in dem ich mit Kindern arbeiten würde. Das zeigt mir wie die Vorurteile in Deutschland sind. In England kenne ich eine bärtige Frau, die als Schulhelferin in einer Schule arbeitet. Dort wird man nicht auf Grund des Aussehens diskriminiert wie in Deutschland.

Wenn mehr Frauen einen Bart tragen würden, könnte sich die Haltung der Menschen in der Zukunft verändern. Vor 20 Jahren war es schwer ja fast unmöglich mit Piercings und Tätowierungen eine Arbeit als Kassierer/in zu bekommen. Heute ist das sehr häufig zu sehen. Meiner Meinung nach muss der Lehrplan der Schulen verändert werden, Themen wie Toleranz und mehr Offenheit für die Vielfalt sollten darin einen Platz finden. Wir brauchen nicht mehr Menschen die sich anpassen, wir brauchen starke, unabhängige Menschen, die selbstbestimmt ihre Träume und Ideale leben.
Per Bengtsson

Es folgt der original Text des Artikels. Das Interview führte Per Bengtsson.

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Med skägg får jag inte jobba i skolan

3 thoughts on “Artikel über mich im schwedischen „Pedagogiska Magasinet“ 3/2015

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