Nachts am Hamburger Bahnhof

Spät abends fahre ich mit dem Zug von Berlin nach Hamburg.

Als ich Nachts um halb eins in Hamburg ankomme und aus dem überheizten Zug steige, umarmt mich eine feuchte Kälte. Ungemütlich. Es hatte stark geregnet und überall steht das Wasser.

Mein Anschluß Zug wird erst in vier Stunden kommen.Ich suche nach also nach einem warmen Platz.

Der Hamburger Bahnhof ist ein offener und zugiger Ort, nicht wie in Mainz oder anderen Orten mit einer geschlossenen und geheizten Bahnhofshalle.

Die Wartehallen für Reisende, die sich auf den Bahnsteigen befinden,  sind randvoll mit Obdachlosen und Flüchtlingen, die dort einen Zufluchtsort vor der Kälte und Nässe fanden.

In der Bahnhofshalle steht ein Tisch unter einer Treppe, ein Begrüßungs- und Orientierungsstand für Flüchtlinge. Viele Zettel in diversen Sprachen hängen darüber. Auf einem lese ich: Helfer bitte weitergehen und das sie mehr als genug Helfer hätten und all die Anfragen nicht bewältigen können.

Ich gehe weiter und gelange zusammen mit einer Gruppe von Flüchtlingen, die von einem Helfer begleitet wird, nach draußen auf den Bahnhofsvorplatz. Dort stehen mehrere hell beleuchtete Zelte, in die Flüchtlinge, auch jetzt in der Nacht, nach ihrer Ankunft gebracht werden. Sie werden dort mit Tee und warmem Essen, Informationen und einem Schlafplatz versorgt.

Der Einsatz ist bemerkenswert und ich frage mich: Wo ist dieses Willkommen für die Bahnreisenden, die viele Stunden auf den Zug warten müssen? Wäre nett jetzt einen warmen Tee zu bekommen….. aber ich will nicht fragen, da klar ist, das hier ist für Flüchtlinge und die Helfer sind schon genug gefordert.

Und ja es gibt sowas wie eine Lounge bei der Bahn wo es kostenlos warme Getränke gibt, jedoch vorbehalten den Reisenden der ersten Klasse und jenen mit anderen Vorrechten, wie der Bahnkarte 100, also nicht für alle Bahnreisenden und  um diese Uhrzeit vermutlich geschlossen.

An den Bahngleisen stehen Automaten, die warme Getränke herausgeben, doch mein eingeworfenes Geld behält der Automat und weder ein Getränk noch das Geld kommen wieder heraus!

Ich wandere umher und sehe hell leuchtend das Mc Donalds Schild und das dort 24 Stunden geöffnet ist. Hier ist geheizt und ins Internet kann ich auch, um mir die Zeit zu vertreiben. Als ich eintrete ist es angenehm warm und ich spüre wie mein Körper sofort entspannt. Die Menschen an den Tischen wirken auf mich, wie Flüchtlinge und Obdachlose. Sie haben sich an den Tischen so eingerichtet, als wollten sie einen Teil, oder die ganze Nacht hier verbringen. Ich suche nach einem Platz und fühle mich unwohl in dieser Atmosphäre von grellem Licht, piepsenden Maschinen und den Blicken der anwesenden Menschen. Ich gehe wieder raus und suche weiter.

Nun bin ich doch ein wenig ratlos. Draußen vor dem Eingang sehe ich zwei Obdachlose am Boden in einem Berg von Decken schlafen. Der Boden um sie herum ist nass, kaum zu glauben, das sie da schlafen. Kein guter Platz da draußen im Nassen, um zu warten. Mein Blick schweift über den Platz, auf der Suche nach einem Restaurant, das um die Uhrzeit geöffnet hat, doch ich werde nicht fündig.

Frage an das Bahnpersonal, wo ich denn im Warmen warten könnte: keine Ahnung. Die umherwandernden Sicherheitsleute verweisen mich auf die Wartehallen am Bahngleis, oder die Bahnhofsmission.

Noch am Überlegen, ob ich zur Bahnhofsmission gehe, sehe ich eine dieser Fotoboxen, aus der ein warmes orangenes Licht leuchtet, das aus der rundlichen Kunstoffsitzgelegenheit darin kommt. Sie ist frei und außer Betrieb. Ja! Hier mache ich es mir mit meinen Decken und Aludecken, die ich vorsorglich eingepackt habe gemütlich. Schal, Handschuhe und Mütze dazu, so geht es. Ich döse vor mich hin, nicke ein, wache auf, schlafe wieder ein…..und verbringe so die Zeit.

Gedanken blitzen durch meinen Kopf. Wie wäre das, wenn mal jeder Bürger ausprobiert, wie das eigentlich ist so ohne Wohnung auf der Strasse? Sich mal ein Bündel zusammen packt und die Nacht auf der Strasse verbringt?! – Die Wertschätzung für das, was man hat wird garantiert steigen! – Ein warmes Bett, ein Kopf über dem Dach, etwas zu essen, das kann glücklich machen und der Kontrast hilft es zu schätzen.

grateful

Eine Nacht unter freiem Himmel kann auch wundervoll sein, wenn es nicht gerade nasskalt ist.

Später, als der Nachtzug eintrifft und ich ein beheiztes Abteil finde, in dem ich mich ausgestreckt hinlegen kann,  bin ich froh entspannen zu können und die vier Stunden gut überstanden zu haben!

Mit der Wertschätzung ist das so eine Sache man sollte sie nicht vergessen! Wertschätzung macht glücklich und zufrieden und es ist gut sich daran zu erinnern, wie gut es einem doch geht, was man alles hat und bekommt was man braucht.

Auf Facebook postete jemand ein Foto eines Flüchtlings, der aus Dankbarkeit für das, was er bekommen hat, als er in Deutschland ankam, etwas zurück geben wollte und nun für Bedürftige in Berlin Essen kocht  und es kostenlos verteilt! (zwei Tage nachdem ich das hier schrieb, berichtet auch auch NTV  LINK)

berlienneienei

 

 

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Filmtip: Mein Sohn Helen

Finn Nochmals für einige Tage auf der Mediathek des ARD zu sehen ist der Film Mein Sohn Helen.

http://www.ardmediathek.de/tv/Film-im-rbb/Mein-Sohn-Helen/rbb-Fernsehen/Video?documentId=31775318&bcastId=10009780

ZITAT ARD: „Das Thema „Transgender“ rückt immer stärker in den Fokus des öffentlichen Interesses, auch als Filmthema. Eindrucksvoll, authentisch und klug wird hier die Problematik in all ihren Schattierungen beleuchtet. Eine Dramedy mit feinem Humor, weder sentimental noch düster. Jannik Schümann glänzt mit seiner berührenden Darstellung von Finn/Helen. Und Heino Ferch als alleinerziehender Witwer stellt die emotionale Achterbahnfahrt vom gänzlich überforderten bis zum verständnisvollen Vater glaubhaft dar.“

Frankreich: Videobeitrag über eine Frau mit Bart

2012 im April erschien dieses Video, das ich heute entdeckte.

 

Der Beitrag ist in einer für das Fernsehen üblichen Weise aufgebaut.

Man filmt die Frau mit Bart beim Blick in den Spiegel, beim Rasierer kaufen und rasieren, mit Freunden oder Familie, will wissen wie sie alle reagieren. – Und immer wieder geht es darum, wie Frau mit Bart sich anpassen kann, um nicht aufzufallen. Es ist auch nicht einfach und sehr nervig, wenn andere Menschen befangen reagieren, und damit der Kontakt mit Menschen, die Frau mit Bart zum ersten Mal begegnen,  „behindert“ und „gestört“ wird, nur weil man „anders“ aussieht. Aber wie soll sich etwas verändern, wenn sich alle an „alte“ Ideen und Bilder anpassen und wenn die, die anders aussehen versteckt oder „zurechtoperiert“ werden, um ins Schema zu passen! Ich finde es tut uns Menschen gut, auch mal etwas außerhalb der Norm zu sehen. Es regt an in andere Richtungen zu denken.

Von einem Afrikaner hörte ich, das es in Afrika öfters Frauen mit Bart gäbe, die ihn auch stehen lassen. Dort haben diese Frauen den Ruf stur bzw stark und eigenwillig zu sein.

Je nach Kulturkreis werden unterschiedliche Eigenschaften und Eigenheiten auf eine Frau mit Bart projeziert. In Spanien werden magische und seherische Fähigkeiten in Verbindung mit der Frau mit Bart gebracht. Die Heilige Kümmernis oder Wilgefortis, die Frau mit Bart am Kreuz wurde von Polen, über Österreich, bis nach Spanien verehrt und dort gibt es Bildnisse der Wilgefortis, die in Frankreich Affligée und in Spanien Librada genannt wird. Wilgefortis heißt von starkem Willen, und da findet sich eine Verbindung zur Bedeutung, die man dem Frauenbart in Afrika gibt!

Frauen mit Bart gab es schon vor hunderten von Jahren

margaret halsebaerFrauen mit Bart.

Ob es sie schon immer gab? Ich nehme an ja. Jedenfalls gibt es Zeugnisse, daß es sie schon vor vielen hundert Jahren gab. Ein Bildnis, das im Suermondt-Ludwig-Museum in Aachen hing, zeigt Margret Halseber, eine Frau mit Bart. Es wurde um 1550 in Öl auf Eichenholz gemalt. Doch ist es nicht mehr im Aachener Museum zu sehen, da es leider 1972 gestohlen wurde und seitdem nicht mehr gefunden wurde!!! Allerdings gibt es mehrere Versionen und eine davon hängt in der Alten Pinakothek in München. Die Geschichte der Bildnisse der Margaret Halseber, die vermutlich aus Basel stammte ist sehr interessant und ausführlich auf Wikipedia nachzulesen!

Mehr über Frauen mit Bart könnt ihr in der Ausstellung: Bart – zwischen Natur und Rasur im Neuen Museum in Berlin ab dem 11.12.2015 bis 29.02.2016 erfahren.

Beyond Elsewhere – Von hier aus – Film Dokumentation

Ein anderes Leben leben. Wie kann das aussehen?

Der Dokumentarfilm  mit dem Titel :“Von hier aus“ oder auch „Beyond Elsewhere“ von Johanna Kirsch und Katharina Lampert zeigt drei Beispiele von Menschen, die ihre Ideen umgesetzt und eine alternatives Leben gewählt haben. Als Vorbereitung auf den Film besuchten die beiden Filmemacherinnen  rund ein Jahr lang Menschen, die ein alternatives Lebenskonzept umgesetzt haben. Auf drei von ihnen fiel dann die Wahl, darunter auch Ute Schiran und Rita Hagelstange.

Den Film konnte ich noch nicht sehen, er macht einen sehr interessanten Eindruck und ich werde ihn mir auf alle Fälle anschauen, sobald ich dazu Gelegenheit habe.

Der Film läuft im Dezember 2015 in Wien! Hier die Orte und Daten:

Von Hier Aus – Beyond Elsewhere beim wunderbaren This Human World Festival mit vielen sehr sehr spannenden Filmen!
am Sa. 05.12.2015 um 21:00 imTop Kino – Saal 2 in Wien
und ab 12.12.15 regulär täglich (für ca. 2 Wochen) um 19:00  im Top Kino www.topkino.at/, Wien, Österreich

Ein Interview des ORF mit den Filmemacherinnen kann man hier lesen. und hier auf der Webseite des Films eine genaue Beschreibung des Filminhalts.

von hier aus