Tagebuch 1.Tag

Es ist dann einfach passiert. Na irgendwann sollte es wohl sein. Das dauerte nun schon über 23 Jahre. Nun war es soweit. Da stand ich . Manche Dinge müssen einfach irgendwann passieren. Die Natur kann nicht ewig zurückgedrängt werden. Also nun dürfen meine Haare sein. Nun dürfen sie wachsen. Der Bart darf sein. Das könnte das Ende eines 23 Jahre andauernden Kampfes gegen ein Naturphänomen sein, dessen Kraft und Schönheit ich nicht sehen wollte.

Das Foto von Jennifer Miller überzeugte mich.

Das ist es was ich sein will. Alles ist ok wie es ist!

Ich finde mich schön.- Ich liebe meine langen Haare und bin zufrieden. Ich bin Frau, ich bin Mann, ich bin. Alles ist in mir. Die alten Grenzen und Schubladen beginnen sich aufzulösen. Wer sagt ich sei eine Frau? Was macht eine Frau aus? Und ist eine Frau mit Bart keine Frau mehr? Was ist mit all den fließenden Übergängen?! Zu meinem Bart zu stehen – zu mir zu stehen, öffnet mir Türen zu mir selbst, die zuvor verschlossen waren. Mich anzunehmen, ehrlich zu sein und mir den Platz zu nehmen den ich brauche, bringt mich in meine Mitte – macht mich ganz.

Kein Verstellen, kein Weglaufen mehr. Einfach sein wie ich bin. Das ist die Zukunft.

Ich denke die Menschheit bewegt sich darauf zu miteinander auf eine offenere und ehrlichere Art zu sein.