Tagebuch 8. Tag

Ich möchte hier eine Episode erzählen, die sich vor einigen Tagen zugetragen hat.

Über das Internet lernte ich Loewin kennen, die einen Blog zum Thema Frauenbart hat (http://loewin.wordpress.com/). Wie sich herausstellte lebt sie in der selben Stadt wie ich und wir verabredeten uns.

Wir gingen im Park spazieren und nach einer Weile setzten wir uns auf eine Bank und sprachen miteinander. Zwei Frauen die ihren Bart wachsen lassen, die ihre Gesichtshaare wachsen lassen, wie es die Natur vorgibt. Während wir da sitzen kommt ein Mann vorbei. Er geht ziemlich schnell und läuft im Kreis über den Platz.

Wir schauen auf und sehen wie er die eine Hand an seinen Körper drückt und die andere Hand weit von sich nach vorne streckt, so dass jedermann sie sehen kann. Wir sehen seine Fingernägel. Diese sind 30 oder 40 cm lang und haben sich während ihres Wachstums gedreht! So etwas sah ich nur einmal als Jugendliche im Guinnes Buch der Rekorde – Ein Inder hatte damals die längsten Fingernägel der Welt. – Und nun – live – hier vor uns….was für eine Begebenheit….wir mit unseren Barthaaren und er mit überdimensionalen Fingernägeln.

Er lief leider sehr schnell vorbei und wirkte scheu….so als wolle er sich einerseits zeigen und als habe er andererseits auch Angst davor……Ich war versucht ihn anzusprechen…doch er wich den Blicken aus (kenne ich nun auch…) und er drehte seine Kreise sehr schnell – bis er dann nach dem dritten mal um die Ecke bog und verschwand…So kam es nicht zu einem Gespräch. Schade.

Wäre sicher interessant geworden so ein Gespräch.

Ich sagte zu Loewin: „Wenn das hier eine Filmszene wäre, dann hätte man uns vorgeworfen wie inszeniert es ist.“ – Manchmal ist das Leben einfallsreicher als ein Drehbuch für einen Film.

Ja und wie war mein Tag heute?

Zunehmend schwer. Nicht immer fühle ich mich gewachsen in die Menschenmenge zu gehen, mich den Blicken vor allem in U-Bahn, S-Bahn oder Straßenbahn auszusetzen. Noch waren alle Begegnungen erträglich. Keine Angriffe und Beschimpfungen, wie ich es befürchtet hatte. Selten musste ich an Jugendlichen oder aggressiven Gruppen vorbei. Glück gehabt. Puh.

Bin jedoch froh, wenn ich nicht jeden Tag da hinaus muss, in die Großstadtwildnis.

Dies war auch vor meinem Bartwuchs schon so. Selbst ohne Bart fühlte ich mich immer mal wieder beobachtet und bewertet. Fühlte mich manchmal unwohl mit so vielen unbekannten Menschen. Das sind die Tage wo ich lieber zu Hause bleibe.

Wenn ich mich beschwere, dass die Anderen mich bewerten und beobachten, dann vergesse ich dass ich selbst das auch ständig tue. Die Welt hält mir den Spiegel vor!!

Fragte mich heute welche Kleidung würde ich tragen wenn ich einen Bart habe? Würde ich einen schwarzen Anzug tragen? Passend wäre es vielleicht. Allerdings würde ich mich verkleidet fühlen.

In mir neuen Webseiten lese ich über Dragkings. Das ist etwas womit ich mich bisher nicht beschäftigt habe. Interessant was so alles in einer Woche Bartwachstum passiert. Um mich und in mir.