Sonntagsfeuilleton auf SWR 2 zum Thema Bart 9:03-12:00 Uhr 3. Juni 2018

Am 3. Juni Sonntag, von 9:03- 12:00 Uhr widmet sich das SWR 2 Radio dem Thema Bart!

In drei Stunden geht es um Männerbärte vom Anfang über die Pflege bis hin zum Rasieren und zum Schluss in der letzten Stunde dann auch ein wenig über den Frauen Bart. Hier der Link mit mehr Informationen zur Sendung.

Gesprächspartner der Sendung sind Dr. Alexander Schwinghammer, Kulturanthropologe und Autor des Buchs „Anything Grows“; der vierfache Bart-Weltmeister und Präsident des Clubs für Bart und Kultur „Belle moustache“ Jürgen Burkhardt und der Politikwissenschaftler und Soziologe von der Forschungsgruppe Wahlen, Dr. Dieter Roth.

Redaktion: Monika Kursawe
Musik: Frank Armbruster

Moderation: Manuela Reichart

 

Thema FRAUENBART, Nachtrag… 267. Tag

biberachfoto055Die BILD Zeitung hat das Thema Frauenbart entdeckt!!

In der heutigen Internet Ausgabe gibt es einen Artikel über den Frauenbart! Darin sagt der Professor Dr. med. Hans Wolff, von der Klinik für Dermatologie und Allergologie an der Universität München: „Der Damenbart ist in den meisten Fällen vererbt.“

Interessant! – Ob die Barthaare anlagebedingt sind, oder krankhaft, könne nur der Arzt feststellen, sagt er. Weiter im Text heißt es, dass über 5 % der Frauen im Gesicht in etwas so stark behaart seien wie MÄNNER!

Viele Frauen würden unter diesem Haarwuchs leiden. Schade. Es wäre schön, wenn die Frauen mit Bart etwas Besonderes – eine Schönheit sein könnten. Wenn sich die Frauen dafür nicht schämen müssten, sondern sogar stolz darauf sein könnten!

Nachdem die Band Cocorosie(link) mit Bärten auftrat gibt es im Netz auch Junge Frauen (link), die Spaß daran finden mit einem künstlichen Schnurbart durch die Gegend zu laufen!

Der Anfang einer Veränderung?!

Die letzten Tage beschäftigte ich mich mit meinen Laborergebnissen. Bei mir hatte die Endokrinologin nicht wirklich eine Erklärung. Es könnte genetisch bedingt sein. Ich habe eine leichte Glukoseintoleranz, was mit eine Ursache sein kann. PCOS, was oft ein Grund ist, wurde bei mir nicht festgestellt. Es könnte eine Störung der Hypophyse oder der Nebennieren sein, was in meinem Fall auch nicht bestätigt wurde. Das Übergewicht kann eine Ursache sein. Wenn ich da jedoch an Jennifer Miller denke, die schlank ist, dann trifft das in ihrem Falle nicht zu. – Falls ich irgendwann mal eine wissenschaftliche Antwort habe, warum mir ein Bart wächst, dann werde ich sie hier veröffentlichen.

Was die Entfernung des Damenbarts betrifft, so hat das Lasern mit IPL bei mir nur für kurze Zeit den Haarwuchs gestoppt! Eine Freundin, die sich ihre Barthaare vor über 20 Jahren mühsam bei einer Kosmetikerin mit Nadeln epilieren lies, ist seitdem ohne Bart und die Haare wuchsen nie wieder nach!

Tagebuch, 88. Tag

Es war eine kurze Nacht. Nach 5 Stunden Schlaf durfte ich wieder aufstehen. Ich war genervt.

Auch wenn ich froh bin einen Schlafplatz zu haben, nach einer Woche im Zigarettengeruch ist es genug. Meine Kleidung riecht schrecklich unangenehm. Und meine Gastgeber hätten auch eine Pause verdient. Aber was soll ich machen?! Ich verlies gleich nach dem Austehen das Haus, ohne Frühstück und ging zu dem Hostel. Der Chef hatte nichts für mich. Vor einer Woche wurden angeblich alle Stellen besetzt. Ich fragte in einem anderen Hostel auch nichts.

Samstags ist Markt in Galway. Auf dem Markt traf ich auf Dennis, der aus Indien stammt und mit seiner Frau einen Marktstand betreibt. Wir hatten uns schon öfters gesehen. Er hat eine interessante Ausstrahlung und ist jemand, den man nicht so leicht übersieht. Diesmal unterhielten wir uns eine Weile. Er erzählte mir, wie es ihm ging, als er mich das erste Mal sah. Er überlegte damals, ob ich eine Frau oder ein Mann bin. Da er eine Frau kennt, die sich zum Mann umwandeln ließ, dachte er ich könnte auch eine Frau sein, die Hormone nimmt, um ein Mann zu werden. Ich erzählte ihm ein wenig von mir und dem Bart.

Im Gespräch mit Dennis erfuhr ich, das es im Moment nicht einfach ist auf dem Markt mit Kunsthandwerk und Kleidung Geld zu verdienen. Die Menschen würden ihr Geld festhalten, vielleicht durch die Finanzkrise…Im Sommer sei es leichter Geld zu verdienen auch mit dem buskin. Meine Idee mit eigenem Gebäck etwas zu verdienen stellte sich als hochkompliziert heraus. Einiges an Papierkram mußte erledigt werden, um eine Erlaubnis zu bekommen.

Da es heute auch sehr kalt war, und ich zudem müde und genervt, ließ ich es mit dem Puppenspiel. Ich ging wieder in das französische Cafe und spielte etwas Klavier, während ich mich aufwärmte.

Es ist ein schwieriger Moment mit weniger als zehn Euros in der Tasche – nicht wissen wie es weiter geht, kein Job in Aussicht und die Tage in meiner provisorischen Unterkunft sind auch gezählt. Vielleicht muß ich das tun, was ich nicht wollte: mir Geld leihen, nach Deutschland zurück fliegen und dort einen Job suchen oder erst mal Hartz IV beantragen….

Den ganzen Tag bin ich nicht in der Unterkunft. Abends gehe ich ins Tara, wo wir gestern waren und entdecke daß es auch WLAN hat. Ich kann surfen und Tee trinken. Wenn ich den bezahlt habe, dann habe ich noch 1€! Wäre gut morgen Geld zu verdienen! Hoffe das Wetter spielt mit. Auf der Straße sitzen auch hin und wieder Menschen, die einfach einen Becher vor sich hinstellen und darauf warten, daß ihnen jemand Geld hinein wirft. Ob das gut funktioniert? Heute überlegte ich, ob ich das tun würde. Doch irgendetwas hält mich davon ab. Bin ich zu stolz dafür? Ich tue gerne etwas für das Geld das ich bekomme. In Deutschland würde ich mich mit dem Sammeln von Flaschen ganz gut über Wasser halten können. Hier haben die Flaschen kein Pfand. Leider.

Es ist schön, daß ich immer wieder mal Geld auf der Straße finde. Meist sind es kleine Münzen bis 20 cent. Doch schon zweimal fand ich 1€. Das kann ich in der Situation besonders schätzen und es macht mir Hoffnung.

Ein etwas unscharfes Foto von heute Abend im Tara.

Tagebuch, 87. Tag

Jetzt kann ich den Bart schon ein wenig umgestalten! Mußte gestern Nacht über mich selbst lachen, was da so alles möglich ist….freue mich schon auf einen noch längeren Bart!

Ok ich hab mich dann mit meinen Sockenpuppen und einigen Kartons in die Shopstreet gestellt. Immerhin ca. 15 Minuten bis ich weggeschickt wurde, da ich vor einer Feuerwehreinfahrt stand…die anderen Plätze waren heute schon besetzt mit einem Saxophonisten und Ballongestalter und weiteren Musikern. Schwer, da nicht ins Gehege zu kommen. Gut, ich hab es versucht. Die Kinder schauten interessiert zu den Puppen, doch die Erwachsenen zogen oder schoben sie weiter. War vielleicht ein falscher Moment? Immerhin hab ich meine Angst überwunden und freute mich, als ich da saß. Schwierig ist, daß ich improvisiere und es wäre einfacher wenn ich ein Stück hätte, um mich sicherer zu fühlen. Also dann: mal ran an die Arbeit.

Ich war etwas gefrustet, und müde, da die Nacht zu kurz war. Ich setzte mich ans Ufer aß mein Brot mit Käse und sonnte mich. Wohltuend die Wellen und das Geräusch des Wassers.

Heute Nacht ist Halloween und es kann sein, daß dort wo ich schlafe wieder getrunken und gefeiert wird bis in die Morgenstunden, mit  Zigarettenqualm. Also ist nix mit Schlafen. Puh. Morgen gehe ich zu einem Hostel, wo es eine Möglichkeit geben könnte für Logis zu arbeiten. Nachmittags schminkte ich die Kinder auf einer Veranstaltung vom Spirit Voice Festival.

Im Restaurant Tara war um 21 Uhr eine Musikveranstaltung von Spirit Voice Festival mit sehr guten Musikern. Leider waren viel zu wenig Leute gekommen. Sie dauerte drei Stunden und ich malte die ganze Zeit meine Karten, die ich verkaufen wollte, um Geld zu verdienen. Ich war völlig versunken, lauschte der Musik und fühlte mich sehr wohl in der Atmosphäre. Ich trank Earl Grey Tee mit den seltsamsten Teebeuteln, die ich je gesehen habe!! Und die ich absolut genial finde. Ein ausgesprochen schönes Design. Hier ein Foto der Teekanne mit dem Beutel, die Hülle in der er steckt liegt rechts daneben.

Weiter unten dann Fotos von den Karten. Die Musikerin auf dem Foto, Roisin ist ihr Name, fand meine Karten so schön, daß sie mir gleich zwei davon abkaufen wollte. Da ich die Eine mit dem grünen Monster erst noch kopieren wollte kaufte sie mir die mit dem Vogel für 5€ ab!! Super. Ein Erfolgserlebnis! Und mir machte das Zeichnen richtig viel Freude und die Musik inspirierte mich auch. Das Essen im Tara ist supergut. Der Wein ebenfalls. Dort finden auch Murder Mysteries statt.

Um Mitternacht ging ich dann nicht zurück, da ich dachte, daß ich noch nicht schlafen kann. Ging ins französische Restaurant mit dem Klavier und spielte Klavier und malte die fünfte Karte fertig. Auf dem Weg durch die Stadt sah ich die unglaublichsten Masken und Kostüme. Viel besser als Karneval. Da war echt ganz schön was los an diesem Halloween. Einige Schlägereien gabs auch und die Menschen sind hier extrem betrunken. Jetzt ist es fünf Uhr früh ich tippe noch diese Seite und die Gäste sind weg.

Kurt liegt am Boden, er war so betrunken, daß er, als er noch etwas gegessen hat, über seinem Teller eingeschlafen ist und dann mit der Gabel in der Hand vom Stuhl auf den Küchenboden rutschte. Ich kriege ihn nicht wach. Habe ihm eine Decke drüber gelegt und ein Kissen unter seinen Kopf geschoben, denn er liegt auf den kalten Fliesen. Unglaublich wie man sich so betrinken kann, daß man fast im Koma liegt! Das hier ist ein Ambiente das ich mir für mich nicht wünsche. Dennoch bin ich sehr dankbar hier sein zu können, denn ich könnte mir kein Hostelzimmer leisten. Ich wünsche mir sehr, daß sich endlich etwas anderes auftut. Es ist interessant und schön, Gesellschaft zu haben und nicht alleine irgendwo zu sitzen. Kann mich in Toleranz üben.

Tagebuch, 86.Tag

Gestern fing es wieder an zu regnen, und ich konnte mich schon wieder davor drücken mit den Puppen vor Publikum zu spielen. Jetzt habe ich es mir fest vorgenommen morgen, für mindestens eine halbe Stunde Puppentheater zu spielen (und falls das Wetter wirklich zu schlecht ist, dann eben übermorgen).

Abends sah ich mir ein Zimmer in einem Haus in Lower Southhill an. Es war sehr schön und sauber, diesmal kein Schimmelgeruch, doch leider wurde wieder geraucht. Das Zimmer war mini, ein Bett und ein Schrank und kaum noch Fläche zum Stehen, dazu eine Dachschräge. Das Ganze kostete 290€ im Monat, obendrauf kamen noch die Stromkosten, Internet und TV. Da die Heizung elektrisch ist…kann die Rechnung im Winter schön hoch werden.

Die drei Bewohner waren sympatisch. Zwei Italienerinnen und ein Spanier. Schade, wieder nichts. Ich war enttäuscht und traurig und fühlte mich ratlos. Spazierte zum Meer und zurück in die Wohnung.

Dort saßen wir drei noch eine Weile beisammen. Schön gemütlich vor dem Kaminfeuer, während es draußen feuchtkalt war.

Das Schaufenster der angeblich besten Bäckerei Irlands, Griffins, dekoriert für Halloween. Auf dem nächsten Foto ist die Bäckerei zu sehen. Hab bisher nur dIe Croissants von Griffins probiert, sie schmecken gut, wenn auch anders als in Frankreich.

Ich zog mir am gestrigen Abend den Schal vor den Bart. Wollte meine Ruhe von den Blicken und es war auch kalt genug.

Heute war den ganzen Tag über strahlender Sonnenschein, blauer Himmel und kalt. Morgens kümmerte ich mich um eine Wohnung las die Zeitung und schaute nach Jobs. Doch mit noch keinem Ergebnis. Nachmittags ging ich mit Jule zu einem Refugeehome, einem alten Hotel in dem Flüchtlinge aus Afrika und anderen Ländern wohnen. Jule hat zusammen mit einigen Anderen ein Halloweenfest für die Kinder organisiert. Ich wollte mit meinen Sockenpuppen spielen. Doch dann half ich beim Schminken mit. Da alle Kinder geschminkt werden wollten, schminkten Jule und ich die Kinder Nonstop über zwei Stunden, bis zum Ende der Veranstaltung! Schmetterlinge waren bei den Mädchen beliebt und die Jungs wollten Spiderman sein.

Es machte richtig viel Spaß! Die Kinder waren super. Und bis auf ein Kind, das mich fragte, ob ich Junge oder Mädchen sei, schien es nichts so Ungewöhnliches zu sein, daß ich einen Bart hatte. Sie nahmen es hin, und ich fühlte mich mit dem Bart heute sehr wohl und mochte ihn.

Das Schminken war so erfolgreich und die Kinder so dankbar, daß ich richtig Lust bekam es weiterhin zu machen. Da es nun draußen schon etwas kalt dafür ist, dachte ich daran es im Einkaufszentrum anzubieten. Anschließend ging ich also zu einem der Schoppingcenters in Galway, doch der Chef hatte schon Feierabend. Da ich schon mal dort war fragte ich bei einem anderen großen Laden nach, der um Weihnachten angeblich immer mehr Personal einstellte. Mir wurde gesagt, daß sie nicht wissen, ob sie dieses Jahr mehr brauchen, doch ich könnte meinen CV, das ist der Lebenslauf, einreichen.

Auf dem Heimweg dachte ich über die Art, wie ich nach Arbeit suche, nach. Es gibt verschiedene Arten Arbeit zu suchen und verschiedene Ansätze worauf man sich dabei konzentrieren kann. Zum Einen kann man eine Arbeit suchen aus Angst davor, kein Geld zu haben, um die Rechnungen zu zahlen. Sich also eine Arbeit zu suchen, unter dem Gesichtspunkt Geld zu verdienen, egal ob mir die Arbeit Freude macht oder nicht.

Die andere Herangehensweise ist, mir zu überlegen, was kann ich und was davon macht mir besonders viel Freude. Und wie kann ich das, was mir lieb ist und mir gut tut nach Außen in die Welt bringen und dafür auch noch bezahlt werden. Dies braucht viel Kreativität. Je kreativer und freier ich darin bin, um so besser.

Mit dieser zweiten Herangehensweise begebe ich mich in die gebende und stärkere Position. Es gibt mir ein gutes Gefühl, ein besseres Selbstwertgefühl, denn ich habe etwas zu geben. Es geht um die innere Haltung. Wenn ich mit Freude etwas zu geben habe, dann geht es mir besser, als wenn ich mit einem Gefühl des Mangels und dem Gedanken: „ich brauche Geld“ eine Arbeit mache.

Morgen gibt es die erste Veranstaltung vom Spirit Voice Festival und ich werde wieder Kinder schminken. Im Hinterkopf immer noch, das ich ja eigentlich mit den Puppen eine halbe Stunde spielen wollte…..ja es ist nicht so einfach…..vielleicht ist es auch nicht das was ich tun soll….? Irgendwann werde ich es wissen…

Tagebuch 17.Tag

Als ich heute die erste Wohnung besichtigte, wurde ich für einen Drag King gehalten, da ich mit Bart und einem Anzug auftrat. Ich antwortete: „Nein. Noch nicht, aber das kann noch werden.“

Ob der Bart echt sei, oder angeklebt, werde ich gefragt.

Die Frau ist sympatisch und die Wohnung gefällt mir, doch die Miete ist zu hoch. Ich gehe weiter zur nächsten Wohnung.

Als ich anschließend über die Warschauer Brücke gehe, um von der Tram in die S Bahn umzusteigen, gehen viele Menschen an mir vorbei, darunter zwei Männer, die eine große Holzplatte tragen. Der Eine starrt mich an. Als sie an mir vorbei sind höre ich: Wäh!!

Ist ihm mein Anblick unangenehm? Oder machte er solch einen Laut, weil ihm die Holzplatte zu schwer ist?

Wie würde eine Welt aussehen in der sich alle Wesen frei bewegen, ohne mißachtet und bewertet zu werden?

Was wäre wenn Behinderte, „Mißgebildete“, Hell- und Dunkelhäutige, bärtige und behaarte Frauen, Männer mit Röcken und/oder langen Haaren und jeglicher Ausdruck sein dürfte? Wenn die Menschen dies als Bereicherung und als interessant ansehen würden? Eine Welt, in der die Menschen sich wahrhaftig zeigen und ausdrücken. In der sie nicht eine Rolle erfüllen, die von ihnen erwartet wird, sondern sich davon befreit haben und über ihre eigenen Grenzen gehen, sich selbst neu erfinden und kreieren. Eine Welt in der es dieses Denken in Rollen und Normen nicht gibt! Wäre es entspannter? Würde es stressen? Ich denke an Szenarien der Science Fiction Filme. Ich habe so eine Vision von einem toleranten und freien Leben und bin doch mit vielen der Werte und Normen verstrickt. Es fällt mir nicht leicht über diese Begrenzungen in meinen Gedanken hinauszugehen. Einige Werte und Normen machen für mich Sinn. Es ist schön ein lockereres und freieres Verhältnis zu ihnen zu haben und sein Leben nicht deshalb einzuschränken.

Ich dachte heute darüber nach, ob ich mir lieber auf dem Land eine Wohnung suchen sollte. Dort würden die Menschen vermutlich Anfangs Schwierigkeiten mit dem Bart haben, doch es wäre eine überschaubare Anzahl von Menschen, die sich dann irgendwann an meinen Anblick gewöhnt hätten und es akzeptieren würden (oder auch nicht…..).

In einer Großstadt, wie Berlin begegne ich sehr vielen unbekannten Menschen. Dadurch ist der Stress größer denke ich, wenn ich nicht angepasst aussehe. In einem Dorf kann es anstrengend werden, wenn die Akzeptanz für die Andersartigkeit nicht da ist und man unter der Art und Weise, wie die Menschen einen behandeln, leidet. Gedankenspielerei.

Nachdem ich heute mehrere Wohnungen angeschaut hatte, ging ich abends mit einer Freundin essen. Wir hatten ein schöne Zeit miteinander. Am Schluss meinte sie zu mir, dass das mit dem Bart doch schon gewöhnungsbedürftig sei.

Die Wohnungssuche gestaltet sich dieses Mal recht abenteuerlich.

Ein Mann benutzte die Besichtigung seiner Wohnung, in der Zimmer frei waren, dazu mich anzubaggern. Und das trotz Bart.

Von einem anderen Mann bekam ich auf meine Anzeige zur Wohnungssuche folgende email, deren Wortlaut ich auch schon bei den Wohnungsangeboten im Internet gelesen hatte.

Hallo,

hast du noch nicht ein WG-Zimmer oder Apartment getroffen? Kein Problem !!
Willst du in einer Traumapartment KOSTENLOS leben? Es ist eine sehr ruhige, modern, bequen, möbliert wunderschönen Apartment (75 qm) mit große Balkon, Garten Hinterhaus, SAT, T.V., DVD, Internet, Telefon, Fax und Stereoanlage, alles nutzbar, neben U-7 Wilmersdor-Volspark, 5 Minute zu Fuß nach Kudamm.
Die wohnung besteht aus wohnzimmer, schlafzimmer mit doppelbett und grossem kleiderschrank, küche und bad. Alles modern, schöne Dekoration und sauber.
Ich suche schöne und Liberale Frau mit mir nur süß und nette sein und zusammen in Harmonier Leben. Hunde und Katze sind Welkommen.
Ich bin 38/177/70, Musiker & Komponist, nicht Rauchen, tolerant, kreativ, aktiv, spontan, solvent und humorvoll.
Ich hoffe bis bald.
Angelo

Da merke ich meine Grenzen. Doch wer weiß, vielleicht findet er so seine Traumpartnerin….

Tagebuch 14. Tag

Zwei Wochen sind es nun, daß mein Bart wächst. Täglich eine halbe Stunde Zeit mehr zur Verfügung …da ich die nicht mehr damit verbringen muss zu zupfen!

Mein Bart wächst und ich mit ihm. Fühle mich voller Energie, Wut, Lust, Aggression, es ist was los in mir es brodelt….meine Energie will hinaus und ich bin aufgeregt.

Der Bart führt mich. Er sagt mir was ich zu tun habe. Wir sind Freunde. Ich mache mich und meinen Bart zu einem Kunstprojekt!

Anfangs vermisste ich das Zupfen. Nun habe ich es vergessen und bin froh, daß ich mir diese Schmerzen nicht mehr antue!

Wieder ist heute ein Tag an dem ich mir Wohnungen anschaue. Eine WG und eine Einzimmerwohnung.

Ich muss durch Neukölln und Kreuzberg durch und merke wie ich mich unwohl fühle und Angst habe. Später komme ich nach Tiergarten und Mitte und auf den Alex, und in das Nicolaiviertel, wo all die Touristen sind und es edler ist und sofort fühle ich mich sicherer – und auf eine andere Art noch mehr angeschaut.

Die letzten Monate verbrachte ich mit Künstlern aller Art und ich hatte ganz vergessen wie „Normal“ die normalen Menschen sind.

Die erste Wohnung eine Zweier-WG liegt am Kanal in Kreuzberg und eine hübsche junge Frau öffnet mir die Tür und ich meine zu beobachten wie sie mich mehrmals genauer anschaut. Ihre Blicken scheinen an meine Gesichtshaaren hängen zu bleiben und zu stutzen. Sie spricht nicht darüber. Ich auch nicht. Kurz wollte ich was dazu sagen, doch dann lies ich es. Wir sprachen, als sei nichts – doch irgendwie stand der Bart, zumindest für mich dazwischen, da ich weiter darüber nachdachte was sie wohl dachte. Der Blick aus dem Zimmer ist gigantisch! Ich blicke direkt auf den Kanal und in die riesigen Bäume. Doch irgendetwas gefällt mir nicht. Ich fühlt,e mich nicht ganz wohl. Ich ging wieder und lies es offen, ob ich das Zimmer nehme. Jetzt da ich darüber schreibe, weiß ich, daß es nicht das richtige Zimmer ist. Ich werde ihr absagen.

Da die Frau ein Stück jünger ist als ich, wünsche ich ihr innerlich ohne es zu sagen, Jemanden passenderen zu finden und mir ebenfalls etwas Passenderes zu finden.

Durch die Begegnung mit ihr, dachte ich darüber nach, wie oft wir Menschen im Alltag Dinge nicht ansprechen, die wir an anderen Menschen sehen und die ungewohnt sind, wie zum Beispiel eine Behinderung oder seltsame Flecken im Gesicht etc.. Ich will den Anderen nicht verletzten oder es ist mir peinlich darüber zu sprechen. Womöglich ist es dem, der das „Makel“ hat gar nicht so unangenehm darüber zu sprechen, denn schließlich lebt er/sie damit. Gelernt habe ich als Kind, die Klappe zu halten, darüber hinweg zu schauen und so zu tun als sei nichts. So bin ich auch heute oft unsicher, wie ich jemanden ansprechen soll, wenn mich sein auffälliges Äußeres neugierig macht.

Während ich so durch die Stadt gehe und fahre und die vielen vielen Menschen betrachte, denke ich darüber nach wie uniform sie angezogen sind. Es herrschen gewisse Ideen darüber wie Mann/Frau sich anziehen und die Haare und den Körper zu haben hat.

Jedenfalls ist das alles so ein Einheitslook. Dann sehe ich am Alex ein Plakat:

Sei einzigartig

sei vielfältig

sei Berlin.

Das passt zu meinen Gedanken. Ich bin dafür, dass die Welt bunter und noch individueller wird, als sie ist. Jeder soll das aus sich rausholen, was er zurückhält und sich verbietet, an Kreativität und Ideen. Was da so alles in jedem einzelnen Menschen zurückgehalten wird, aus Angst. Wie Schade.

Kann mir an die eigene Nase greifen – und bin auf dem Weg. Hoffe noch mehr werden das tun und sich selbst inszenieren, damit die Welt bunter wird.

Die nächste Wohnung liegt in der Nähe des Alexander Platzes und ist eine Einzimmerwohnung.

Ich bin spät dran.

Und dann weiß ich warum. Die nun folgende Szene im Bus musste wohl passieren:

Sitze im Bus auf der rechten Seite hinten und ein älter Mann steigt ein und setzt sich schräg hinter mich auf die anderen Seite. Erst passiert gar nichts. Dann irgendwann treffen sich unserer Blicke und er grinst mich an. Ich grinse zurück. Ein Gedanke sagt mir, dass er über den Bart grinst. Nach einer Weile wage ich wieder einen Blick nach Hinten und noch einmal treffen sich unsere Blicke, dann steht er auf und kommt auf mich zu. Er beugt sich zu mir runter und fragt ob er mich hier im Bus schon mal gesehen hätte? Er würde jeden Tag um etwa die gleiche Zeit mit dem Bus diese Strecke fahren. Nein. Nicht das ich wüßte….(vielleicht in einem anderen Leben)…dann erzählt er mir, daß er gleich zum Geburtstag geht, und blickt dabei auf den eingewickelten Blumenstrauß in seiner linken Hand. Als nächstes fragt er mich, ob ich verheiratet bin. Ich mache eine Geste wie ja sowas ähnliches. Und er darauf: Schade. Dann folgen Komplimente ich sähe schön aus besonders die Figur. Huch, da findet mal einer dicke Busen und füllige Figur gut! Er ist ein bischen alt für mich denke ich. Verspüre keine Lust auf körperliche Nähe mit ihm auch wenn er ein süsser und sympatischer Mann ist, der viel Lebenslust versprüht. Als Junger Mann war er sicherlich sehr attraktiv denke ich.

Er wohne gleich 1 Minute von hier sagt er, als er aussteigen muss.

Ich wünsche ihm noch eine schöne Geburtstagsfeier und von draußen grüßt er mich nochmal durchs Fenster.

Seltsam denke ich. Haben ihn meine Haare im Gesicht nicht gestört? Hat er sie etwa nicht gesehen? Oder war er nur auf die Figur fixiert?

Eine Station weiter steige ich aus, um die Wohnung zu besichtigen und denke noch hoffentlich wohne ich demnächst nicht hier denn dann muss ich ihm noch öfters begegnenn…und wie halte ich ihn mir vom Leibe?

Da ist sie wieder die Angst. Die Angst vor etwas was es nur in meiner Fantasie gibt. Denn es ist nichts passiert. Ich bereite schon wieder die Zukunft mit meinen Gedanken vor.

Also Stop. Denk an was Schönes.

Konzentriere dich auf das was du willst und nicht auf das was du nicht willst. Denn: das woran du denkst vermehrt sich!

Plötzlich ist alles Anders.

Ich entdecke so viel interessantes und so viel Schönes in dieser Stadt was ich zuvor nicht sah.

Im Internet stoße ich auf so interessante Räume in Berlin.

Und ich denke es liegt an mir was ich sehe.

Denke da an Abraham Hicks. Am 18.8.08 bekam ich folgende Message gemailt:

Life is supposed to be fun. You said, „I’ll go forth and choose. I’ll look
at the data, and I’ll say, yes to this, and yes to this, and yes to this,
and I’ll paint a picture of the things that I want, and I’ll vibrate about
them, because that’s what I’m giving my attention to. And the Universe will
respond to my vibration. And then I’ll stand in a new place where a whole
new batch of yeses are available, and I’ll say yes to this, and yes to
this, and yes to this.“ You did not say, „I’ll go forth and struggle into
joy“, because from your Nonphysical Perspective you know it is
vibrationally not possible. You cannot struggle to joy. Struggle and joy
are not on the same channel. You joy your way to joy. You laugh your way
to success. It is through your joy that good things come.

Excerpted from a workshop in Los Angeles, CA on Sunday, August 2nd, 1998

Wäre eigentlich ein schönes Schlußwort für heute.

Und dann hab ich doch noch was geschrieben:

Ich schaute mir die Einzimmerwohung an. Schön luftig mit vielen Bäumen und grün drumrum. Gefiel mir. Nach der Besichtigung wieder unten sitze ich auf der Bank unter dem großen Kastanienbaum vor dem Haus mit der Einzimmerwohnung. Entspanne mich und denke nach. All diese verschiedenen Welten die ich täglich sehe. Jeder Mensch ist eine Welt für sich.

Fühle mich verwirrt.

Wohin gehöre ich? Immer noch suche ich nach meinem Platz. Was bin ich? Wer bin ich?

Wie kann ich mit dieser Vielfalt umgehen?

Verwirrung entsteht in mir vielleicht auch weil ich noch immer überall dazugehören will.

Sollte das mal aufgeben.

Ich bin ich bei mir. Fertig.

Es ist windig und ich genieße den Wind, die Luft und blicke dabei auf zwei südländische Mädchen, die vor dem Haus miteinander lachen und spielen. Erst nach einigen Minuten fällt es mir auf.

Das eine Mädchen hat da wo die rechte Hand sein soll nur einen Knubbel. Doch sie scheint das nicht zu stören. Wild gestikuliert sie auch mit diesem Arm und lacht, ist vergnügt und beide sind so unbefangen miteinander. Wie es wohl dazu kam frage ich mich? Ich bin neugierig. Und ich frage sie nicht.

Die Welt ist so aufregend, vielfältig und überraschend – jeden Moment neu.

Tagebuch 5. Tag

Sonntag und ich blieb zu Hause. Ich untersuchte am Morgen den Bart. Weich ist er und starke Haare hat er. Es sind erst die Hälfte der, die da sind durchgekommen. Durch das Zupfen haben sie unterschiedliche Zeiten wann sie sich zeigen. Manche Haare sind an der Spitze schon weiß.

Eigentlich müssten die Augenbrauen auch wachsen dürfen. Vielleicht ist das der Kompromiss im Moment? Halb Mann halb Frau im Gesicht?

Denke an die U Bahn Fahrt morgen früh. Hab schon etwas Angst vor den Blicken der Menschen. Werde früh morgens fahren, da ich zur Ärztin muss und da sind viele unterwegs. Wie wird die Ärztin reagieren? Wird mich jemand überreden wollen was dagegen zu unternehmen? Ich werde es sehen.

Eine Frau mit Bart – mit Hose oder mit Rock. Für den Betrachter wird das Schubladendenken unterbrochen. Seine normale Einordnung verwirrt.

Immer wieder schaue ich in den Spiegel und bin von mir selbst fasziniert. Es ist eine Reise ins Unbekannte und es macht mich neugierig wie es weitergeht. Wie wird der Bart aussehen wenn er lang ist? Was wird es an Kommentaren und Reaktionen geben? Wie werde ich mich kommentieren? Spannend.

Bereue es fast schon, dass ich drei ILP Sitzungen machte, vor Jahren und einige der Haare dem zum Opfer fielen, während die meisten wieder kamen!! Vermutlich wegen der Hormone.

An dieser Stelle möchte ich Loewin danken für Ihre Unterstützung mir den Blog hier einzurichten und mich auf Jennifer Miller aufmerksam zu machen! Das hat viel für mich bedeutet und geändert und ist eine enorme Unterstützung. Vielen Dank Loewin!!

Hier der Link zu Loewins Blog: http://loewin-loewin.blogspot.com/..

Dort findet ihr noch mehr Informationen über Bartwuchs und Körperbehaarung bei Frauen.